Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 134. Jahrgang Nr. 5 vom 2. Februar 1941. S. 4.
Eine traurige Geschichte aus Buchholz.
Im Jahre 1692, am dritten Osterfeiertag, ist in Buchholz eine traurige Geschichte geschehen. Ein großes Herzeleid steht darin vor uns auf. Die Geschichte sei in der Schreibweise der damaligen Zeit, so wie ein Chronist sie berichtet, wiedergegeben:
„Ich will noch anziehen / wie unlängst anno 692 am 3. Oster-Feyertag im Buch-Holtz Braut und Bräutigam jammerlich verunglücket. Es wurde eine Kauffmanns-Witwe in Annaberg begraben / gedachte Verlobte gehen nebenst andern Buchhöltzern über die Brücke gegen Annaberg / in willens der Leichen-Predigt in der Annabergischen Hospital-Kirchen beyzuwohnen. Der morsche Balken / darauf die Braut unversehens tritt / bricht / und sie stürzt samt dem Bräutigam hinunter in den damals streng angelauffenen Strom / beyde schlungen sich an einander / biß sie durch einen großen herfürragenden Stein von einander getrennet und gerissen wurden / da sich dann der Junggesell gerettet / sie aber wurde von einem im Strom nachschießenden Balcken ergriffen / übers Fluther hinuntergestürtzt / daß sie den Halß bricht und jämmerlich ersauffen muß.“
Eine traurige Begebenheit, über die man lange gesprochen haben wird, wenn sie freilich auch nicht im geringsten „weltbewegend“ war – eine Geschichte aber, die zum Bild der Heimatgeschichte dazugehört genau so wie das Große, das Hervorragende an ihr. Darum auch wird sie erzählt.
– k. h. p.