(Fortsetzung und Schluß.)
Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 34 ─ Sonntag, den 18. August 1929. S. 1 – 2.
Aus dem Jahre 1868 sind noch zu erwähnen der Brand des Wohn- und Bretmühlengebäudes von Karl Friedrich August Tippner in Burgstädtel am 26. Juli, der des neuerrichteten Brechhauses am 21. November an der Zwönitzer Straße (Besitzer Postverwalter Pöschmann und Oekonom Karl Gottlob Kreutel), und der des Wohn- und Scheunengebäudes des Strumpfwirkermeisters Johann Gottlob Richter in Burgstädtel am 26. Dezember. In der Nacht vom 19. zum 20. Mai 1870 fand im Oberstädtel bei einem Brande die Familie Hammer (Vater, Mutter und Pflegetochter) einen schrecklichen Tod in den Flammen. Ein 8jähriges Töchterchen konnte noch dadurch gerettet werden, indem es rechtzeitig aus dem Fenster geworfen wurde. Unter großer Beteiligung der ganzen Einwohnerschaft wurden die 3 Leichen am Sonntag Rogate, den 22. Mai, von der Brandruine aus auf dem hiesigen Gottesacker in ein gemeinsames Grab beerdigt. Der damalige Pfarrer Reuther berichtet, daß dies innerhalb von zwei Jahren seit seiner Amtierung in Elterlein das zwölfte Feuer gewesen sei. Bei dem Brande des Wohnhauses der Witwe Christiane Richter in Nr. 21 Abteilung B an der Geyerschen Straße, oberhalb des großen Teiches, am Sonntag, den 31. Mai 1874, nachmittags 2 Uhr, ist die ein Jahr zuvor gegründete hiesige freiwillige Feuerwehr zum ersten Male in Tätigkeit getreten. Dieses Haus ist nochmals am 13. Juli 1877, nachmittags 1 Uhr als Besitz des Posamentiers Karl Mosel abgebrannt. Am 30. August 1886, abends 8 Uhr, brannten die Wohnhäuser der Besitzer Karl Gräbner Nr. 107, Bernhard Götz (Gastwirt) Nr. 106 und Friedrich Riedel Nr. 64, sämtliche am Anger, ab. Am 13. Mai 1888, abends ¼10 Uhr, brach in der Scheune des Landwirts Karl Friedrich Kreutel Nr. 142 Feuer aus und verbreitete sich durch den heftig anhaltenden Sturm noch auf das Wohngebäude, sowie auf das Wohn- und die Wirtschaftsgebäude des Bäckers Karl Ernst Thierfelder Nr. 141. Bis zu dem nächsten größeren Brand im Jahre 1899 waren alljährlich noch Wohnhaus- und sonstige Brände zu verzeichnen; so unter anderem der Pappenfabrikbrand Neubert im Jahre 1892, wo sogar die Wehren von Scheibenberg, Grünhain, Schwarzbach und Mittweida herzugeeilt waren. Am 15. Dezember 1899 brannten auf dem Marktplatze neben dem Rathause vier ältere Häuser ab, und zwar die Nr. 198, Besitzer Schneidermeister Mehnert, Nr. 199 (Brandherd), Besitzer Schmiedemeister Mehlhorn, Nr. 200, Besitzer Karl August Seidenglanz und Nr. 201, Besitzerin Schneidermeistersehefrau Minna Selma Heimbold geborene Vogel. Diese Grundstücke wurden vollständig abgeräumt, von der Stadt angekauft und bilden den heutigen unteren Marktplatz, welcher jetzt mit Rotdornbäumen umpflanzt ist. Im Jahre 1901 brannten die Gebäude Nr. 95 (Oswald Espig), Nr. 27 (verehel. Hofmann), Nr. 100, 101, 102 (Edwin Lorenz, Stadtgemeinde, verehel. Weigel) und Nr. 43 (Emil Groß) ab, die auch wieder errichtet wurden. Am 3. Juni 1902 mittags 11 Uhr brannten das Wohnhaus Nr. 72 von Edwin Blum und hierauf das Wirtschaftsgebäude nebst 3 Hinter- und Seitenanbauten von Landwirt Gustav Kreutel vollständig ab. –
