Ein bunter Bilderbogen aus der Geschichte der Heimat, zusammengestellt von Karl Hans Pollmer.
Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 133. Jahrgang Nr. 19 vom 19. Mai 1940. S. 4.
Am 7. Juli 1895 lief ein vierjähriger Junge, nur mit Hemd, Höschen und blauer Schürze bekleidet, allein vom Ehrenfriedersdorfer Marktplatz aus statt nach Geyer, woher er mit anderen Kindern gekommen war, in Richtung Gelenau weiter. Kurz vor Gelenau traf ihn ein Botenmann in der Nacht im Straßengraben liegend an. Er nahm den weinenden Jungen zu sich, den der Hunger vollkommen erschöpft hatte, und stellte ihn seinen Eltern zu. – 1855 herrschte in Geyer zunächst die Blatternkrankheit, dann der Typhus. An Blattern starben zu Anfang des Jahres zehn Kinder; vom Typhus, der im Herbst auftrat, wurden 600 Personen befallen. Bis zum Jahresende starben 104 Personen, darunter 16 Ehepaare. Wieviel Schmerz und wieviel Not schließen diese nüchternen Zahlen in sich! – 1890 wurde in Jägerkreisen überall über den Rückgang des Auerwildes geklagt. Als Ursache wurde die stete Bepflanzung der Waldblößen angenommen. Im Geyerschen Wald konnten nur noch 49 Auerhähne festgestellt werden. – Auf den Greifensteinen geschah im April 1915 ein furchtbares Unglück. Zwei Jungen aus Ehrenfriedersdorf kletterten in einen stillgelegten Leierschacht. Dabei stürzte einer – 15 Jahre war er alt – 30 Meter in die Tiefe. Er wurde später mit zerschmettertem Schädel tot aufgefunden.
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Erstaunlich ist es, was man sich 1885 von Amts wegen für Gedanken gemacht hat über evtl. Bahnlinien im oberen Erzgebirge, deren geplante Verbindungen nie Wirklichkeit wurden. So sollte eine Bahnlinie von Crottendorf über Schlettau nach Geyer, bezw. eine von Rittersgrün über Grünstädtel nach Geyer geführt werden. In Geyer sollte dann Anschluß an eine zu bauende Bahnstrecke Zwönitz – Geyer – Ehrenfriedersdorf hergestellt werden. Diese Querverbindungen dachte man sich schmalspurig. Die Eisenbahnlinie nach Schwarzenberg sollte nach ursprünglichen Plänen in Schönfeld beginnen und über Tannenberg, Schlettau, Scheibenberg fahren. Auch sie sollte Schmalspurbahn werden. Es ist dann später alles ein wenig anders geworden; aber es ist zweifellos interessant, zu wissen, wie es wäre, wenn …
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1925 wurden in den Apriltagen in Grünhain 46 Kreuzottern gefangen und getötet. Wahrhaftig eine stattliche Zahl. – Im Jahre 1895 wird in der Stadt Geyer bekanntgegeben, daß die Stadt für die Beleuchtung der städtischen Verwaltungsräume und für das Brennen der Straßenlampen im Jahr 4000 kg Petroleum benötigte. – Seit dem 1. Mai 1905 fuhren die Züge ohne Pfeifensignale aus den Bahnhöfen hinaus. – 1885 wurde in Geyer Klage darüber geführt, daß die Gräber ungleich hoch aufgeführt würden. Das lasse die Besucher zu der Vermutung kommen, daß in den wenig aufgesetzten Gräbern Almosenleichen beigesetzt seien. – Im gleichen Jahre wird weiter darüber geklagt, daß Ostern 1881 in allen Schulen die neue Rechtschreibung eingeführt worden sei, daß aber die Behörden, die Post, die Eisenbahn, die Rechtsanwälte, ja sogar die – Lehrer in ihren Privatbriefen sich noch immer der alten Rechtschreibung bedienten.
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1885 hat es zum Sommeranfang in Jöhstadt geschneit. Andererseits hat es in früheren Zeiten auch wieder „blühende Winter“ gegeben. Der Winter des Jahres 1289/90 soll so mild gewesen sein, daß im Januar die Wiesenblumen blühten und im Februar die Erdbeeren reiften. In der Neujahrswoche 1594 blühten die Veilchen. Im Winter des Jahres 1720 blühten in vielen Orten die Kirschbäume. Auch der Winter von 1795 auf 1796 wird als sehr sommerlich geschildert. Im Januar gab es nur warme Tage und Sonne, so daß die Gartenerbsen schossen und bereits die Bienen erwachten.
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Tannenberg hatte 1706/07 mehrfach Einquartierung schwedischer Soldaten. Die Soldaten hatten dort alle Tage zweimal Betstunden. Zu Weihnachten und Neujahr 1707 hielten in der Tannenberger Kirche schwedische Feldprediger den Gottesdienst. Im gleichen Jahr hatte auch einmal ein schwedischer Student als zukünftiger Feldprediger den Dienst am Wort. – In Thum fand im Jahre 1648, am 15. Januar, am Ortsausgang nach Annaberg das letzte Gefecht des Dreißigjährigen Krieges statt. Ein im Jahre 1848 errichteter Gedenkstein erinnert noch heute daran. Im Siebenjährigen Krieg mußte Thum die ungeheure Kriegslast von 41.413 Talern aufbringen. In der Hungerzeit der Jahre 1771/72 wurden in der gleichen Stadt von den vollständig verarmten Menschen Schalen von Kartoffeln, Gurkenschalen, Gras usw. gegessen; 693 Thumer Einwohner sind in jener trostlosen Zeit buchstäblich verhungert.
Damit sei der Gang kreuz und quer durch Chroniken unserer Heimat abgeschlossen. Es waren ein paar wahllos zusammengestellte Bilder, die in ihrem Wert am Rande des Wichtigen liegen, die keine umfassende Bedeutung haben – wenn man sie für sich und als rein örtliche Geschehnisse nimmt. Man muß die Einzelbilder aber zusammennehmen und sie zur Gestaltung des heimatgeschichtlichen Gesamtbildes verwerten.