Aus der Chronik der Riesenburg.

(1. Fortsetzung.)

Erzgebirgisches Sonntagsblatt 122. Jahrgang, Nr. 50, 9. Dezember 1928, S. 1 – 2.

Barbara Uttmann und die Riesenburg. – Der Annaberger Mönche Fischrecht in den Riesenburgteichen.

Auch nach dem Tode Adam Ries‘ soll nach den von Generation zu Generation mündlich gemachten Überlieferungen die Wohltäterin des Erzgebirges, Barbara Uttmann, ständige Besucherin im Hause Ries bis zu ihrem am 14. Januar 1575 erfolgten Tode gewesen sein. Ab und zu wird sie wohl auch ihre Kunst dort am Klöppelkissen ausgeübt haben. Ihr Gemahl Christoph Uttmann, ein reicher Bergherr auf St. Annen, starb 6 Jahre vor Adam Ries am 11. September 1553.

Die Vermutung, daß Barbara Uttmann und Adam Ries‘ Ehefrau Schwestern waren, letztere demnach ebenfalls eine Tochter Heinrichs von Elterlein gewesen sein soll, wie die Riesenburg-Überlieferung berichtet, läßt sich nicht belegen, ist auch sehr unwahrscheinlich, sonst würde darüber in der Familiengeschichte der Uttmann und derer von Elterlein etwas zu lesen sein.

Jedenfalls aber muß der Name Uttmann mit der Geschichte der Riesenburg eng verknüpft gewesen sein. Möglich wäre immerhin, daß dann jene Anna verw. Endressen von der Strassen, von der Adam Ries das Vorwerk kaufte, eine Tochter Heinrichs von Elterlein gewesen ist. Die Kaufsurkunde erwähnt die Schwesternschaft zwischen der Gemahlin Adam Ries‘ und der vorgenannten Anna Endressen von der Strassen (ev. zu ergänzen „geborene von Elterlein“).

Es soll hier nicht der Platz sein, auf diese Familienforschung einzugehen. Wie dem auch sein mag, fest steht jedenfalls, daß Barbara Uttmann sehr oft bei Ries‘ in der „Riesenburg“ war, ob in guter Freundschaft oder Verwandtschaft mag dahingestellt bleiben.

Interessant ist hierbei nur die ortsgeschichtliche Tatsache, daß Heinrich von Elterlein, der Vater Barbaras, und Adam Ries Landsleute waren. Beide stammten aus Bayern, dieser aus der Bamberger Gegend, jener aus Nürnberg; beide tauchen ungefähr zur gleichen Zeit in Annaberg auf (1519 und 1526) und beide standen im Zusammenhang mit dem Bergbau. Heinrich von Elterlein als reicher Fundgrübner wurde wohlbestallter Bergzehntner, Adam Ries fand gleichsfalls Anstellung beim Bergamt Annaberg, bekanntlich als Rezeßschreiber und später Gegenschreiber. Auch Andreas von Staffelstein, Rektor der Annaberger Lateinschule von 1509 bis 1530, war ein Landsmann von Adam Ries.

Von Barbara Uttmann heißt es, wie schon erwähnt, daß sie immer an dem Fenster der Riesenburg gesessen, „wo die großen Bäume standen“. Damit dürften die Bäume, die heute noch nach der Annaberger Seite zu zu sehen sind, gemeint sein.

Kopie
Die Riesenburg um 1868.
(9 Jahre vor dem großen Brande von 1877). So sah das Riesenburg-Vorwerk nach dem Wiederaufbau vom Jahre 1658 an aus, wie es 210 Jahre ohne Schaden hindurch bestand, nachdem es 1641 im dreißigjährigen Kriege von den Schweden gebrandschatzt und zerstört worden war. Rechts im Vordergrund die Ruine vom einstigen Herrenhaus Adam Ries‘ (die eigentliche „Riese-Burg“), die nach der Niederbrennung von 1641 nicht wieder mit aufgebaut wurde. (Um 1746 waren die Ruinen nach genauer Beschreibung eines Zeitgenossen noch 2 Stock hoch.) Weiterhin rechts die mächtigen Wipfel der mehrere Hunderte von Jahren alten Ulmen, die schon zu Zeiten der Barbara Uttmann stattliche Bäume gewesen sein sollen. Links die Scheune mit dem Holzgiebel, in der Mitte das Wirtschaftsgebäude mit dem kleinen Fenster der Stube im 1. Stock, in dem die Sammlungen und Schriften verwahrt waren, die leider am 18. August 1877 mit verbrannten. Weiter nach rechts anschließend die Stallungen. In der Mitte des quadratischen Riesenburg-Hofes das charakteristische Taubenhaus. Im Hintergrund der Pöhlberg (unbewaldet und noch ohne Unterkunftshaus), am Abhang das Rote Gut und Seifert-Gut.

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Zur „Riesenburg“ gehörten von altersher 7 Fischteiche, die von einem Gewässer gespeist wurden, das heute Scheidebach genannt wird, weil dieser Bach die Fluren Wiesa und Geyersdorf scheidet (Grenzbach). Als dann 1512 das Franziskanerkloster in Annaberg erbaut worden war und die Mönche sich ansiedelten, dauerte es gar nicht lange, so hatten sich die Franziskaner ein Privileg gesichert, in den Teichen zu fischen, um die Klosterküche in den Stand zu setzen, die vorgeschriebenen Fischgerichte zu bereiten.

So mag ein besonderer Gönner des Klosters Endressen von der Strassen gewesen sein, der wahrscheinlich den Mönchen auch gestattet haben mag, aus dem vorhandenen achten Teich, der hinter dem Kuhstall im Park liegt und vom Ueberlaufwasser des Brunnens sich füllt, die Fischerei auszuüben.

Das Jahr 1539 brachte mit dem am 17. April erfolgten Tode des Herzogs Georg des Bärtigen die erste evangelische Predigt am 4. Mai 1539 in Annaberg. Drei Monate später kaufte Adam Ries das Wiesaer Vorwerk. Die Klosterfischerei hatte ein Ende, da die Mönche nach Eger und Kaaden auswanderten.

Bei den 7 Teichen im Tale sind die Dämme durchstoßen und der Scheidebach hat sich sein Bett hindurchgegraben. Der große Wolkenbruch am 12. Dezember 1748 durchstieß bei 5 Teichen die gewaltigen Dämme, die so breit waren, daß die Erntewagen über sie hinwegfahren konnten. Bei einem späteren Hochwasser gingen auch noch die weiteren 2 Teichdämme zu Bruch. Die Teichdurchbrüche sind heute noch zu sehen.

Erhalten sind noch der Ententeich hinter dem gegenwärtigen Riesenburg-Gut, sowie weiterhin der Ueberlaufteich des Brunnenschachtes und die 3 Teiche in der nördlich der Riesenburg gelegenen Talmulde. Letztere sind verpachtet worden. Insgesamt gehören 12 Teiche zur Riesenburg. Der größte hat 200 Meter Länge und 30 Meter Breite. Dieser soll nach Wiederherstellung des geborstenen Dammes in Zukunft der Fischzucht dienstbar gemacht werden.

Von dem großen Wildpark, einem wahren Naturschutzgebiet, mit seiner seltenen Flora und seiner besonderen Tierwelt, werden wir später noch berichten. An den Teichen hausten früher Störche, Wildenten und sogar Fischreiher, die von Zeit zu Zeit auch jetzt noch auftauchen. Hier kann man im Sommer den Buntspecht am Baum klopfen sehen, den Kuckuck schreien hören und die flinken Blau- und Kohlmeisen beobachten.

(Fortsetzung folgt.)