Das Schwarzwassertal.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 18 — Sonntag, den 28. April 1929. S. 2.

Im Anschluß an diesen Artikel wird die Schilderung Finanzprokurators Lindner-Schwarzenberg interessieren, die dieser in seinen Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des Sächs. Obererzgebirges vom Jahre 1848 über das Schwarzwasser, die Antonshütte usw. gibt:

Oberhalb der zu Erlahammer gehörigen Maschinenbauwerkstatt lehnt sich an eine Felsengruppe ein fast in italienischem Stil erbautes Häuschen, umgeben mit einem freundlichen Gärtchen und wird von dem Engländer Payne und seiner Familie bewohnt. Hier ist die letzte Partie der lieblichen Landschaft von Schwarzenberg aus in der Richtung nach dem vier kleine Wegstunden aufwärts gelegenen Johanngeorgenstadt. Bis dahin nimmt alles eine wildromantische Physiognomie an.

Zu beiden Seiten des Tales senken sich waldige Bergwände steil hernieder und baden ihre Füße in den Wellen des Schwarzwassers, die, das ganze Tal entlang, über Geschiebe und Felsentrümmer, lärmend dahin eilen. Die neuere Zeit hat die kleinern und größern Streifen an beiden Ufern in Wiesen umgewandelt und dadurch, so wie wegen der vor 10 Jahren angelegten Chaussee, welche bis an die böhmische Grenze keine Berge übersteigt, dem Tal eine besondere Freundlichkeit und Frequenz verliehen. Noch vor 60 Jahren konnten kaum Fußgänger dasselbe passieren. Der hintere Rothenberg, Magnetenberg und Wolfgarten einer-, sowie die zerrissenen vordern und hintern Hirschsteine andererseits, stehen sich eine Stunde Wegs mit ihren Gneus- und Glimmerschiefermassen bis zur königlichen Antonshütte einander gegenüber. Diese wurde vor vierzehn Jahren vom Finanzministerium in der Absicht gebaut, um die geringhaltigen Erze der obererzgebirgischen Reviere, welche wegen der Transportkosten nicht nach Freiberg abgeliefert werden konnten und deshalb auf den Gruben und Halden nutzlos liegen blieben, zu Gute zu machen und dem Bergbau selbst eine größere Lebendigkeit zu verleihen. Gegenwärtig steht ein Ofen und 3 Amalgamirfässer im Umtriebe und wird dadurch jährlich 3000 Mark Silber zur Münze, sowie 40 Zntr. Kupfer und 25 Zntr. Nickelspeise abgeliefert. Die Anlage der Hüttengebäude in architektonischer Beziehung ist für das Auge eben so anziehend, als das riesenhafte gußeiserne Zylindergebläse, und jedermann wird von den Hüttenbeamten zuvorkommend aufgenommen und herumgeführt, wer solches wünscht.

Ganz in der Nähe haben sich seit der Anlage dieses Werks noch einige Hüttenleute durch Erbauung kleiner Häuser angesiedelt und somit diesem sonst so vergessenen Winkel des Tales ein munteres ansehen gegeben, wovon in der bessern Jahreszeit viele Spaziergänger zu profitieren suchen.

(Fortsetzung folgt.)