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Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 19, 124. Jahrgang, 10. Mai 1931, S. 5.
Unter den Geistlichen der Gemeinde Sehma erfreute sich Mag. Florenz Christoph Hertel eines langen Wirkens. 54 Jahre hindurch stand er der Pfarrei in Treue und Rüstigkeit vor und war von seiner Gemeinde wie ein Vater geliebt und geehrt worden. Er starb ohne Krankenlager, 84 Jahre alt, am 29. Februar 1829. Von seiner kräftigen und schönen Handschrift, seinem großen Fleiß und seinem Ordnungssinn legt das Pfarrarchiv in Sehma noch heute beredtes Zeugnis ab.
Schließlich sei noch markanter Persönlichkeiten unter den Geistlichen der Städte Marienberg und Wolkenstein gedacht, die ja heute nicht mehr in den Bereich der Ephorie Annaberg gehören. In Marienberg ist Mag. Ambrosius Keil oder Claviger, geboren 1520 in Halle, zu nennen, der 1550 in Marienberg Pfarrer wurde und 1551 begann, die noch vorhandenen Taufbücher zu führen. Kurfürst Vater August rief ihn später als Hofprediger nach Dresden. – Mag. Johann Kunad hat die traurige Zeit der Stadt Marienberg während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erlebt. Zunächst hören wir 1600 von ihm als Diakonus, von 1607 ab als Pfarrer von Marienberg. Drei Jahre, nachdem er das Amt übernommen hatte, zerstörte ein furchtbarer Brand die Stadt; 1632 hausten die Kaiserlichen Truppen in Marienberg und verwüsteten alles mit Ausnahme der Kirche, und ein Jahr später brach das „Kriegsfieber“ aus, das nahezu 1000 Menschen hinwegraffte, so daß 1640 nur noch 70 Bürger übrig waren. – Besondere Verdienste erwarb sich Mag. Johann Ehrenfried Wagner um Marienberg. Er wurde 1752 Rektor der Lateinschule, 1759 Diakonus und 1776 Pfarrer. Während der großen Hungersnöte, die in seine Amtszeit fielen, stiftete er durch eigene Opfer und Zuwendungen anderer Bürger ein Waisenhaus. Seinen Sohn führten wir bereits als verdienstvollen Pfarrer in Großrückerswalde an.
Unter den Geistlichen von Wolkenstein erntete Caspar Eberhard aus Schneeberg das besondere Lob seiner Zeitgenossen. Er war ein großer Prediger und Gelehrter und zeichnete sich wiederholt aus. Von Wolkenstein wurde er in das Amt eines Superintendenten nach Meißen berufen. Seine Teilnahme an der Synode in Torgau 1571 ist besonders bemerkenswert. Zu hohen Ehren gelangt, starb er 1575 als Generalsuperintendent und Professor in Wittenberg. – Merkwürdiges berichtet Christoph Schindler aus seiner Amtstätigkeit. Er sattelte von der Juristerei auf die Theologie um, ging nach beendetem Studium nach Aussig, von wo er 1621 ausgewiesen wurde, und betätigte sich dann als Diakonus in Frauenstein. Später erhielt er das Pfarramt in Clausnitz. Dort wurde er bei einer Kindtaufe von Kroaten gefangen genommen und mit nach Böhmen geführt. Erst nach Erlegung eines ansehnlichen Lösegeldes kam er wieder frei. 1634 nahm er die Pfarrstelle in Wolkenstein an.
So sind wir in großen Zügen mit aufrechten Männern bekannt geworden, die das Unglück und die Not im Obererzgebirge mit den Bewohnern teilten, die nach den oft wiederkehrenden, schweren Verwüstungen von Haus und Hof immer wieder den Mut zur Erneuerung der Heimat in die Ueberlebenden pflanzten und so das zäh und fest in den Heimatboden verwurzelte Geschlecht der Erzgebirger schaffen halfen. Ihnen, die das, was sich in ihrem Kreise abspielte, von einer höheren geistigen Warte aus beurteilen konnten, sind wir dankbar für die Aufzeichnungen über unsere Vorfahren, mit denen sie gelebt und gelitten haben. Es ist deshalb wert, sich dieser Männer zu erinnern.
Pd.