(1. Fortsetzung.)
Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 17, 124. Jahrgang, 26. April 1931, S. 5.
Von Hermannsdorfs Pfarrern ist Johannes Kirchner aus Annaberg anzuführen. Er war erst evangelischer Pfarrer in Böhmen und flüchtete, von dort vertrieben, nach Hermannsdorf. Pest und Dreißigjähriger Krieg waren die steten Begleiter seines Lebens. Briefe von ihm, die wir im I. E. S. vom 22. März veröffentlichten, zeugten von der ungeheuren Not, die der geistliche Herr in diesen Schreckensjahren zu erleiden hatte. Kurz vor dem westfälischen Frieden im Jahre 1648 ereilte ihn der Tod. – Die Aufzeichnungen des Pf. Mag. Karl Gottlob Zeidler, der von 1704 Substitut seines Vaters war und 1736 die Pfarrstelle einnahm, tragen einen ganz merkwürdigen Charakter, denn er war nicht allein Seelsorger, sondern auch Arzt seiner Gemeinde. Seine Todesnachrichten legen davon Zeugnis ab, erzählen den Verlauf der Krankheiten und führen die Arzneimittel an, die er verordnete. Zeidler diente seiner Gemeinde auch als Rechtsanwalt in Prozeßsachen. Damit nun seine Schriftstücke nicht anfechtbar waren, ließ er sie von seinem Bruder, der in Auerbach eine Rechtspraxis besaß, unterschreiben.
In der traurigsten Zeit, die Königswalde je sah, leitete Pfarrer Simon Arnold aus Mittweida die Seelsorge. Was mag er in den Schrecknissen des Dreißigjährigen Krieges erlebt haben? Die Greuel vom 21. August 1632 lassen sich kaum schildern. Dieser Tag wird wohl der schwärzeste in der Geschichte von Königswalde gewesen sein. Die Kaiserlichen verwüsteten den ganzen Ort, brannten Kirche, Pfarre, Schule und die beiden Erbgerichte nieder, ermordeten und mißhandelten viele Einwohner. Arnold überlebte diese Grausamkeiten nicht lange.
Elterlein, das eine Zeitlang der wieder aufgelösten Ephorie Grünhain angehörte, sah in Mag. Theodosius Lehmann einen bewährten Geistlichen, der seiner Gemeinde in Jahren größter Not Beistand leistete. Er war Annaberger Kind, 1581 geboren, 1608 Pfarrer in Königswalde und von 1612 an Pfarrer in Elterlein. Er erlebte während des Dreißigjährigen Krieges traurige Zeiten und mußte mit den Einwohnern gar oft in den Wäldern Zuflucht nehmen. Der 27. Dezember 1632 steht in der Geschichte Elterleins schwarz geschrieben. An diesem Tage fielen die Kaiserlichen in Elterlein ein, verwüsteten den Ort, raubten, plünderten und erschlugen, was sich ihnen entgegenstellte. Den alten Pfarrer mißhandelten sie so grausam, daß er vier Wochen lang seines Amtes nicht walten konnte. Seinem Substituten, Johann Teucher, der entfliehen wollte, wurde der Kopf durch einen Säbelhieb gespalten. Außerdem kamen bei der Plünderung noch 17 Einwohner, 8 schwedische Soldaten und der Grünhainer Amtsbote zu Tode. 43 Personen erlitten schwere Verwundungen. An die Stelle Teuchers trat nun Christian Lehmann, der Sohn des Pfarrers, den wir später in Scheibenberg wiederfinden. Theodosius Lehmann setzte sich 1642 zur Ruhe und wollte nach Annaberg übersiedeln. Auf dem Wege dahin ereilte ihn jedoch der Tod. – Andreas Hesse, der Nachfolger Lehmanns in Elterlein, war zugleich dessen Leidensgenosse. Zweimal brannte ihm das Dach über dem Kopf zusammen. Beim letzten Brand verlor er sogar seine Tochter, die mit ihrem Manne im Keller erstickte. Hesse erblindete in seinen letzten Lebensjahren.
