Die Neugestaltung der Annaberger Schutzteichanlagen.

Von Stadtbaurat Kühn.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 129. Jahrgang Nr. 19 vom 10. Mai 1936. S. 4 – 5.

Die große Wasserfläche am Rande der alten Stadt am Böhmischen Tor besteht von altersher als Feuerschutzteich und hat mit ihren Grünanlagen mitten im Stadtgebiet stets eine starke Anziehungskraft behalten. Der Annaberger hat dieses Plätzchen besonders lieb gewonnen. Das beweist der zahlreiche Besuch, der täglich mit großem Interesse an der Baustelle die Umgestaltungsarbeiten verfolgt. In den achtziger Jahren wurden mit einer teilweisen Entschlammung auch die umgebenden Grünanlagen geschaffen, die aber trotz hoher Boden-, Herstellungs- und Pflegekosten heute nicht mehr befriedigen können. Es mußten radikale Änderungen vorgenommen werden. Der Städter will heute in einer Grünanlage eine vielseitige Erholungsstätte mit Naturerlebnissen, Spielplätzen für die Kinder und einer bodenständigen Naturverbundenheit.

Es blieb der nationalsozialistischen Gemeindeführung vorbehalten, eine großzügige Neugestaltung des Schutzteiches im Zusammenhang mit einer durchgreifenden Schlammbeseitigung des Teiches durchzuführen und dabei über mehr als 100 Arbeitern lohnende Arbeit über die Winterszeit hinweg zu geben. Der neue Plan, der vom Stadtbauamt und dem Gartengestalter Hoffmann aus Schwarzenberg aufgestellt worden ist, legt die zirka 20 000 Quadratmeter große Erholungsfläche als ein neues städtebauliches Schmuckstück fest und bringt eine neue Gesamtform der Pflanzung, der Schmuck- und Spielplätze nach Größe, Gestalt und Anordnung. In glücklicher Verbundenheit mit der freien Landschaft es Pöhlbergmassives, des Stadtparkes, den grünen Spiel- und Sportanlagen am Schiller- und Kätplatz bildet der Schutzteich eine Veredelung und Verschönerung dieser großen natürlichen Grünfläche, die mit in das Stadtinnere fließenden Grünzügen, baumbepflanzter Straßen und Wege ausklingt. Der neue Plan hält am Charakter eines Innenparkes fest und schafft Erholungsmöglichkeiten für alt und jung. Bei der geringen Entfernung vom Stadtzentrum liegt die Anlage besonders gut für ältere Leute, die sich nicht mehr durch weite Spaziergänge und Sport erholen können, ist aber auch mit Kinderwagen bequem zu erreichen und bringt im reizvollen Nebeneinander Spielplätze der Kinder, wie Sitzplätze der Alten, die ja dem Spiele der Kinder gern zuschauen und darin die schönste Erholung finden. Die Anlage erhält ein Milchhäuschen, ein Regenschutzdach und noch andere Einrichtungen für das leibliche Wohl der Besucher. Als besonderes Schaustück und starken Anziehungspunkt ist in der Teichanlage eine prunkvolle Wasserkunst vorgesehen, die abends mit indirekter Beleuchtung den Mittelpunkt der ganzen Anlage stimmungsvoll steigern soll. Zwischen dem Park und der umgebenden Natur unserer Erzgebirgsheimat besteht die engste Beziehung. Die sinnig durchdachte und wohlgepflegte Ausbildung der neuen Grünräume wird erst in den folgenden Jahren mehr und mehr in Augenschein treten, die Bepflanzung der Anlage erst nach längeren Jahren diejenigen Landschaftsbilder darbieten, welche der Gestalter beabsichtigte, daher darf sie von vornherein zunächst nur als eine vorbereitende betrachtet werden. Die umgepflanzten Bäume und die neu gesetzten jungen Stämme entwickeln sich noch. Nach Jahren erst rundet sich dann das Bild. In guter Wirkung von Licht und Schatten, die sich ausdrücken in hellen Rasenflächen und dichtem dunklem Gehölz und Baumgruppen, wechseln die Bilder der Teichanlage und ihrer Umgebung und bringen immer neue Naturdarstellungen. Der alte Baumbestand ist, soweit möglich, in schönster und reichster Form ausgenutzt und erhält somit auch schattige Promenaden und herrliche naturwüchsige Haine. Geschickt ist die stark bewegte Bodenfläche ausgenutzt und zu besonders wirkungsvoller Verschiedenheit der Bilder, gefälliger Pflanzengruppierung verwendet worden.

Doch darüber soll dann der Gartengestalter selbst sprechen.

