Auf Bergmannsspuren

Zur Freilegung des „Hoffnung-Gottes-Stollen” in Schlettau.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 31. Sonntag, den 28. Juli 1929. S. 1

Bei den Schürfungsarbeiten für den Wasserleitungserweiterungsbau in Schlettau am östlichen Teile des Schottenberges ist dieser Tage auch das Mundloch des ehemaligen „Hoffnung-Gottes-Stollen” freigelegt1 worden. Wir bringen heute im Bilde eine wohlgelungene Aufnahme des grandiosen Felsentores, das an dem idyllischen Fußpfad im sogenannten Fickert-Wäldchen (zwischen der Kleinen Sehma und der Aeußeren Albertstraße) durch die Spitzhacke wieder erschlossen worden ist. Der Stollen gehörte zu dem umfangreichen Berggebäude „Zum Reichen Spat”, dessen Halden heute noch im Gebiet der Schlettauer Schrebergärten verstreut liegen. Der „Reiche Spat” ist wohl eins der ältesten Schlettauer Bergwerke. Hier ließ schon der reichbegüterte Kaspar von Schönberg, der weitausgedehnte Besitzungen im mittleren Teile des Erzgebirges hatte, im 15. Jahrhundert nach Erzen graben. Im Hauptstaatsarchiv zu Dresden lesen wir heute noch das alte Pergament aus dem Jahre 1477, wo Kaspar von Schönberg für seine Gruben zum „Reichen Spat” in Schlettau um 10 Jahre Münzfreiheit (d. i. Befreiung von den Bergbauabgaben) beim Landesfürsten nachsucht. ─

Kopie
Gruppenfoto zur Freilegung des „Hoffnung-Gottes-Stollens” Schlettau.

Die Gruben lagen insofern sehr günstig, als unmittelbar die alte Salz- und Handelsstraße dort vorüberging. Der Abtransport der gewonnenen Erze vollzog sich demnach auf dem kürzesten Wege. Der tief eingefahrene Hohlweg vor den Schrebergärten ist heute noch ein sprechendes Zeugnis für den regen Verkehr schwerer Lastfuhrwerke, der sich einstmals in dem lebhaften Bergbaugebiete bewegte. Was man an Erzen dort fand (es waren besonders Silber- und Zinnerze), wanderte zunächst in das Pochwerk, das dicht bei dem Stollenmundloch auf der heutigen Bockwiese2 stand und vom Zschopaubache getrieben wurde. Hier wurden die Erze zerkleinert. Dann erst brachte man sie nach Geyer oder Ehrenfriedersdorf in die Schmelzhütten. Dieses Pochwerk am „Reichen Spat” wurde am 21. Juli 1565 bei dem furchtbaren Wolkenbruch, der über Crottendorf, Walthersdorf und Schlettau niederging, mit weggespült. Die Bergleute vom „Reichen Spat” und von den benachbarten Berggebäuden (= „Erholung”, „Junge und alte Susanne” etc.) wohnten fast ausnahmslos in der Kleinen Sehma. Dieses Vorstädtchen von Schlettau erlebte damals seine Glanzzeit. Hier stand auch ─ etwa an der Stelle der heutigen Angermann-Fabrik ─ das alte Schlettauer Schützenhaus. Auf der Dilich’schen Federzeichnung vom Jahre 1629 ist dieses und auch die Vogelstange noch zu sehen. Ganz in der Nähe aber stand das Pechhaus, wo die Schlettauer Bierbrauer ihre Fässer zubereiteten. Die Schürfungsarbeiten in diesem alten Bergbaugebiete haben sich als sehr aussichtsreich erwiesen. Durch die Freilegung des „Hoffnung-Gottes-Stollen” hat man einem sehr starken Bergwasser den Weg geöffnet, das wie „ein Bächlein klar und helle” dem Schottenberge entströmt. Mit dessen Einreihung in das Wasserleitungssystem hofft man das Wasserbedürfnis der Stadt auf lange Zeit hinaus zu befriedigen. Die Bewohner des Siedlerviertels haben übrigens schon während der Wasserkalamität im vergangenen Winter ihr Trinkwasser aus dem „Quell” geholt, der dort aus dem Gelände hervorbrach. ─ Die interessanten Schürfungsarbeiten haben in den letzten Tagen ungezählte Neugierige angelockt, und der lauschige Waldpfad an der Fickertlehne entlang ist noch nie so stark begangen worden, wie in der letzten Zeit, wo uns schwielige Männerfäuste ein Stück mittelalterlicher Bergromantik erschlossen haben.

Thomas – Schlettau.

  1. In diesem Exempar der E. H. wurde mit Hand notiert: „Am Wiesenrand Rchtg. Neu-Amerika (uns gegenüber)” ↩︎
  2. Notiz ebenfalls von späterer Hand: „v. uns aus gesehen die Wiese rechts von Simon-Haus (Kropp-Walter-Wiese) ↩︎