Illustrierte Wochenbeilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 33. – Sonntag, den 11. August 1929, S. 1 – 2.
Wohlklagend hallten die Glocken
Bei blutrotem Feuerschein;
In Staub versanken die Häuser,
Der Straßen dampfende Reih’n.
So fand des Städtchens Wohlstand
Des öfter’n ein gähnend Grab,
Das nahm des Armen Hoffnung,
des Reichen Glanz mit hinab.
B. Grießbach.
Elterlein, das seinen einst so großen Wohlstand infolge der vielen Brände verloren hat, ist auch bis zum heutigen Tage von Feuerbrünsten nicht verschon geblieben. Die ältesten Nachrichten über diese Stadt – soweit selbige noch vorhanden sind – berichten, daß vor 500 Jahren, 1429, Elterlein von den Hussiten geplündert und der Ort, darunter auch das Pfarrhaus und die alte Kirche, gänzlich in Asche gelegt worden ist, sodaß er lange Zeit unbewohnt war. Auch das Dorf Gleßberg am Schatzenstein ging im Hussitenkrieg 1429 gänzlich unter. Später hat sich die Gegend von Elterlein wieder besiedelt. 1481, also nach ca. 50 Jahren, brannte der ganze Ort mitsamt der Kirche, Schule und Pfarre wieder ab. Bei diesem Brande ist auch das Rats- und Bergarchiv verloren gegangen und damit so manches Wertvolle aus der Urgeschichte unseres alten tausendjährigen Bergstädtchens vernichtet worden. Magister Christian Lehmann berichtet in seiner erzgebirgischen Kriegschronik zur Zeit des 30jährigen Krieges u. a. über Elterlein inbezug der Brände folgendes: „Um 1626 ließ ein General fünf stattliche Bauergüter als Georg Kreusels zum Elterlein u. a. von Haus zu Haus anzünden. Den 21. August 1630 brannten die Crabaten aus Rache auf dem Burgstädtel (ursprüngliches Elterlein) zwischen Zwönitz und Elterlein 3 Bauersgüter nieder. 1646 marschierten auch viele Regimenter mit wagen usw. durch Elterlein und dem Zwönitzer Wald. Es gingen dabei viele Feuer auf, darunter auch eins zum Elterlein, wo eine Scheune abbrannte und wäre größerer Schaden geschehen, wenn es nicht die Schneekälte verhindert hätte.“ Am 22. April 1658 suchte unseren Ort ebenfalls ein größerer Brandschaden heim. Dergleichen Unglücksfälle die guten Bürger am 15. April 1662 wieder betraf, wo das Feuer in einer Scheune entstanden ist. Ein großes Flammenmeer wütete von früh ½1 Uhr bis nachmittags 3 Uhr in unserer Stadt. Es wurden die Kirche, Pfarre, Schule, das Rathaus, 66 Bürgerhäuser, 46 Ställe, 23 Scheunen und 10 Schuppen mit allem Vorrat durch diesen großen Brand zerstört. Der nächste große Brand brach am 1. Mai 1676 abends zwischen 11 und 12 Uhr im Rathause auf dem Reisigboden aus, zu derselben Zeit, wo Hochzeitsgäste im Rathaus-Saale zum Tanz versammelt waren. Auch dieses Mal wütete das Feuer wieder so gewaltig, daß 184 Gebäude vernichtet wurden, darunter die Kirche, Pfarre, Schule, das Rathaus, Brauhaus und 82 Bürgerhäuser usw. Die Mühle im Grunde wurde ebenfalls von den Flammen verzehrt, wobei zwei Personen erstickten. Wie die Schneeberger Chronik berichtet, ist Elterlein am 2. Mai 1676 bis auf 14 Häuser abgebrannt. Des Pfarrers Andreas Hessius Tochter Elisabeth erstickte mit ihrem Manne, dem Handelsmann Johann Friedrich Fischer in einem Keller, wohin sie wegen des Feuers geflüchtet waren. Bei dem vorerwähnten Brande wurden die Orgel und der mit schönen Schnitzereien versehene Altar – welcher sich heute noch in unserer Kirche befindet – zwar etwas beschädigt, aber aus den Flammen gerettet. Die Gemeinde Elterlein hatte sich erst nach einigen Jahren soweit wieder erholt, daß sie mit dem Aufbau der Kirche beginnen konnte. In der Kirche kamen die Orgel und der Altar wieder zur Aufstellung. Der Altar war ein Geschenk des angesehenen Handelsherrn Georg Tauscher, dessen eiserne Grabplatte noch jetzt an der Südseite der Kirchhofsmauer zu sehen ist. Bei diesem Brand war auch der Kasten mit den Hussitenpfeilen verbrannt, der zur Erinnerung an die Greueltaten der Hussiten in der Kirche aufgehängt worden war, als diese im Jahre 1429 unsere Stadt gebrandschatzt und zuvor das Kloster Grünhain zerstört und die dortigen Mönche erschlagen hatten. Diese beiden Brände 1662 und 1676 brachten Elterlein um seinen ganzen Wohlstand, welcher ohnedies, seit dem 30jährigen Kriege, wo der große vorher blühende Bergbau hier zugrunde ging, noch nicht wieder hergestellt war. Am 24. August 1702 schlug der Blitz in den Reinholdschen Gasthof am Markte Nr. 5 (heute der Gasthof „Zur goldenen Sonne“) ein. Ein Feuer entstand, das zwar die Kirche verschonte, aber die Pfarre, Schule und 19 Gebäude einäscherte. Der 15. November des Jahres 1719, ein Mittwoch, war ebenfalls ein Schreckenstag für die Stadt. Das abends um 7 Uhr bei dem Oberförster Ullmann ausgebrochene Feuer verzehrte 98 Bürgerhäuser nebst Ställen und Schuppen, sowie die Scheunen und den Stall an der Pfarre. Das Pfarrhaus selbst wurde diesmal erhalten. Der große Teil dieser Brandstätten wurde, wie die Jahreszahl über der Haustüre bei solchen Häusern noch heute aufweist, in den Jahren 1721 – 1722 massiv wieder aufgebaut.