II. Marktbrand im Jahre 1902 in Elterlein.
Zunächst brach am Sonntag, den 10. August 1902, früh 4 Uhr im Hintergebäude des Herrn Kaufmann Neumann (heute Fa. Louis Wagner) Feuer aus. In diesem Gebäude, wo sich die Niederlage der von Herrn Neumann betriebenen Kolonialwaren- und Drogenhandlung befand, sowie Spiritus und Benzin lagerte, fand das Feuer reichliche Nahrung, konnte aber durch das tatkräftige Eingreifen der Feuerwehren zu Elterlein und Schwarzbach glücklicherweise auf dem Brandherde beschränkt werden. Kaum war diese Aufregung in der Einwohnerschaft vorüber, als schon am nächsten Tage, Montag, den 11. August, nachmittags 2 Uhr, die Sturmglocken auf dem Rathause und der Kirche wieder ertönten. Dichter Rauch entstieg dem am Markte gelegenen Wohnhause des Gastwirts Edwin Seltmann. Der Brandherd befand sich an einem äußerst gefährlichen Punkte der Stadt, an der Rückseite inmitten von hölzernen, zum Teil mit Stroh und Schindeln gedeckten Gebäuden. Nach der Westseite (Brunnengasse) fand das Feuer reichliche Nahrung dadurch, daß das nächste dem Landwirt Richard Neubert gehörige Wirtschaftsgebäude nebst Anbauten fast nur Holzfachwerk enthielt. Von hier griff der Brand auf das Wohnhaus des Bäckermeisters Herrmann Weiser über. Da endlich gelang es mit Hilfe der von auswärts herbeigeeilten Feuerwehren von Schwarzbach, Scheibenberg, Langenberg, Hermannsdorf und Geyer mit ihren Spritzen dem verheerenden Element Halt zu bieten. Abends 7 Uhr konnte das Feuer als bewältigt gelten und die auswärtigen Wehren kehrten nach Hause. Nach etwa einer ½ Stunde mußte die hiesige, zum Teil zur Erholung abgetretene, Feuerwehr abermals zusammengerufen werden. Der Brand hatte sich völlig unbemerkt und trotzdem ein Schuppen abgetragen worden war, der die Verbindung herstellte, auf ein anstoßendes Hintergebäude des Landwirts Edwin Neubert ausgedehnt. In unglaublich kurzer Zeit standen die hölzernen Hintergebäude und Scheunen der beiden Nachbarn Ernst Trommler und Eduard Eberlein in Flammen. Von da aus sprang das Feuer auf die Vordergebäude dieser Besitzer und auf das Wohnhaus des Gastwirts Emil Möckel über. Von den auf dem Heimwege befindlichen Feuerwehren kehrten sofort die von Geyer, Scheibenberg und Schwarzbach zurück, denen sich die von Schlettau anschloß. Unter Anstrengung aller Kräfte und dank der hiesigen ausgiebigen Wasserleitung war es schließlich möglich, ein weiteres Vordringen des Feuers zu verhüten. Das Gebäude der Witwe Fischer (errichtet im Jahre 1721 und spätere Besitzer Landwirt Ernst Georgi und heute Otto Bock) was sehr bedrängt gewesen ist, wurde auch beschädigt und ist bis auf den heutigen Tag als eines der ältesten massiven Häuser Elterleins erhalten geblieben. Das Rathaus war auch in großer Gefahr, da durch die Windrichtung längere Zeit die Glut ihm entgegen getrieben worden ist. Auch das Wohnhaus des Stadtrats August Viertel (heute Besitzer Louis Wolf) war in Gefahr und ist ebenfalls verschont geblieben. Dieser Brand hätte noch zu einem größeren Unglück geführt, wenn nicht die hiesige Feuerwehr mit Hilfe der auswärtigen Wehren tatkräftig eingegriffen hätte. (So berichtete damals der am 30. Oktober 1917 hier verstorben Buchbindermeister Kretzschmann, welcher Mitglied der Feuerwehr war und bei dem Brande mitbetroffen worden ist.)

