Aus der Geschichte Schwarzenbergs.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 23 – Sonntag, den 2. Juni 1929. S. 1 – 2.

Wieder einmal ist Schwarzenberg, die so wundervoll und idyllisch gelegene Perle des Erzgebirges der Mittelpunkt einer bedeutsamen Tagung des Sächsischen Wirtschaftslebens. Der Sächsische Gastwirtschaftsverband hielt daselbst vom 27. bis 31. Mai seine Jahresversammlung ab, mit der, wie berichtet, eine außerordentlich vielseitige und fesselnde Ausstellung für heimische Industrie und Gewerbe verbunden war.

Festlich und würdig hat die Stadt im Schwarzwassertal auch diesmal wieder ihre Gäste empfangen und alle waren begeistert, von den herrlichen Naturschönheiten, die dort sich dem Auge in so reicher Fülle bieten, waren des Lobes voll von der sprichwörtlich gewordenen erzgebirgischen Gastfreundschaft, die hier einem jedem so warmherzig zuteil ward.

Manch treffliches Wort ist bei dieser Tagung gesprochen worden und mehrfach lenkten Reden und Begrüßungsartikel der Presse die Blicke zurück in die interessante Vergangenheit der Bergstadt.

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Das alte befestigte Schwarzenberg.

Die Anfänge der Geschichte Schwarzenbergs gruppieren sich um die ums Jahr 1150 als Befestigungsanlage und Herrschaftssitz errichtete Burg Schwarzenberg. Der erste uns urkundlich bezeugte Besitzer von Burg und Herrschaft Schwarzenberg ist Heinrich von Mödling, der Stiefvater Heinrich des Löwen. Er ist wahrscheinlich auch der Erbauer der Befestigungsanlage, die den damals einzigen Verkehrsweg in dieser Gegend, der den Verkehr zwischen Egerland und Pleißenland vermittelte, sichern sollte. Danach ist Friedrich Barbarossa Schloßherr. Bis 1533 sind Burg und Herrschaft im Besitze verschiedener Adelsgeschlechter; dann sind sie kurfürstlicher Besitz, den kurfürstliche Kreisamtmänner verwalten.

Unter dem Schutze der Burg entwickelte sich eine bäuerliche Siedelung, die schon im 13. Jahrhundert das Stadtrecht erhielt. Im 15. und 16. Jahrhundert blühen hier zahlreiche Gewerbe, die in Verbindung mit der Landwirtschaft in Schwarzenberg und den dazugehörigen Dörfern eine bedeutsame Rolle spielen. Von Bedeutung für die Wirtschaftsgeschichte unserer Stadt waren Bergbau und Eisenindustrie. Denn das Gebiet der Herrschaft war bereits in frühester Zeit besonders auf Zinn und Eisen fündig. Als Sitz der Herrschaft und des Amtes war die Stadt Verwaltungsmittelpunkt eines Bergreviers. Der Abbau auf silberhaltige Erze ließ hier sogar eine Silbermünze entstehen, in der „Dreier und Gröschlein” geprägt wurden. Die reichen Funde von Eisenstein in unserer Gegend führten zur Errichtung von Hochöfen und zahlreichen Hammerwerken. Während der Bergbau schließlich zum Erliegen kam und die Hämmer um die Mitte des 18. Jahrhunderts sich auf Eisendraht- und Blechwarenfabrikation umstellten, hat die Eisenindustrie durch die 1858 vollendete Bahnverbindung mit dem Zwickauer Kohlengebiet unserer Zeit und Wirtschaft das Gepräge gegeben. Es entstand so der Industriebezirk Schwarzenberg.

Die alte Stadt war verhältnismäßig klein; sie umfaßte den Raum zwischen Schloß und Markt und oberer und unterer Schloßstraße. Das Gebiet war von einer Stadtmauer umgeben. Einlaß in die Stadt gewährten zwei Tore. Es dauerte nicht lange, war dieser begrenzte Raum mit Häusern ausgefüllt. Neue Siedler mußten ihr Anwesen außerhalb der Stadtmauer errichten. Auf diese Weise entstanden die sogenannten Vorstädte. Frühzeitig ist noch ein dritter Bestandteil der Stadt vorhanden, die sogenannten Vorwerke, die rings auf den Höhen der Stadt verstreut lagen. Nach der letzten Jahrhundertwende gesellte sich zu diesen Stadtteilen noch die Neustadt (unterhalb des Bahnhofes), die Siedelungen am Brückenberg, am Lehnberg (jenseits des Bahnhofes) und am Becherberg (oberhalb der Realschule), sowie die eingemeindeten Dörfer Neuwelt, Sachsenfeld und Wildenau.

Die Stadt ist von Kriegs- und Notzeiten nicht verschont geblieben. Wiederholt mußte sie kriegerische Ueberfälle, Plünderungen, Zerstörungen und grassierende Seuchen erdulden. Am ärgsten wurde die Stadt im 30jährigen Krieg betroffen, der vor allem das Wirtschaftsleben der Stadt auf viele Jahre hinaus schädigte. Nicht weniger als fünfmal wurde die alte Stadt von verheerenden Feuersbrünsten heimgesucht, die die ganze Stadt einäscherten. Der letzte große Stadtbrand war 1824, bei dem nur Schloß und Kirche verschont blieben. Schwarzenberg kann deshalb leider nur wenige alte Bauwerke aufweisen.

Die Kirche wurde in den Jahren 1690 – 99 gebaut, ist einschiffig, 34 Meter lang, 18 Meter breit und ohne Pfeiler. Bemerkenswert in ihr ist das eiserne Gitter, das den Altarplatz vom Schiff trennt. Es gehört zu den trefflichsten Schmiedearbeiten des Landes. Die alte Kirche, aus der katholischen Zeit stammend, stand beim unteren Tor und wurde 1709 vom Feuer vernichtet.

Das Schloß ruht auf einem Felsen. Das älteste Stück ist der Burgfried, dessen Mauern 3.40 Meter dick sind. Die übrigen Baulichkeiten waren ehemals schindelbedachte Fachwerkbauten. Erst im 16. Jahrhundert ward die Burg stattlicher und festungsähnlicher gebaut. 1709 fiel das Schloß dem großen Stadtbrand zum Opfer. Der Neubau unterschied sich in seinem Grundriß von dem jetzigen nicht wesentlich. Durch Zuschütten des Grabens, der die Burganlage von den übrigen Bürgerhäusern trennte und durch eine Zugbrücke überquert werden konnte, wurde eine Auffahrt von der Stadt her geschaffen. Das Schloß beherbergt heute das Amtsgericht; der Turm eine Reihe Gefängniszellen.

Schloß und Rittergut Sachsenfeld, ehemals ein weit schöneres Anwesen als heute, gehören jetzt der Stadt Schwarzenberg und waren früher ein bedeutsamer Herrensitz, dem nicht nur die Dörfer Beierfeld und Sachsenfeld zu eigen waren, sondern dem auch eine Reihe Gerechtigkeiten zustanden. Im Jahre 1722 übernahm das Rittergut der Reichsgraf zu Solms und Tecklenburg und nach dessen Tod sein Sohn Friedrich Ludwig Reichsgraf zu Solms und Tecklenburg, einer der bedeutendsten und beliebtesten Männer Sachsens in jener Zeit. Das Schlößchen war der Verwaltungsmittelpunkt, in dem dieser Reichsgraf als Kreishauptmann des erzgebirgischen Kreises seine überaus segensreiche Tätigkeit ausübte.