Friedhof und Friedhofshalle in Annaberg / Kleinrückerswalde.

Von Paul Bach.

(1. Fortsetzung.)

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 5, 124. Jahrgang, 1. Februar 1931, S. 2.

Der neue Teil des Friedhofes ist in der letzten Woche vor Pfingsten mit einer Einfriedung (Holzzaun) versehen worden. Hierzu stellten sich hilfsbereite Hände zur Verfügung und die Arbeiten wurden in den Freizeiten ausgeführt. Um ein einheitliches Ganzes zu schaffen, wurde der alte Zaun, der den alten Friedhof abgrenzte, beseitigt. Die alte Friedhofsmauer an der Südostseite, die mehrere Jahrhunderte alt und sehr baufällig war, wurde nach und nach abgerissen. Dieser neue Teil wurde am Totensonntage 1929 bei einer stattgefundenen Beerdigung durch Pfarrer Johne feierlich geweiht.

Durch die beiden letzten Vergrößerungen des Friedhofs war eine unschöne Form desselben entstanden und die Kirchgemeindevertretung beabsichtigte, diese zu verbessern. Dazu bot sich im Jahre 1929 die Gelegenheit, da das untere Pfarrlehngut (Reichelt-Gut) 1929 durch Kauf in den Besitz der Stadt Annaberg übergegangen war. Wohn- und Stallgebäude waren bereits in demselben Jahre wegen Baufälligkeit abgebrochen worden. Die städtische Verwaltung hat dem Gesuche der Kirchgemeindevertretung um Ablassung von Grundstück zur Vergrößerung des Friedhofs stattgegeben und eine Fläche von 1100 Quadratmeter ab 1. Januar 1930 zunächst in Pacht zur Verfügung gestellt. Davon wurden 880 Quadratmeter durch Versetzung des Holzzaunes kurz vor Weihnachten 1929 abgeschlossen. Dieser Teil hat am 8. Februar 1930 bei einem erfolgten Begräbnisse seine feierliche Weihe durch Pfarrer Johne erhalten. Der nun abgegrenzte Teil wurde von der Kirchgemeinde Ende des Jahres 1930 käuflich erworben und am 18. Dezember desselben Jahres im Grundbuche gerichtlich eingetragen.

Im Juni des Jahres 1930 wurde noch eine notwendige Veränderung des neuen Friedhofsteiles vorgenommen, indem im gegenseitigen Einvernehmen der Kirchgemeindevertretung und des Grundbesitzers Heinrich Löser, des Besitzers des ehemaligen Pfarrlehngutes (Thiele-Gut), ein Austausch des Geländes stattfand, um dem Friedhof eine regelrechte Form zu geben und die begonnene Grabreihe für Doppelgräber weiter führen zu können. Dadurch machte sich auch die Versetzung der Einfriedung nötig, die durch hilfsbereite Bewohner erfolgte. Weiter wurden in diesem neuen Teil zwei Wege von Westen nach Osten angelegt. Dabei wurden die Steine des letzten Stückes der alten Friedhofsmauer verwendet. Im neuen Friedhofe machte sich noch eine weitere Arbeit nötig; denn beim Ausschachten einen neuen Grabes stieß man auf eine Wasserader. Es mußte eine Entwässerungsanlage zur Trockenlegung hergestellt werden. Dieses Wasser wurde vom Löser‘schen Garten nach dem Weg „Am Pfarrlehn“ durch entsprechende Rohre im November abgeleitet. – Am 1. Weihnachtsfeiertag fand zum Besten des neuen Friedhofes eine Kollekte in unserer Kirche statt, auch der Reinertrag einer Aufführung „Das verlorene Paradies“ der Höheren Mädchenschule Annaberg am 5. Januar 1931 in unserem Gotteshause diente demselben Zwecke. – Auf dem Friedhofe befinden sich:

  • Eine Friedenslinde und eine Kriegergedenktafel vom Kriege 1870/71. Sie stehen zwischen der Kirche und der damaligen alten Kirchschule (Liebscher-Haus). Sie wurden 1872 von der politischen Gemeinde errichtet;
  • eine Reformationseiche, gepflanzt am 31. Oktober 1917, zur Feier des 400jährigen Reformationsjubiläums. Diese steht rechts der neuen Totenhalle, und
  • die neue Friedhofshalle seit 1910.
Kopie
Die neue Friedhofshalle in Annaberg/Kleinrückerswalde.

Früher bildeten außer den Grabsteinen noch Lebensbäume, Cypressen, Trauerweiden u. a. den Grabschmuck. Die letzteren sind allmählich verschwunden. Jetzt überwiegt an Stelle des Grabhügels eine künstliche Grabeinfassung.

Die Friedhofshalle.

„Die Kirche in Kleinrückerswalde hatte in frühester Zeit an der Nordseite ein steinernes Vorhäuschen, 1801 neu gedeckt, auf dessen Dachboden das Leichengerät aufbewahrt wurde. Am Eingange stand das Vorhäuschen in Verbindung mit der Sakristei, von dieser, als einem völlig unbrauchbaren, dumpfen und finsteren Lokale, nur durch eine Scheidewand getrennt. Der Vorbau nahm den größten Teil der Eingangsseite ein und machte das Anbringen von Fenstern auf dieser Seite unmöglich. Der ganze Vorbau wurde darum weggerissen und die Kirche erhielt auch auf dieser Seite 3 neue Fenster. Die Tür mußte nach links gerückt werden, um in die Mitte zu kommen. Durch das Abbrechen des Vorhauses, worin die Totengräber-Utensilien aufbewahrt wurden, wurde ein neues, diesem Zweck entsprechendes Haus erbaut, wozu der Obersteiger Grund was an Holz und Brettern fehlte schenkte. Man baute es in die obere Ecke des Gottesackers, die durch die Erweiterung desselben entstanden war, weil man längs der Straße eine Elle und darüber hatte abgeben müssen, damit dieselbe, welche 1843/44 gebaut wurde, die notdürftigste Breite erhielt.“

(Schluß folgt.)