Friedhof und Friedhofshalle in Annaberg / Kleinrückerswalde.

Zur 20. Wiederkehr der am 2. Januar 1911 erfolgten Weihe der neuen Friedhofshalle.

Von Paul Bach.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 4, 124. Jahrgang, 25. Januar 1931, S. 1 – 2.

Der Friedhof der Martin-Luther-Gemeinde im Stadtteil Kleinrückerswalde hat in den letzten Jahren mehrmals eine Veränderung und dabei auch eine Erweiterung erhalten, daß die Aufmerksamkeit der Gemeinde stets darauf gelenkt wurde.

Der Friedhof liegt in der Mitte des Ortes und umgibt auf allen vier Seiten das Gotteshaus. Auch Frohnau hat in den frühesten Zeiten seine Toten auf diesem Friedhof beerdigen lassen, und zwar bis zu seiner kirchlichen Angliederung an die Annengemeinde zu Annaberg, etwa bis 1506. Ueber die Größe des Fiedhofs in frühester Zeit sind keinerlei Nachrichten zu finden. Im Jahre 1841 hatte derselbe einen Flächeninhalt von 74 Quadrat-Ruthen. Die Südgrenze bildete die gerade Linienfortsetzung der in den letzten Jahren niedergerissenen alten Friedhofs- bez. Gartenmauer, da, wo im verflossenen Jahre 1930 der untere Weg zum neuen Gottesacker angelegt wurde. Bei der Flurvermessung 1912 wurde festgestellt, daß diese Mauer zur Hälfte der Kirchgemeinde und zur Hälfte dem Besitzer des ehemaligen Pfarrlehngutes (Reichelt-Gut) gehörte. Dieser alte Friedhof war ringsum mit einer Mauer umgeben. An der Kirchhofsmauer stand in der Nähe des Erbgerichts das erste Schulgebäude, wahrscheinlich im Laufe des 15. Jahrhunderts erbaut. Schon bei der Kirchenvisitation 1575 war es „ein bös und verwüstet Häuslein“, fristete aber sein Dasein bis in das 19. Jahrhundert und war völlig baufällig geworden. – Im Jahre 1843 wurde zwischen dem Erblehngerichte und dem Friedhofe eine neue Straße nach dem böhmischen Tore in Annaberg angelegt, darum mußte die Mauer des Gottesackers an der Westseite um 1½ Elle eingerückt werden. Um dieselbe Zeit machte sich nun auch eine Erweiterung des Friedhofes nötig. Lehnrichter Bärthel schenkte zu diesem Zwecke 25 mal 12 Ellen von seiner an die südliche Mauer des Friedhofes angrenzenden Wiese und erhielt die Erlaubnis, sein Erbbegräbnis, das sich bisher eben an der südlichen Mauer befand, an der neuen Mauer oben anzulegen.

Im Jahre 1877 war das Erbgericht samt seinem Areal in den Besitz der politischen Gemeinde durch Kauf übergegangen. Am 11. Oktober desselben Jahres richtete der Kirchenvorstand an den Gemeinderat ein Gesuch um Ablassung von Grundstück zur Vergrößerung des Friedhofes. Hierauf beschloß die Gemeindevertretung 1881, für eine Quadrat-Elle 25 Pfennig zu verlangen. Dieser Beschluß wurde wieder aufgehoben und am 28. November 1881 wurde der zur Erweiterung des Friedhofes nötige Grund und Boden, da er zum Erbgericht gehörte, unentgeltlich abgetreten. Die Südgrenze des westlichen Friedhofsteiles reichte nun bis zur Südgrenze des Reichelt‘schen Gartens. Die Steinmauer zwischen Reichelts Garten und dem neuen Friedhofe wurde vom Kirchenvorstande für 30 Mark käuflich erworben und durch einen Holzzaun ersetzt und mit einer Weißdornhecke bepflanzt. Den Zugang zu diesem neuen Teil des Friedhofes bildete ein Tor an der Westseite, dem Eingange zur neuen Kirchschule gegenüber, das 1897 wieder zugesetzt wurde, als das neue Tor dem Haupteingange der Kirche gegenüber geschaffen wurde.

