Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 19, 124. Jahrgang, 10. Mai 1931, S. 1 – 2.

In einem von Nordost nach Südwest gerichteten kurzen Nebentale, dessen Wasser, mit dem Bache des Hüttengrundes vereinigt, der Zschopau zufließt, liegt das von alters her in unserem Vaterlande und darüber hinaus berühmte Warmbad Wolkenstein, eine halbe Stunde von der Stadt entfernt. Gegen Osten, Norden und Nordwesten ist es durch bewaldete Höhen geschützt. In seiner Umgebung bieten schöne Waldungen, wohlgepflegte Aecker und Wiesen dem Auge einen erquickenden Anblick; in dem kaum ½ Stunde entfernten Zschopautale findet der Gebirgsfreund in schroff aufsteigenden Felsgruppen und Kletterpfaden seine Rechnung.
Wenige Minuten hinter dem Warmbade trifft man auf alte Halden; jedenfalls verdanken wir dem Bergbau auch die Auffindung der warmen Quellen, die ihr Wasser in das Brunnenbecken mit 150 m/l bei 29° Celsius ergießen. In seiner chemischen Zusammensetzung und seinen oft staunenerregenden Heilwirkungen kommt es den Heilquellen von Gastein, Wildbad, Johannisbad, Schlangenbad und Teplitz nahe. Die Quelle wird zu Bade- und Trinkkuren besonders gegen Nervenleiden, Rheumatismus und Gelenkentzündungen verwandt. –
Gegenüber der Treppe zum Brunnenbecken im Quellenhaus befindet sich unter der Jahreszahl 1385 der Reim:
„Dis Warmbad am Sand zu Unser lieben Frawen
Hat Gottes Wunderhand gelegt in diese Auen,
Wo durch dem Leibe nach heil werden kranke Herzen,
Christi Verdienst und Blut heilt alle Leibes-Schmerzen.“
Die Wallfahrten, welche in der katholischen Zeit hierher unternommen wurden, brachten oft große Mengen Menschen zusammen, und es mag oft ein sehr buntes Treiben da geherrscht haben. Die im Bade genesenen Personen pflegten ihre Krücken, Stäbe und andere in ihren kläglichen Umständen gebrauchten Instrumente in der Kirche zurückzulassen. Nach Einführung der Reformation mußte auch die Bedeutung der Kapelle schwinden und da kein Gottesdienst mehr in ihr stattfand, verfiel sie allmählich.
In welchem Zustande sich das Bad in den ersten Jahrhunderten seines Bestehens befunden hat, ist nicht bekannt. In den Nöten des großen Krieges ist auch das Warmbad ganz fürchterlich mitgenommen worden; als es im Jahre 1656 von Dr. Hauptmann und dem Amtmann Schrey erworben wurde, fanden diese darin nicht mehr als „zwei dach- und bodenlose Häuser, in deren vornehmstem gegen dem Berge eine eintzige Wohnstube vor den Pachtmann, und oben wüste Strohkammern ohne Glaßfenster und tüchtige Verwahrung gewesen. In der anderen funde man unten zwey Behältnisse, darinnen des Sommers über gebadet worden, mit offenen Löchern oder Mauer-Fenstern, welche offt Ottern und Schlangen eine Wohnung abgegeben“. – Den vorgenannten Besitzern ist es später auch gelungen, ein Privilegium zur Herstellung und Verzapfung von Weiß- und Braunbier aus dem Badequell zu erlangen, desgleichen eins zur Abhaltung eines Jahrmarktes (zu Mariä Heimsuchung) trotz des Einspruchs der Städte Wolkenstein, Marienberg, Annaberg und Zschopau. –
Zum Schlusse tun wir noch Erwähnung eines Schreibens des Annaberger Superintendenten Dr. Johannes Hofstäter vom 10. Juni 1633. Es heißt da: „Mein Zustand, was das Lauffen, Reissen und Brennen in den Schenkeln, und das ungestüme Ohrenbraussen anlanget, wird eher beschwerlicher als gelinder. Ich leide grosse Wehtagen und bin nun der, so von den Aerzten viel erduldet. Herr Dr. Hegenwald aber fällt auf das warme Bad zu Wolkenstein. Er hat mir gewiesen, wie er eigenhändig angemercket, daß auf sein Einrathen mehr denn 20 Personen allda von der Beschwehrung, die ich habe, geholffen worden. Und ich werde es auch wohl annehmen. Mein vielgeehrter Herr und vornehmer Gönner melde mir doch, ob ich etwa in dem Geringswalder Vorwerck könnte ein Stüblein zu meinen Auffenthalt bekommen, weil in dem Bade selbst schlechte Bequemlichkeit seyn soll. Wem ich davon sage, der billiget es. Ich könnte eine Büchlein schreiben von den guten Zeugnissen, die ich von dem Bade vernommen.“ –
Bis 1529 landesherrliches Eigentum, ging das Bad in oft wechselnden Privatbesitz über; allein bis 1710 zählt man neunzehn Besitzwechsel.
—cj—