Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 4, 124. Jahrgang, 25. Januar 1931, S. 2.
Wenn man Grumbach aus die neue Straße hinab zum Tale der Preßnitz geht, so gewahrt man nach etwa 20 Minuten Weg zur Linken kurz vor dem Hochwald eine Ruine. Wir haben hier die Ueberreste der ehemaligen „Sorgmühle“ oder „Sorgenmühle“ vor uns. Sie lag einst idyllisch hineingeschmiegt in den sich hier weitenden Talgrund des Grumbaches (Gruhmbach = Grubenbach), der vom „Richterteich“ des Erbgerichts Grumbach herabkommt und als kleiner „Nebenfluß“ der Preßnitz zueilt. In das muntere Plätschern des Baches mischte sich das Rauschen des großen Wasserrades der Sorgmühle, darin das Mühlwerk unentwegt klapperte und ratterte. Dies war so bis zum Juni des Jahres 1908, wo in jenem äußerst gewitterreichen Sommer die Sorgmühle in Schutt und Asche gelegt wurde.

Um 1750, als die benachbarte „Raummühle“ (jetzt Erholungsheim der S. A. J.) im Besitz der Familie Münzner sich befand, war dort, wo man über 50 Jahre später die Sorgmühle baute, eine Bergwerksanlage im Betrieb. Die noch heute dort sichtbaren Halden bezeugen dies auch. Im Jahre 1808 erwarb alsdann das Grundstück vom Bergamt Freiberg der damalige Dorfmüller Böttrich. Er erbaute „mit viel Sorge“ (daher der Name „Sorgmühle“) die Mühle mit Bäckerei. Der Backtrog wurde dabei aus der großen Tanne hergestellt, die im Ruinengemäuer des alten, verfallenen Erzpochwerkes stand. Als Besitznachfolger wird alsdann David Bräuer genannt, der früher Bergzimmerling und später Bergzeugmacher war. Auch als Müller betätigte er sich nebenbei als Brunnen- und Mühlenbauer, legte Röhrenwasser usw. So erbaute er u. a. für eine staatliche Farbmühle ein Göpelwerk im Jahre 1844, das er nach vollständig eigenen Plänen konstruierte. Für seine eigene Mahlmühle baute er zur vollen Ausnutzung der vorhandenen Wasserkraft ein neues, oberschlächtiges Trieb- und Kammrad. Weiterhin errichtete er einen besonderen Schroter und eine Schneidemühle nach rechts anschließend an die Mahlmühle, jedoch etwas weiter eingerückt. Die Mühle florierte gut. Das Korn brachte man zumeist auf Schiebeböcken gefahren. Brot und Zöpfeln wurden in Tragkörben nach den Nachbarorten gebracht. David Bräuer hatte bereits im Alter von 22 Jahren eine Art Perpetuum mobile in 10 verschiedenen Systemen konstruiert, die man damals als „Teufelsmaschinen“ und „Teufelsarbeit“ bezeichnete. Im Alter von 60 Jahren starb der so äußerst intelligente und ideenreiche Müller und sein Sohn Carl führte alsdann mit der Mutter den Betrieb weiter.
Um 1874 war die „Sorgmühle“ im Besitz der Familie Weißbach. In der sogenannten „Winterschule“ in Neugrumbach, die von Pfarrer Linke 1855 eingerichtet worden war, unterrichteten dort, nachdem Klinger sein Privatseminar eröffnet hatte, ein gewisser Eduard Siegert und Karl Hermann Weißbach aus der „Sorgmühle“, den man nur den „Sorgen-Karl“ nannte. Dieser war dann nach dem Eingehen der Winterschule der erste Lehrer der 1879 neuerbauten regulären Schule von Neu-Grumbach. Als Karl Weißbach seinen Ruhestand in der „Sorgmühle“ verlebte, hatte er 1894 einen Wasserstreit mit dem Bergamt zu Freiberg wegen der Benutzung des Pochwerkwassers. Zur Mühle gehörte ein Teich, der Pochwerkteich. Das Wasserrad ersetzte man später durch eine Turbine. Im Jahre 1908 ging die „Sorgmühle“ in den Besitz von Fabrikbesitzer Bruno Riedel über, der darin eine Zwirnerei einrichtete. Im gleichen Jahre wurde dann das alte Wahrzeichen des Grubenbachtales ein Raub der Flammen. Die Sorgmühle ist nicht mehr.
Fr. Kr.