Unsere Bilder auf der ersten Seite zeigen den Marktplatz vor den großen Bränden im Jahre 1899 und 1902 (oberes Bild) und denselben nach den Bränden (unteres Bild). Im Bilde oben sieht man links die vier alten Häuser und rechts die Brunnengasse mit den sieben im Jahre 1902 abgebrannten Häusern.

Ein Brand zerstörte am 14. Juli 1904 das Wohnhaus des Fleischermeisters Hentschel, Haus Nr. 108, und die Wirtschaftsgebäude der Landwirte Karl Günther, Nr. 109, und Ernst Kraft, Nr. 110. Am 3. Januar 1908 vormittags ½11 Uhr brach infolge Auftauens der eingefrorenen Wasserleitung im Pfarrhaus Feuer aus, welches durch schnelles Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr rechtzeitig noch gelöscht werden konnte.
Mehrere Brände haben im Jahre 1911 stattgefunden, wo am 6. Februar der südliche Teil des Wirtschaftsgebäudes von Gustav Kreutel auf bisher noch unaufgeklärte Weise bis auf die Umfassungsmauern abgebrannt ist. Bei diesem Feuer hat die Nachbarwehr Schwarzbach mit eingegriffen und ist durch sie die daneben stehende Scheune gerettet worden. Ferner brannten die Scheune in der Hofmann-Mühle, das alte Rosenthal-Haus an der Scheibenberger Straße und auch das Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Schmiedemeisters und Landwirts Oskar Ullmann.
Am 1. Januar 1915 brannte das Restaurant „Zum Burgstädtel“ (damaliger Besitzer Oskar Haase) nebst Scheune bis auf die Umfassungsmauern nieder. Da das Grundstück eine reichliche ½ Stunde vom Ort entfernt liegt und in dem Ortsteil seinerzeit auch kein Telephon vorhanden war, konnte die Hilfeleistung nicht zeitig eingreifen. Bei dem Brand sind von dem Vieh- und Geflügelbestand Tiere in den Flammen mit umgekommen. Im gleichen Jahre am 20. September nachts 1 Uhr brannte der Gasthof „Sächsisches Haus“ am Markte nieder. Der Besitzer Fleischermeister Karl Wünsch befand sich im Kriege. Am Bußtage den 21. November 1917 brannte den ganzen Tag über bis in die dunkle Nacht hinein die Epperleinsche Papierfabrik. Das Feuer ist in der Nacht durch Selbstentzündung von Lumpen entstanden und hatte bereits bei der Entdeckung einen größeren Umfang angenommen. Durch Auftauen eingefrorener Wasserleitung entstand am 20. Januar 1922 mittags ½1 Uhr im Wohnhaus des Landwirts Lippold am Markte Nr. 16 ein größerer Brand, der das Haus vollständig zerstörte und wurden hierbei 7 Familien obdachlos. Die letzten Brände waren das Brünlasgut Möckel am 18. April 1925 (stammte aus dem Jahre 1690), das Wohngebäude des Kaufmanns Richard Münch am 23. Februar 1927 (war 100 Jahre alt), ein Teil des alten Brauhauses beim Gastwirt Grundig an der Geyerschen Straße am 6. August 1927 (seit dem Jahre 1789 bestand hier eine Brauerei, die aber seit vor dem Kriege nicht mehr betrieben wird), das Stallgebäude des Landwirts Lippold am Markt im folgenden Jahre 1928, die Scheune (Blitzschlag) des Landwirts Langklotz am 4. August 1928, die Scheune (Blitzschlag) des Landwirts Richter am 15. August 1928 und das Stallgebäude des Fleischers Ullmann am 6. August 1928.
Ueber jeden einzelnen Brand in den Jahren von 1873 bis 1893 und von 1902 bis 1923 hat in anerkennenswerter Weise der am 23. Oktober 1924 hier verstorbene Ehrenfeldwebel der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr Herr August Eubisch genaue Aufzeichnungen gemacht.
Vor Schrecken, Angst und Feuersnot,
behüt uns Gott immerfort!