Von Landschafts- und Gartengestalter E. G. Hoffmann
Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 49, 134. Jahrgang, 15. Dezember 1940, S. 1, 4.
Die wenigen Worte: „Der deutsche Wald“ bedeuten für den deutschen Menschen ein Stück seines eigenen Lebens, sind Inbegriff aller Sehnsucht, die verbunden ist mit Vaterland, deutscher Landschaft, Heimat, Heimaterde, für den Erzgebirgler das Aufgehen in seine geliebte Bergwelt mit seinen rauschenden dunklen Wäldern, seinen sonnigen Südhängen, seinen lichten Höhen, Vaterhaus, Kinderzeit, Weihnachten, Paradiesgarten, Tannenbaum, Lichterglanz, Schnitzen und Basteln, also ein tiefes Empfinden für all das, was im weitesten Sinne Mutter Natur und Heimat schenkt.
Er hütet den Waldbaum, den Waldstrauch, die Waldkräuter als sein Eigentum, als ein Heiligtum und deshalb sollte die Axt des Forstmannes, des Garten- und Landschaftsgestalters ruhen. Und doch muß es anders sein. Die Gesetze der Biologie (Lehre vom Lebenden) erfüllen sich. Der Gestalter reicht dem Lebenden die Hand und leitet es in Bahnen ewigen Neuwerdens.
Der Forstmann formt das gewaltige dunkle Pflanzenmassiv unserer Bergwelt, er arbeitet nach rein forstwirtschaftlichen Grundsätzen, die ihn aber auch in voller Erkenntnis der überholten Monokultur (Alleinkultur) unserer Fichtenwälder zur künftigen, das gesamte Erzgebirge durchziehenden Mischwald-Bewirtschaftung zum Dauerwald (nicht Kahlschlag) hinführt.
Der Landschaftsgestalter arbeitet ausschließlich nach solchen Gesichtspunkten, gepaart mit den Gesetzen der Aestethik. So zeigt sich das Kleid alles öffentlichen Grünes der Gärten, der Parks, der Waldparks, der Friedhöfe, der Sport- und Spielplätze und dergl. Somit ergibt sich zwischen Forstmann und Landschaftsgestalter von selbst die unterschiedliche Arbeitsmethode. Die Umstellung vom Kahlschlag zum Dauerwald könnte den Schluß zulassen, daß der Landschaftsgestalter nun erst recht den Kahlschlag in jedem Falle zu meiden hat. Weit gefehlt. Die Schaffung von Park- und Waldparkszenerien fordert wechselvolle Bilder von lichtvollen Waldblößen (Lichtung) mit massierten Baum- und Strauchbeständen, die für alle Zeiten erhalten bleiben und ewig verjüngt werden.
Und so kommen wir zur Neugestaltung des künftigen Stadtparkes, der nach den Beschlüssen der Stadt Annaberg nun nach den vorliegenden Plänen durchgeführt werden soll. Vorstehende Einführungen waren notwendig, um die Umgestaltung nach landschaftlichen Gesichtspunkten zu verstehen (siehe Plan Grundriß in voriger Ausgabe). Ein sechs bis sieben Hektar großer Teil des Fichten- und Laubholzbestandes des Pöhlberges am Aufgang zu demselben werden aus dem gesamten Gebiet herausgegriffen und nach den Grundsätzen der Landschaftsgestaltung völlig neu umgeformt. Um der so spärlich und schüchtern einfallenden lebenspendenden Sonne mit ihrer Wärme und ihrem Licht in die geschlossenen dunklen Waldbestände Einlaß zu verschaffen, werden Lichthöfe – Waldblößen – in Tiefen von 200 bis 250 Meter und Breiten von 50 bis 80 Meter eingeschlagen, wobei die freigelegten schönsten und gesündesten Bäume vollkommen zur Geltung kommen und sich frei entwickeln können oder infolge Mangel an solchen neu aufgepflanzt werden. Der Waldboden wird sich mit eigener Waldflora bezw. mit Waldgräsern und Waldstauden bestocken.
Nicht gärtnerischem Kleinkram und Spielereien soll Vorschub geleistet werden, das heimische Baum- und Strauchwerk gibt dem künftigen Stadtpark das Gepräge eines Waldparkes (Komposition zwischen Wald und Park). Die vorläufig noch zu erhaltenden Fichtenbestände werden gelichtet, mit einem Unterbau versehen und so wird die heimische Landschaft gewahrt durch unsere Laub- und Nadelhölzer: der Birke, der Buche, Eiche, Bergahorn, Vogelbeere, Sommer- und Winterlinde, Salweide, Lärche, Bergkiefer (Knieholzkiefer / Pinus montana), Waldkiefer, der Eibe (Taxus baccata), den Waldsträuchern und Waldstauden. Ein Stück Dauerwald in rein erzgebirgischer Art wird erhalten und neu geformt.
Im oberen Teil an der südlichen Stirnseite der tiefen Blöße ist ein Konzertplatz gedacht.

(Entwurf und Zeichnung von Landschafts- und Gartengestalter E. G. Hoffmann, Schwarzenberg.)
Ein größerer Weiher tritt im unteren Teil an Stelle der kleinen Wasserpfützen, belebt durch einen Springstrahl, einer offenen Unterstandshütte, einer abwechslungsreichen Wasser- und Uferflora und nicht zuletzt durch Einsetzen einiger Wasservögel. Durch Pflege und Schutz sollen die gefiederten Sänger unserer heimischen Bergwelt eine Belebung des Stadtparkes erbringen. In unmittelbarer Nähe des Weihers soll für unsere Kleinen ein Milchhof mit Sand- und Rasenspielplatz erstehen, indessen Sonne und Schatten die Gesundung der Jüngsten fördern soll. Es ist die Stelle, wo das Häuschen im bereits vorhandenen Licht-Baumhof steht.

(Entwurf und Zeichnung von Landschafts- und Gartengestalter E. G. Hoffmann, Schwarzenberg.)
Bequeme Rundgänge führen zu ruhigen abgeschlossenen oder offenen, frei gelegenen Sitzplätzen und verbinden diese besonderen Anziehungspunkte im wechselseitigen Verkehr.
Wie jede Neugestaltung, so wird auch diese eine gewisse Zeit für eine gute landschaftliche Wirkung beanspruchen. Zum Vorteil gereicht indes schon der vorhandene Laubholzbestand. Die Annaberger sollen deshalb auf vorstehendes Bauvorhaben hingewiesen werden, damit sie nicht unvorbereitet und überrascht sind und sich nicht zu verständnislosen Aeußerungen führen lassen, wie es beim Schutzteich geschehen ist, dessen heutige Gestaltung die Einwohner nicht nur völlig ausgesöhnt, sondern auch voll befriedigt hat.
Mit den Schutzteichanlagen, den geplanten sonstigen Schmuck- und Straßenbepflanzungen, dem neuen Urnenhain, mit der völligen Umgestaltung des Friedhofes nach den Gesichtspunkten einer neuzeitlichen Friedhofskunst und nun zuletzt mit der Schaffung eines Stadtparkes tritt die Stadt Annaberg in die Reihe derjenigen Städte ein, deren verantwortungsvolle Stadtväter sich bewußt sind, was Grünflächen für die Allgemeinheit und für die Gesundheit ihrer Einwohner bedeuten. Städtebaulich beurteilt bedeuten solche Anlagen ein großes Plus für die Schönheit einer Stadt.