Leider engt die verhältnismäßig dichte und hohe Randbebauung nach Westen und Norden die gesamte Anlage stark ein und bildet mit seinen zum Teil sehr unansehnlichen Fassaden keine schmückende Umgebung dieser schönen Anlage. Man darf aber wohl erwarten, daß die Anlieger alle Anstrengungen machen, um diese Mängel zu beseitigen. Dann erst wird die Anlage für die Besucher, wie für die Anwohner eine Quelle des Genusses.

Kopie
Verkleinerte Wiedergabe des Planes für die Neugestaltung der Schutzteich-Anlagen und des Köselitzplatzes.

Wie der Plan zeigt, ist die Neugestaltung der Schutzteichanlagen auch verbunden mit einer wesentlichen Verbesserung der Verkehrsverhältnisse an der Linden- und Ernst-Roch-Straße. Die Lindenstraße ist gleichmäßig breit bis in die Ernst-Roch-Straße eingeführt worden und an der Kreuzung Ernst-Roch-Straße – Schießhausstraße ist durch Landabtretungen der anliegenden Grundstücke das Straßenband so verbreitert, daß Platz frei wurde für die Anlage eines 4 Meter breiten Fußweges, der den Fußgängerverkehr aus Richtung Kätplatz aufnehmen kann. Bei starkem Stoßverkehr der großen Veranstaltungen des Schiller- und Kätplatzes traten hier mit dem Fehlen des Fußweges starke Verkehrshinderungen auf. Der motorisierte Verkehr mußte an dieser Kurve die Hemmung der verhältnismäßig engen und krummen Straßenführung sehr störend mitmachen. Dieser empfindliche Mangel ist nunmehr beseitigt. Der Abzweig der Lindenstraße ist ebenfalls weggefallen und zur Erweiterung der Grünanlagen benutzt worden. Die gesamten Verkehrsverhältnisse sind jetzt klarer und geordneter und schließen für Fahrer wie für Fußgänger jede Gefahr aus.

Diese Arbeiten werden bis Ende Mai zu einem gewissen Abschluss gebracht. Bis dahin sind die im Osten und Süden gelegenen Anlagen des Teiches fertiggestellt. Der tieferliegende Teil an der Westseite benötigt noch längere Bearbeitungszeit. Die dort aufgefüllten Schlammassen können noch nicht bearbeitet werden, da sie erst noch austrocknen müssen.

Gartengestalter Hoffmann ergänzt diese Ausführungen noch wie folgt: Die vorliegende Grünflächengestaltung erhielt ihre Idee durch das Teichschlämmen selbst. Es ergab sich durch das Freiwerden bedeutender Erdmassen eine stark veränderte Uferformation, die aber leider durch eine notwendig gewordene ringsum verlaufende steile Mauerwandung eine landschaftliche Wasserflora nicht aufnehmen kann. Die Ufer werden hier statt dessen durch gehölzartigem, hängendem Wuchs hier und da unterbrochen, um die steife Steinwasserkante zu verwischen. Weiterhin wird versucht, noch eine malerische Seerosenbucht einzubauen. Durch diese Teichumänderung ergab es sich von ganz allein, die stark verwilderten anschließenden Anlagen mit den planlos verzerrten Wegeformen neuzeitlich umzugestalten. Die gesamte Grünflächenaufteilung ist weiträumig und als gelungen zu bezeichnen und der Teich liegt nun künftig erhaben in Grün eingebettet.

Ein wichtiger Faktor, der schon lange seiner Lösung harrte, ist das Ausholzen und Auslichten des gesamten Baum- und Strauchwuchses. Ein bis zwei wirklich schön entwickelte, weitausladende Bäume sind landschaftlich weit wirkungsvoller als 5 – 6 auf kleinem Raum zusammengepferchte Straßenbäume mit engen, erdrückten, dürren und kranken Kronen, ganz abgesehen davon, daß durch Fehlen überflüssiger Bäume Luft und Sonne den grünenden und blühenden Untergrund (Rasen, Blumen, Rosen) günstig beeinflußt. Ein unterlassenes oder zu spät kommendes Auslichten rächt sich oft sehr bitter. Wenn in der Anlage die Bäume teilweise alleinstehend erscheinen, so hängt das mit einer neu zu schaffenden Baumgruppe zusammen. Weiterhin war wichtig das Verpflanzen der großen Lindenbäume, das eine gärtnerisch wissenschaftliche Frage ist, die bedeutende Erfahrungen erfordert. Eine mehrjährige Saugwurzelvorbereitung des Wurzelballens war leider nicht möglich, doch ist das Wurzelwerk so beschaffen, das mit einem Anwachsen bei nur ganz wenigen Ausfällen gerechnet werden kann. Der Austrieb, der auf Grund der eigenen Reservestoffe ohne künstliche Nahrungszufuhr geschieht, wird heute schon in befriedigendem Maße sichtbar.