Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 28 – Sonntag, den 7. Juli 1929, S. 1
Schon einmal fiel ein obererzgebirgisches Gesangsverbandsfest in politisch bewegte, wirtschaftlich schwere Zeit, just wie jetzt in den Tagen vom 5. bis 7. Juli das Fest des Obererzgebirgischen Sängerbundes.
Es waren die Jahre 1846/47, die als ausgesprochene Not- und Teuerungsjahre galten, während die Zeit von 48 bis 50 die Periode revolutionärer Vorgänge, tumultuarischer Ereignisse gewesen ist.

(Man sieht hier auch das alte Rathaus, sowie das Frank-, Wußing- und Klippstein-Haus.)
So ernst war auch im Erzgebirge die Zeit geworden, daß sich in Buchholz am 1. April 1848 eine freiwillige Bürgerwehr bildete und 1849 80 Mann preußischer Soldaten hier in Quartier kamen. Am 1. September des gleichen Jahres wurden Annaberg und Buchholz von zwei sächsischen Kompagnien besetzt, die den ganzen Winter über in beiden Städten verblieben. Not und Besorgnis um die nächste Zukunft bedrückten den fleißigen und friedliebenden Erzgebirgler. Dazu kamen Cholera- und Typhusepidemien.
Obwohl aber auch 1850 noch die politischen Wogen hochgingen, und eine schwere Wirtschaftsdepression das Erzgebirge bedrückte, ließ der sangesfrohe Gebirgler es sich nicht nehmen, das 4. obererzgebirgische Gausängerfest zu begehen. Als Festort war Buchholz erkoren worden. Das eigentliche Fest wurde am 20. August abgehalten. Der damalige Stadtgeistliche, Pfarrer Weidauer, hielt auf dem Marktplatz eine Festrede, die von der Sängerschaft, wie von der Einwohnerschaft der Städte Buchholz und Annaberg mit Begeisterung aufgenommen wurde. Im Anschluß daran begaben sich die Sänger zum Kirchenkonzert in das Gotteshaus. Ein öffentliches Konzert aber und öffentliche Veranstaltungen abzuhalten, war, man höre und staune, regierungsseitig verboten worden. Um jedoch die sangesbrüderliche Freude nicht zu vereiteln, öffnete der Kaufmann Eduard Bach sein Privatgrundstück, das Waldschlößchen, zu einem fröhlichen Sängerverkehr.
Das Bild, das wir diesen Darlegungen beifügen, zeigt, wie die Bürgerschaft durch Beflaggung der Häuser, und wie die Stadt durch Rathausschmuck und Errichtung eines Sängerpodiums an dem Fest freudigen Anteil nahm. Auch die damalige Tracht führt das Bild in fesselnder Weise vor.
Das 1. obererzgebirgische Gesangsverbandsfest wurde 1844 in Johanngeorgenstadt, das 2. 1845 in Schwarzenberg, und das 3. in Schneeberg abgehalten.
Den Teilnehmern am diesjährigen Sängerbundfest entbieten wir im Anschluß an vorstehende Erinnerungszeilen ein herzliches „Glückauf” in Buchholz, der alten Stadt der Lieder, in der die Sängerschaft des Gebirges die alte Treu und herzliche Gastfreundschaft willkommen heißen.