Ein bunter Bilderbogen aus der Geschichte der Heimat, zusammengestellt von Karl Hans Pollmer.
Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 133. Jahrgang Nr. 17 vom 5. Mai 1940. S. 4.
In den Chroniken der obererzgebirgischen Städte und Dörfer finden sich manche bedeutsame Niederschriften, die für die Gestaltung des geschichtlichen Bildes unserer Heimat sehr wertvoll sind. Oft sind es Kleinigkeiten, über die man schnell hinwegliest. Manchmal sind es scheinbar nebensächliche Bemerkungen, denen man nur geringe Beachtung schenkt. Aber vielfach ist gerade auch das Kleine interessant. Darum wird der Heimatforscher immer wieder nach „Besonderem“, das heißt nach Einzelbildern suchen, um die Geschichte der Heimat beleben zu können.
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Aus einer Reihe Erzgebirgs-Chroniken sind im folgenden eine Anzahl solcher Einzelbilder herausgezogen. Es sind z. T. bewußt Kleinigkeiten und Nebensachen. Der Weg geht dabei rund um die alte Bergstadt am Pöhlberg, durch ein paar Städte und Dörfer des Annaberger Landkreises hindurch – wahllos, wie die Blätter der Chronisten es fügen.
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Der Winter des Jahres 1905 ist im Erzgebirge und vielleicht auch darüber hinaus besonders hart gewesen. In der Silvesternacht hat ein so gewaltiger Schneesturm gewütet, daß der Wagen eines Botenfuhrmanns, der auf der Heimfahrt von Annaberg nach Geyer war, einfach umgerissen wurde. In Geyer ist ein Einwohner in der Nähe seiner Wohnung im Schneesturm eingeschneit worden und erfroren. – Dann wieder kam plötzlicher Tauwind, daß die Eisenbahnen auf den schlüpfrigen Schienen größte Schwierigkeiten hatten. Durch erneuten Schneefall wurden eine Reihe von Eisenbahnlinien, darunter die Strecke zwischen Cranzahl und Weipert und die Linie Cranzahl – Oberwiesenthal, derart verschneit, daß der Zugverkehr eingestellt werden mußte. – In Geyer geschah es in jenen Tagen, daß viele Leute, um einem Erfrieren der Hauswasserleitungen vorzubeugen, nachts über das Wasser laufen ließen. Das hatte zur Folge, daß der Hochbehälter sich völlig entleerte. – In Jöhstadt lag in diesem gewaltigen Winter auf dem Marktplatz der Schnee ganze drei Meter hoch! In Annaberg wurde durch einen Schneesturm ein Fenster der St. Annenkirche eingedrückt. Anfang Februar ist die Macht des 1905er Winters noch immer nicht gebrochen. Durch neue große Schneefälle ist u. a. die Bahnstrecke Cranzahl – Weipert aufs neue eingeschneit. Aus verschiedenen Orten um den Pöhlberg wurde gemeldet, daß Geschirre, die sich unterwegs befanden, ausgeschaufelt werden mußten. Ende Februar 1905 lagen in Oberwiesenthal 2,40 m Schnee. Wie würden da die Skifahrer unserer Tage jubeln! Damals war über solche Wintergewalt wenig Freude vorhanden. Ende März wiederum bestand durch starke Regenfälle und die damit verbundene Schneeschmelze allerorts große Hochwassergefahr. Anfang April fiel erneut Schnee.
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Aus dem gleichen Jahre 1905 noch einige andere Kleinigkeiten! In Gornsdorf, einem Erzgebirgsdorf nicht weit hinter den Greifensteinen, geschah im Mai des genannten Jahres ein nicht alltäglicher furchtbarer Unglücksfall. Zwei Jungen sind in einem Koffer erstickt. Sie waren zu Bette gebracht worden, sind dann wieder aufgestanden und in den Koffer – wohl eine der damals üblichen Holztruhen – gestiegen und darin grausam ums Leben gekommen. – Am 1. Juni wurden Annaberg und seine nähere Umgebung von einem wolkenbruchartigen Regen heimgesucht. Dabei schlug der Blitz in das Turmhaus des Pöhlberges ein. – Auch Anfang Juli ging über das Erzgebirge ein starkes Unwetter, diesmal mit Schloßen und Hagel, nieder. Die Eisstücke waren 20 g und noch schwerer.
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Am 25. Juni 1863 brannten in der alten Bergstadt Geyer 38 Häuser und zwei Scheunen nieder. Der Brand war in einem Haus aufgekommen, in dem Watte hergestellt wurde. Ein unglücklicher Wind trieb die brennende Watte über die ganze Stadt hinweg. So kam es zu dem furchtbaren Unglück. – Im Juli 1528 sind in Ehrenfriedersdorf an einem Tag sogar 150 Häuser niedergebrannt. Das bedeutete eine fast völlige Vernichtung des Ortes. Ehrenfriedersdorf hat dann 1866 ein ähnliches Unglück durchgemacht: in diesem Jahr brannten innerhalb zwei Stunden 100 Gebäude zusammen. – Am 25. Mai 1895 ging in Geyer ein schweres Gewitter nieder. Dabei schlug ein Blitz in das alte Restaurationsgebäude der Walthershöhe ein, fuhr im Zimmer umher und verschwand wieder, ohne nennenswerten Schaden angerichtet zu haben. Der Besitzer der Restauration lag im Augenblick des Blitzschlages in dem heimgesuchten Zimmer auf dem Sofa. – Ebenfalls aus Geyer, und zwar aus dem Jahre 1905, wird berichtet, daß bei einem Gewitter ein Blitz in ein Wohngebäude schlug, aus der Küchendecke ein Loch herausriß und ohne zu zünden an dem Wasserleitungsrohr wieder zur Erde fuhr.