Annaberger Bergleute im Ausland.

Von W. Ludewig.

(1. Fortsetzung und Schluß.)

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt. Nr. 32, 8. August 1937, S. 7.

Für polnische Bergwerke angeworben.

Von einer anderen derartigen Anwerbung erzgebirgischer Knappen für ein ausländisches Bergwerksunternehmen berichtet uns ein Eintrag in das 8. Bewilligungsbuch (1584/1601, Bl. 199b-201a) des Annaberger Stadtarchivs. Es handelt sich um eine Art Urfrieden, den Jacob Schwenter aus Joachimsthal und Wolffgang Korberg aus Weiden in der Oberpfalz am 10. November 1592 zu Freiberg unterschrieben; darin geloben sie, sich am Annaberger Rat nicht für ihre Verstrickung zu rächen. Die beiden Genannten waren vom Polenkönig Sigismund und dem Amtsverweser der Salzbergwerke in Polen bevollmächtigt worden „zu Beförderung itzt erwähnter Bergwerke eine Anzahl Bergleute und Arbeiter in Deutschland zu werben und ins Königreich Polen zu führen“. Schwenter war der Hauptagent. Die beiden hatten sich ins Kurfürstentum Sachsen gewandt und „auf desselben Bergstädte, sonderlich aber gegen den Annaberg begeben“. Hier wie vorher schon an anderen Orten hatten sie ihre Werbetätigkeit ohne Einwilligung des Rates begonnen. Da diesem die Angelegenheit scheinbar nicht ganz sauber vorkam, hatte er die beiden Werber festgenommen und der Landesregierung Bericht erstattet. Von Dresden aus erging an den Rat zu Annaberg der Befehl „zu Ehren und Freundschaft hochgedachter königlicher Majestät in Polen“ den Agenten die Abführung der 32 Angeworbenen „diesmalen gegen Zustellung eines gewöhnlichen Revers zu verstatten, mit dem Anhange, da einer oder mehr von den geworbenen Leuten seiner oder ihrer Gelegenheit nach von dem Salzbergwerk wiederum sich heraus auf die Kurfürstliche Sächsische Bergstädte wenden wollten, daß ihnen solches jeder Zeit ihrer Gelegenheit nach freistehen und nachgelassen werden sollte“. Weitere Werbungen wurden ihnen indes von der Landesregierung untersagt.

Der Annaberger Rat war an dieser Angelegenheit besonders interessiert, weil nicht weniger als 21 der Geworbenen aus unserer Stadt stammten. Sie hießen: George Küchler, Hans Eckstein, Oßwaldt Einer, Gabriell Rossigk, Michael Nitt, Thomas Treger, Frantz Wolff, Jacob Schubartt, Greger Köler, Andreß Schwander, Caspar Riedler, Christoff Krauß, Thomas Sieber, Simon Schwander, Andreß Köhler, Merten Vlrich, Christoff Steinmetz, Peter Wagner, Joachim Hetz, Caspar Leonhardt, Christoff Köhler.

Zwei Wanderlustige stammten aus Geyer, und zwar Hans Jech und Michael Köhler, während David Müller ein Ehrenfriedersdorfer Kind war. Verhältnismäßig groß war das von Breutenbrunn gestellte Kontingent, dort folgten nicht weniger als 5 Mann den Lockungen der polnischen Agenten, nämlich Abraham Krauß, Christoff Epperlein, der Schmied Christoff Roch (oder Koch?), Hans Krause und Oßwaldt Schmiedt. Zu ihnen gesellten sich Oßwaldt Wolff aus Pöhla, Hans Herman aus Wittweida, ferner Hans Themel aus Marienberg, Georg Müller aus Gießhübel und Georg Zimmermann aus Böhmisch-Budweis. Zwei der Angeworbenen, und zwar Michael Köhler aus Geyer und Georg Müller aus Gießhübel, entliefen mit dem Handgeld.

Leider konnten bis jetzt keine weiteren Nachrichten aufgefunden werden, die uns über das fernere Schicksal der Auswanderer Auskunft geben. Wir wissen daher z. B. nicht, ob sie in Polen blieben oder nach der Heimat zurückkehrten.