Kopie
Kirche und Friedhof von Kleinrückerswalde im Jahre 1897. Im Hintergrund die alte Friedhofshalle.

Auf dem neuen Gottesacker mußten die Gräber unter vieler Mühe in den Felsen gesprengt werden. Die nötige Erde zum Planieren aber gewann man durch den Schulneubau (1881).

Im Jahre 1910 machte sich die 3. Erweiterung des Friedhofes notwendig, da die ungenügende, etwa 30 Schritt von der Kirche nach Süden zu stehende Leichenhalle – im Jahre 1875 aus dem 1844 oder 1857 errichteten Bahrenhaus umgebaut – durch eine neue zu ersetzen war und für diese eine passende Stelle nur durch Erweiterung des Kirchhofes gefunden werden konnte. Das neue Stück umfaßte 5,5 Ar und lag wiederum nach Süden zu. Einen Teil (2,6 Ar) hatte die politische Gemeinde geschenkt, der andere Teil (2,9 Ar) war für 1000 Mark von Frau verw. Gutsbesitzer Emma Thiele gekauft worden, nachdem Verhandlungen mit Nachbar Reichelt – der Kirchenvorstand hätte gern den Gottesacker nach Osten zu erweitert, da durch die Erweiterung nach Süden eine unschöne Form entstanden war – ergebnislos verlaufen waren. Der neue Teil des Friedhofes erhielt an der Straßenseite (Annenstraße) eine Mauer mit geschmackvollem Holzzaun und breitem Holztore, nach dem Thiele-Grundstück zu aber einen Stengelzaun. Die Fläche dieses erweiterten Friedhofes mit der auf ihr befindlichen Kirche betrug nun 26,4 Ar, wozu auch die kleine Spitze im Norden gehört, die vom Liebscher-Hause (früher Kirchschule von 1810 bis 1881), der Annenstraße und der nördlichen Friedhofseinfriedung eingeschlossen wird.

Auf dem Gottesacker wurde seit 1899 Stollenwasser zum Benetzen der Gräber und zur Bewässerung der Friedhofsanlage benutzt. Seit 1925 ist auch hier Wasserleitung gelegt. Die Gräber der Erwachsenen befinden sich auf dem westlichen, die der Kinder auf dem östlichen Teile. Der Längsweg von Süden nach Norden trennt beide Quartiere. Nach dem Innern des Friedhofes führen drei Tore, und zwar an der Nordseite bei Liebschers Haus und dem Haupteingange der Kirche gegenüber je ein Eisentor und im Südteile bei der Totenhalle ein großes Holztor.

Im Juni 1913 erging seitens des Stadtrates zu Annaberg an den Kirchenvorstand die Mitteilung, daß die Annenstraße zwischen Erbgericht und Schule einerseits und dem Friedhofe andererseits reguliert werden und der Kirchenvorstand die westliche Gottesackermauer etwa 2 Meter einrücken lassen möchte. Wegen der zahlreichen, ziemlich noch frischen Gräber, die verlegt werden müßten, konnte dem zwar nicht stattgegeben werden, doch wurde beschlossen, in Zukunft einen Raum von 2 Meter Breite an der Gottesackermauer mit Gräbern nicht zu belegen, um später ungehindert die Mauer einrücken zu können.

Da im Jahre 1926 der Friedhof bald voll belegt war, so entschloß sich die Kirchgemeindevertretung, wiederum den Friedhof zu erweitern. Hierzu kam ein Teil des im Osten angrenzenden Reichelt‘schen Grundstückes in Frage. Die stattgefundenen Verhandlungen mit dem Besitzer führten zu dem gewünschten Ergebnis. Die angekaufte Fläche betrug 588,15 Quadratmeter.

(Fortsetzung folgt.)