Karl Gustav Roscher, Elterlein – ein Original unserer Zeit.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 16 — Sonntag, den 14. April 1929. S. 2.

Nachdem wir soeben aus berufener Feder über eine originelle Persönlichkeit des alten Buchholz, über den Flöten-Preuß, berichtet bekamen, sandte man uns aus Elterlein eine sehr originelle Aufnahme von dem weit und breit bekannten Karl Gustav Roscher — im Volksmund der Roscher-Tav genannt. —

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Karl Gustav Roscher.

Ein geborener Elterleiner ist Herr Roscher, einer vom alten Schrot und Korn. Am 23. Februar 1862 ist er in dem lieben Bergstädtchen Elterlein geboren. Sein Leben verbrachte er bei harter Arbeit als Landwirt, gewiß ein schwerer Beruf, wenn man die klimatischen und auch die Bodenverhältnisse unseres rauhen Erzgebirges berücksichtigt. Bis zum 14. Lebensjahre war er im Müller‘schen Gute (jetzt Viehweide) beschäftigt. Bei dem früheren Bürgermeister Hofmann-Elterlein war er 25 Jahre Wirtschaftsgehilfe, nachdem hat er so gut wie gar keine feste Stellung gehabt. Tav geht von Ort zu Ort und wo Arbeit ist, greift er zu. In Gaststätten etc. gilt er als beliebter Spaßmacher. Der liebe Tav sieht oft kein Bett, er zieht lieber als Nachtquartier einen Heuschober vor. Wie bei vielen unserer lieben „Alten“ ist heute jedenfalls Frau Sorge bei dem braven Roscher-Tav zu Gaste. Als Holzhacker und Gelegenheitsarbeiter schlägt er sich durch‘s Leben. Trotzdem aber, wir sehen‘s ihm auf dem Bilde an, hat sich der alte Roscher-Tav einen frohen Mut behalten. Aeußerlich arm, ist er im Innern, wer weiß, viel, viel reicher als mancher einer, der den armen Alten vielleicht heute verspottet und belacht, weil seine Art es ist, ein Original unserer Zeit zu sein.