Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 30. Sonntag, den 21. Juli 1929. S. 2

Der Uebelstand, daß sich für die wandernde Jugend von Rübenau bis Oberwiesenthal, auf dem Kamm unseres schönen Erzgebirges, keine Unterkunftsmöglichkeit bot, trat in den letzten Jahren mit der Zunahme des Wanderns immer mehr zutage. Diesem Uebelstand abzuhelfen, war die Stadt Jöhstadt seit mehreren Jahren bestrebt. Sie konnte jedoch erst im vergangenen Jahre an die Erfüllung des Wunsches aus Wanderkreisen herantreten. Mit ganz beträchtlicher Hilfe der interessierten Stellen konnte eine neue, ganz modern eingerichtete Jugendherberge errichtet werden, deren Einweihung nunmehr am vergangenen 13. Juli, nachmittags 3 Uhr, erfolgen konnte, wie wir schon in der „O.-Z.”-Ausgabe Nr. 162 ausführlich berichteten. Die Eröffnung erfolgte bereits zu Pfingsten. Das schmucke Gebäude hat Zentralwasserheizung im ganzen Gebäude, Wannen- und Brausebad, Räume für Rücksäcke, für Sportgeräte, für nasse Kleider, Waschräume für Mädchen und Knaben mit Kalt- und Warmwasserlauf, 4 Schlafräume mit 68 Betten, Führerzimmer, Tagesaufenthaltsraum und geräumige Wohnung für die Herbergseltern. Eine große und modern eingerichtete Küche ermöglicht die Verpflegung einer vollen Belegung der Herberge. Ein großer Garten ist noch in der Herstellung begriffen. Da in der 5 Minuten Wegs entfernten neuen Schule ein Klassenzimmer frei ist, besteht die Möglichkeit für Schulen, ganze Klassen zu unterrichten. Für gute und billige Verpflegung wird die Stadt Sorge tragen. Von Jöhstadt, das ca. 800 Meter hoch liegt, können herrliche Ausflüge nach dem Kupferberg, Keilberg, Fichtelberg, Bärenstein, Hirtstein, Haßberg, Spitzberg und Pöhlberg, nach der Ruine Hassenstein, durch das herrliche Schwarzwassertal nach Schmalzgrube usw. unternommen werden. Der reichliche Wald, der sich in geringer Entfernung um die ganze Stadt liegt, bietet Erholung bei nahen Spaziergängen. Die Jugendherberge ist unter Jöhstadt 237 telephonisch zu erreichen. Die Stadt, die große Opfer gebracht hat, hofft, daß sie durch recht regen Besuch aus allen Wanderkreisen unterstützt wird. Glückauf!