Das Pfarrhaus in Scheibenberg hat, wie schon erwähnt, den hervorragendsten unter den erzgebirgischen Chronisten beherbergt. Aber auch eine durch seine Verwandtschaft mit hohem ministeriellen Adel interessante Persönlichkeit befand sich unter den Pfarrern von Scheibenberg. Wir sehen sie in Mag. Samuel Puffendorf, der als Pfarrerssohn 1581 in Olbersdorf geboren wurde. Nach Scheibenberg kam er 1612, siedelte 1616 nach Ehrenfriedersdorf über und starb schließlich 1683 als Pfarrer in Eibenstock. Sein Ruf als Dichter hatte einen guten Klang. Der Bruder Puffendorfs, Esaias, Pastor in Flöha, war Vater vier ungewöhnlich intelligenter Söhne. Der Aelteste, Jeremias, wurde der Nachfolger im Amte seines Vaters, der Zweite, Jesaias, erhielt den schwedischen Adel und brachte es schließlich zum schwedischen Reichskanzler, der Dritte, Samuel, war gleichfalls geadelt worden. Er erlangte durch seine Schriften großes Ansehen, wurde Professor des Naturrechts in Heidelberg, ferner Königl. Schwedischer und Königl. Preuß. Geheimer Rat; der Vierte, Johann, begleitete den Grafen Otto Wilhelm von Königsmarck als Geheimer Sekretär. Unser Puffendorf war kinderlos, sicher aber wird er auf die trefflichen Söhne seines Bruders, die, einer Landpfarre entsprossen, zu so hohen Würden und so bedeutendem Ruhme emporstiegen, stolz gewesen sein. – Der klassische Chronist des Obererzgebirges ist und bleibt aber Pfarrer Christian Lehmann, von dem wir bereits unter Elterlein kurz berichteten. Er wurde 1611 in Königswalde geboren und durchlebte die ersten Schrecken des Dreißigjährigen Krieges im Hause seines Vaters Theodosius Lehmann, der das Pfarramt in Elterlein verwaltete. Christian Lehmann zog 1638 in das Pfarrhaus von Scheibenberg ein, wirkte in der Gemeinde 50 Jahre lang und starb 1688 vielbetrauert.

Im Jahre 1640 mußte er mit Familie und vielen Gemeindegliedern vor den Kriegshorden in den Wald flüchten und sich dort über 6 Wochen aufhalten. Ein hohler Baum diente ihm damals als Kleider- und Speiseschrank und ein Baumstumpf als Tauftisch. Unter solchen Verhältnissen wurde de Pfarrer sogar ein Sohn geboren. Aus dem Umstande heraus, daß wir in Lehmann eine hervorragende Gestalt unter unseren Vorfahren erblicken, sei auch auf seine Familie näher eingegangen. Sie stammt aus Freiberg. Sein Urgroßvater war Bäcker in Mittweida. Dieser siedelte nach Annaberg über, wo dann sein Großvater, der später hochangesehene Ratsherr und Bürgermeister Lehmann, 1545 geboren wurde. Auch die Nachfahren des Pfarrers Christian Lehmann in Scheibenberg haben es zu großen Ehren gebracht. Denken wir z. B. an Johann Georg Lehmann, der Salzfaktor in Dresden war und in seinem Testament vom 26. August 1745 den Städten Elterlein, Wiesenthal, Johanngeorgenstadt, Jöhstadt, Scheibenberg, Geyer, Eibenstock und Schwarzenberg je 2000 Taler, zusammen also 16.000 Taler vermachte, deren Zinsen alljährlich an Arme verteilt werden sollten. Dieser Wohltäter des Obererzgebirges starb am 30. September 1745. Sein übriger Nachlaß, über den er besondere Bestimmungen hinterließ, fiel später den Städten Neustädtel, Schneeberg, Zschopau, Zöblitz, Thum, Dresden und Wittenberg zu. Theodosius, der in einem Fluchtlager im Wald geborene Sohn Lehmanns, erwarb sich den Doctor juris utriusque. Wir hören von ihm 1675 als Kammerprokurator in der Oberlausitz, 1679 als Hof- und Justizrat, 1682 als Präsident des Stiftskonsistoriums in Merseburg und Herrn aus Culm. Lehmanns dritter Sohn, Christian, wurde Substitut seines Vaters, später Archidiakonus und Superintendent in Annaberg. 1723 starb er im Alter von 81 Jahren als Superintendent in Freiberg. – Pfarrer Christian Lehmann verdanken wir mehrere wertvolle Bücher mit genauen geschichtlichen Aufzeichnungen von Zeitereignissen und Abhandlungen, die uns mit der Vorstellungswelt jener Zeit in engste Berührung bringen.