Großzügiger Ausbau der Annaberger Grün- und Freiflächen

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 48, 134. Jahrgang, 8. Dezember 1940, S. 1, 4.

Schutzteich / Sportkampfstätte Schillerplatz / Umgestaltung des Stadtparkes

Im A. T. vom 29. November berichteten wir in großen Zügen über die Pläne für die Gestaltung von Grün- und Freiflächen in unmittelbarem Anschluß an die Stadt Annaberg. Wir haben Stadtbaudirektor Hänel gebeten, zu dem Leitgedanken der Gesamtplanung Stellung zu nehmen. Er schreibt dazu:

Im Anschluß an das beiderseitige Industriegelände des AEG-Blockes und der Umgebung des Oberen Bahnhofes ist in das Bebauungsgebiet der Stadt ein Grün- und Freiflächenstreifen einzufügen. Als Anfang dieses Streifens werden die in den letzten Jahren umgestalteten Schutzteichanlagen verwendet, deren Umgestaltung dem vorm Feinde gebliebenen Ersten Bürgermeister Dietze so am Herzen lag. Dieser Streifen soll sich nach den jetzigen Plangedanken weiter oberhalb fortsetzen, zunächst in den auf dem Schillerplatz zu schaffenden Sportkampfanlagen. Abgesehen von dieser Einfügung in die besprochene Gesamtplanung wird die Schaffung von Sportkampfanlagen an dieser Stelle wegen der günstigen Lage einer Sportkampfstätte auf dem Schillerplatz von mir aufgegriffen. Im Zusammenhang hiermit muß auch der Kätplatz eine gewisse Umgestaltung erfahren, da dann künftig das Sportkampfgelände nicht mehr zum Aufbau von Zirkussen u. ä. Verwendung finden kann. Bei sportlichen Großveranstaltungen steht der Kätplatz als Großparkplatz zur Verfügung. Zu- und Abfahrten von Kraftwagen bei Großsportveranstaltungen wird auf die Umgehungsstraße verwiesen, während in dieser Zeit der Verkehr von Kraftwagen vom Schutzteich her gesperrt wird. Es kann sich alsdann der Zu- und vor allem der stoßweise Abgang nach Schluß der Veranstaltungen für Fußgänger und Wagen ohne gegenseitige Gefährdung vollziehen.

Die Grün- und Freiflächenzone setzt sich sodann weiterhin fort in dem umzugestaltenden Stadtpark. Dieser stellt die Ueberleitung zum reinen Waldbestand des Pöhlberges dar. Der Stadtpark muß in unserer Höhenlage in der Art eines Waldparkes erstehen und soll so angelegt werden, daß – anders als in den letzten Jahren – künftig ein genügender Sonneneinfall für die Dauer gewährleistet bleibt, also nicht nur für die Zeit des ersten Heranwachsens. Der bisherige Zustand führte zuletzt dahin, daß vor allem an den wenigen Sonnentagen der beiden letzten Jahre Fußgänger und sogar Kinderwagen nicht den sonnenlosen Stadtpark, sondern die Umgehungsstraße benutzten, die für diesen Verkehr keinesfalls bestimmt ist, sondern dem ungehinderten Durchgangsverkehr dienen soll. Zur Sicherung des Sonneneinfalles wird eine Waldwiese vorgesehen. Sie wird jedoch keine einförmige Wiesenfläche darstellen, sondern soll vielmehr von einzelnen bereits vorhandenen Bäumen bezw. ihrem späteren Nachwuchs durchsetzt sein.

Nach diesen Grundgedanken hat Gartengestalter Hoffmann-Schwarzenberg die gartentechnische Planung durchgeführt. Nach mehrfachen Besprechungen und Umarbeitungen hat die Planung schließlich die im Bild gezeigte Form angenommen. Herr Hoffmann wird diese Planung in einem nachfolgenden Aufsatz erläutern. Er ist in Annaberg bereits durch seine wertvolle Mitarbeit bei der Umgestaltung der Schutzteichanlagen bestens bekannt.

Kopie
Der vom Landschaftsgestalter Hoffmann-Schwarzenberg entworfene Plan, der den Annaberger Stadtwald in einen Waldpark umwandelt. Links vorn entsteht ein Weiher mit Springbrunnen und Schutzhütte. Die große Waldblöße geht über den Platz hinweg, auf dem der sogen. Pavillon steht. Mit dem Weg am Flößgraben, wo neuer Waldbestand angepflanzt worden ist, findet die Planung ihr Ende. (Bilderdienst des Annaberger Tageblattes).

Die Durchführung der Umgestaltung des Stadtparkes wird sich infolge des Umfanges der Arbeit in mehreren getrennten Bauabschnitten auf eine Reihe von Jahren erstrecken. Auch nach Beendigung dieser Arbeiten wird noch eine Zeitvergehen, bis das naturgegebene Wachstum uns das Bild zeigt, das dem Planer vorschwebt. Zur derzeitigen Inangriffnahme der ersten Arbeiten zwangen zwei Umstände. Zunächst ist der Stadtpark zum größten Teil entsprechend den damaligen forstlichen Grundsätzen in reinem Fichtenbestand ohne Mischung mit Laubhölzern angepflanzt worden. Die biologischen Nachteile solcher Alleinkulturen von Nadelhölzern haben sich überall gezeigt und sind inzwischen allgemein erkannt. In den reinen Fichtenbeständen unseres Stadtparkes zeigen sich diese Nachteile besonders durch die Erkrankung der Bestände mit Rotfäule. Eine Aenderung des kranken Bestandes ist daher schon aus diesem Grunde nötig. Weiterhin trat erschwerend der Umstand hinzu, daß leider eine rechtzeitige Ausforstung des Fichtenbestandes in den vergangenen Jahrzehnten unterblieben ist, so daß sich infolge des zu dichten Baumbestandes die Bäume gegenseitig in ihrem Wachstum behindert haben. Die Inangriffnahme der forstwirtschaftlich notwendigen Eingriffe mußte daher zweckmäßigerweise mit den Umgestaltungsabsichten verbunden werden. In dem z. Zt. begonnenen ersten Abschnitt der Arbeiten sind die Bäume im Bereich der zu schaffenden Waldwiese gefällt worden. Das Gelände ist alsdann von allen Baumstöcken zu befreien. In diesem Bereich ist zum großen Teil ein sehr steiniger und unfruchtbarer (steriler) Boden vorhanden, der von zahlreichen kleinsten Bodenwellen durchzogen ist. Es werden daher dann unter Aushaltung des spärlichen Humusbodens die anstehenden Steine beräumt und die erforderlichen Erdbewegungen durchgeführt werden müssen. Erst dann wird die Arbeit der Gärtner einsetzen können.

Ueber die Ausführung von Baulichkeiten im Stadtpark sind noch keine Beschlüsse gefaßt worden. Die gezeigten Schaubilder stellen nur Beispielsleistungen dar.

Das Gesamtbild dieses Frei- und Grünflächenstreifens wird noch erheblich dadurch gewinnen, daß die Hochspannungsfreileitung am Schillerplatz in den kommenden Jahren beseitigt wird.