Wie einst Frohnau eine Kapelle bekam.

Von Dr. M – r.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 30. – Sonntag, den 21. Juli 1929, S. 2.

Vielen meiner Leser wird der schöne, von dem Lorenz Pflockschen Ehepaar gestiftete Flügelaltar in der St. Annenkirche zu Annaberg nicht unbekannt sein. In dem Mittelbild ist Lorenz Pflock selbst mit seiner Frau und seinem Sohne dargestellt. Von diesem Lorenz Pflock wissen wir, daß er, „ein ehrbarer und verständiger Mann”, im Jahre 1502 von Schneeberg her in Annaberg einwanderte, um wohl, wie so viele andere, an dem schier wunderbaren Silbersegen teilzunehmen. Einige Zeit später folgte ihm seine Frau nach, und als sie in ihrem Wagen durch das Dorf Frohnau fuhr, dünkte es ihr, als ob plötzlich unter ihr die Erde erschütterte. Nicht lange danach legte ihr Mann an diesem Orte ein Bergwerk an, das ihm überreiche Ausbeute gewährte. Er war überzeugt, daß ihm damals der Himmel durch jene Erschütterung das Vorhandensein einer reichen Silberader hatte andeuten wollen, und ließ, wie der Annaberger Chronist Adam Daniel Richter erzählt: „Gott zu Ehren und aus Dankbarkeit mitten in diesem Fronau eine Capelle und einen Altar auf seine eignen Kosten erbauen.”

Richter teilt uns weiter mit (des besseren Verständnisses wegen passe ich seine veraltete Schreibweise der heutigen an), daß in dieser Kapelle „alle Montage, früh um 4 Uhr, den Bergleuten, ehe sie einfuhren, eine Messe gehalten wurde, wobei sie für sich und ihres Herrn Wohlfahrt beten mußten. Der Abt zu Grünhayn, Herr Gregorius Küttner, hat mit dem hiesigen Pfarrer, Herrn M. Wolff Messerschmidt, von Elterlein gebürtig, im Jahre 1515 am ersten Trinitatissonntag den ersten Grundstein hierzu gelegt. Diese Kapelle wurde im Jahre 1520 von diesem Abt hernach eingeweiht und zu St. Fabian Sebastian genannt.”

Sie wurde den Bergleuten eine liebe Stätte der Erbauung und Stärkung für ihre schwere, gefahrvolle Arbeit im Dunkel der Erde. Aus unbekannten Gründen wurde sie aber nach verhältnismäßig kurzer Zeit dem Gottesdienst entzogen und, sage und schreibe, „im Jahre 1534 als Scheune für 15 Gulden verkauft.”

Es sei hierzu bemerkt, daß Lorenz Pflogck bereits 1521 gestorben war.

„Im Jahre 1585 aber verordnete man sie wiederum aufs neue zum Gebet und Gottesdienst, nachdem sie in diesem Jahre zum Hospital vor dem Wolkensteiner Tore geschlagen worden war. Den Steinhaufen von diesem Kirchlein findet man wohl jetzt noch (um 1750 herum) in seiner Verwüstung zu Frohnau.”