Die Hütte des Hammerschmiedes, welche sich im Tale bei der Schlackenmühle befand und wo vormals die Schmelzhütte stand, brannte mit Scheune, Stall und Wohnhaus am 12. August 1770 früh nach 1 Uhr ab. Hierbei fand die 75jährige Mutter des Besitzers Kopp ihren Tod in den Flammen.
Auch im 19. Jahrhundert hatte Elterlein unter Bränden viel zu leiden. Zur Zeit der Befreiungskriege im Jahre 1813 zogen viele fremde Soldaten durch unsere Stadt und haben hier oft mehrere Tage gelagert. Die Einwohner waren sehr beunruhigt und seitens der Soldaten wurde damit gedroht, daß die Stadt angebrannt werde, wenn ihnen nicht genug Speise und Trank gereicht werden würde. Glücklicherweise haben damals die schwerbedrängten Bewohner dies noch verhütet, indem unter eigenen großen Entbehrungen alles getan worden ist, um einen Brand zu verhüten. Zu erwähnen ist weiter der Brand am 25. Oktober 1832, wo das Feuer beim Bäckermeister Karl Heinrich Thierfelder ausbrach.
Der Elterleiner Marktbrand im Jahre 1861
In der Johannesnacht vom 24. zum 25. Juni 1861 um 11,30 Uhr war es, wo nach einem heißen Tage mühevoller Arbeit die Einwohner Elterleins durch Feuerlärm aus dem friedlichen Schlafe geweckt wurden. Aller Wahrscheinlichkeit nach von ruchloser Hand angelegt, war der Brand in der Scheune des Herrn Tietz am unteren Markte ausgebrochen. Binnen einer halben Stunde standen 30 Wohnhäuser in Flammen. Außerdem wurden 53 Neben- und Seitengebäude ganz, ferner 12 zum Teil zerstört.
Ueber 100 Familien sind dabei obdachlos geworden. Es ist hierbei den Besitzern und Bewohnern sehr viel verbrannt, denn sie konnten meistens nur noch das nackte Leben retten. Innerhalb zwei Stunden sind bei diesem Brande 32 Katasternummern mit 83 Gebäuden eingeäschert worden. Der Gasthof „Zum Roß“ und die Post sind mit verbrannt, während die Nachbarhäuser des Amtsrichters Bauer, des Oekonoms Schmiedel, das Rathaus, der Gasthof zur Sonne und das Haus des Tuchhändlers Günther an der Scheibenberger Straße verschont geblieben sind. Durch den heftigen Sturm hatte sich der Brandherd schnell verbreitet. Die Nachbarwehr von Scheibenberg war zur Hilfeleistung mit herbeigeeilt. Die Flammen wüteten so heftig, daß beinahe die hiesige Feuerspritze mitten auf dem Marktplatze bedroht war, zu verbrennen und nur durch den damaligen Feuer-Kommissar Gottlieb Kreutel noch rechtzeitig gerettet worden ist.
Wie ein hiesiger Einwohner niedergeschrieben hat, ist am 7. Januar 1868 abends in dem Wohnhaus des Wilhelm Vogel jr., Haus-Nr. 86 an der Schwarzenberger Straße, in bisher unaufgeklärter Weise Feuer ausgebrochen. Das Feuer brannte noch am 8. Januar, und wurden hierbei die Häuser Nr. 84, 85, 86, 87, 117, 65, 66, 59 vollständig, und ferner die Häuser Nr. 58, 57, 56, 111, 112 und 113 teilweise, sämtliche an der Schwarzenberger Straße, im Anger und an der Langenstraße liegend, zerstört. Es fielen diesem Brande insgesamt 14 Wohnhäuser und 7 Scheunen, wie Schuppen und Hintergebäude zum Opfer. Dadurch waren 32 Familien obdachlos geworden, und zumal der Winter noch nicht vorüber war, großer Not ausgesetzt. Die Gebäude wurden alle schnell von den Flammen ergriffen, da sie meistens mit Stroh- und Schindel-Dächern versehen waren und auch durch den Fachwerkbau aus alter Zeit herrührten. Nur die beiden Häuser Haus-Nr. 56 und 59 sind damals bereits massiv gebaut und mit Schiefer gedeckt gewesen. Es war auch nicht möglich, viel zu retten. Zur Hilfeleistung waren die Feuerwehren von Schwarzbach, Scheibenberg, Oberscheibe, Hermannsdorf und Geyer mit zur stelle und haben die hiesige Wehr tatkräftig mit unterstützt. Die Wohngebäude der Herren Richard Lein (früheres Konsum), Schmiedemeister Weber, Weißflog, Schreier (jetzt Weiß) und das Vogelsche Haus blieben trotz des großen Flammenmeeres verschont, dank des mutigen Eingreifens der Feuerwehren, und sind diese Gebäude noch heute Zeugen aus jenen Schreckenstagen.