Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 134. Jahrgang Nr. 4 vom 26. Januar 1941. S. 4.
Der Fichtelberg vor 250 Jahren
Der höchste Berg unserer sächsischen Heimat ist der Fichtelberg. Das ganze Erzgebirge ist stolz auf ihn. Fremde kommen von weit her nach Oberwiesenthal, dem stattlichen Amtsstädtchen am Fuße des Berges, und zu dem Berg selber. Der Fichtelberg hat, wie alle unsere Berge im Erzgebirge, nicht immer die Beliebtheit gehabt, die er heute genießt. Der 1699 erschienene „Schauplatz“ von Christian Lehmann bringt eine interessante Notiz über ihn. Lehmann war während des 30jährigen Krieges und darüber hinaus Pastor in Scheibenberg und schreibt also aus persönlicher Anschauung und Auffassung, wenn er wie folgt über den Fichtelberg berichtet: Seine Höhe verursacht, daß er meistenteils wild, rauh und ungestüm ist, selten ohne Nebel und Wolken und daher ein rechter „Wetterhahn“ des ganzen oberen Erzgebirges oder „Kalender“, aus dem man gutes oder böses Wetter mußmaßt, je nachdem ob er mit oder ohne Wolken erscheint … Man hat erfahren, daß der Schnee in seinen Racheln und Schluchten den halben Sommer hindurch, auch wohl ein Jahr nach dem anderen, gehalten. Ohne mühsame Wasserleitung und Dünge kann kein Getreide geraten, auch der Hafer nicht reifen. –
Guter, alter Fichtelberg! Wie denken wir heute so ganz anders über ihn! Gewiß hat er sich auch wirklich geändert. Er ist nicht mehr der „rauhe und ungestüme“, wie ja auch unser ganzes Erzgebirge längst nicht mehr das verschrieene „sächsische Sibirien“ ist. Und wir sind dankbar für die Wandlung, die der Fichtelberg – und vielleicht auch die Menschen – von Lehmann bis heute durchgemacht haben.
k. h. p.