Wie das alte Scheibenberger Schützenhaus abbrannte.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 23 – Sonntag, den 2. Juni 1929. S. 2

Vor 50 Jahren.

In der Nacht vom 2. zum 3. Juni 1879 – vom 2. zum 3. Pfingstfeiertag –, also vor 50 Jahren, ist das Schützenhaus in Scheibenberg abgebrannt. Der Brand brach nachts 12 Uhr während der Tanzmusik im Dachgeschoß aus und verbreitete sich so schnell über das ganze Gebäude, daß die beiden Feuerwehren von Scheibenberg – Freiwillige und Pflichtfeuerwehr – den Brand nicht mehr bekämpfen konnten, sondern sich auf das Ablöschen und auf den Schutz der Nachbargrundstücke beschränken mußten. Diese Wehren waren mit sämtlichen Fahrzeugen und Geräten in kurzer Zeit zur Stelle. Von auswärts kamen zu Hilfe die Feuerwehr von Schlettau mit 2 Spritzen, die Ortsfeuerwehr von Oberscheibe und die Landspritze von Elterlein. Den Absperrdienst und die Bewachung der geretteten Gegenstände hatte die Schützengilde übernommen. Die Löscharbeiten leitete der damalige Feuerwehrkommandant Stadtrat Gustav Kuhblick mit seinem Stellvertreter, Stadtrat Reinhard Hempel. Durch Mauereinsturz wurden 2 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr von Scheibenberg, Adolf Grummt und Eduard Remus, verletzt. Die Feuerwehr von Schlettau hatte den Schutz des „Ihle-Gutes”, auf dessen mit Stroh gedeckter Scheune lange Zeit ein dichter Funkenregen niederging, mit Erfolg übernommen. Die Tätigkeit dieser Wehr wurde vom damaligen Branddirektor von Scheibenberg, Bürgermeister Schmidt, lobend hervorgehoben. Die einheimischen Wehren wurden bis anderen Tages vormittags in Anspruch genommen. Der Besitzer des Schützenhauses, Moritz Fränzel, begann nach kurzer Pause mit dem Wiederaufbau des Gebäudes in vergrößertem Umfang, wie es jetzt besteht. Da die Bauarbeiter damals 12 Stunden und länger täglich arbeiteten, wurde der Bau außerordentlich schnell gefördert. Es konnte bereits am 1. August das Richtfest stattfinden und im Herbst wurde der Neubau schon eingeweiht.