Von großer Kälte, abgebrannten Kirchen, Pest und einem kühnen Seiltänzer.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 133. Jahrgang Nr. 20 vom 26. Mai 1940. S. 4.

Ein Chronist des Erzgebirgs will im Januar 1709 von 90 Grad (!?) Kälte wissen. Ihr folgte ein fruchtbarer Sommer.

Im August 1632 brannten die Holckschen Kroaten die Kirchen zu Scheibenberg und Königswalde nieder.

1639 erhielt Kühnhaide einen Jahrmarkt ab. Den duldeten die Marienberger nicht. Ihr Stadtrichter August Eckstein zog mit 40 Bewaffneten in das Grenzdorf, zerstörte die Buden und verjagte die Händler.

1715 wurde zu Dresden der Räuberhauptmann Lips-Tulian aufs Rad geflochten. Er und seine Raubgesellen haben das sächsische Hochland lange Zeit durch tollkühne Räubereien schwer unter Druck gesetzt.

In Rübenau schleppte 1658 ein Luchs zwanzig Ziegen von den Hütten weg. Man fand sie in einer Grube; der Luchs hatte ihnen die Euter abgefressen.

1614 wurde das Dach der Stadtkirche zu Marienberg gehoben. Der Zimmermeister, der das Gerüst erbaute, hatte das so schlecht getan, daß es zusammenbrach und mehrere Arbeiter dabei ums Leben kamen. Der Meister lief davon und kam nie wieder.

Daß man schon ehedem mit Brandstiftern an lebenswichtigen Gütern nicht zart umging, beweist ein Fall in Mauersberg. Am 3. März 1654 wurde der 18jährige Hans Nestler, weil der aus purem Mutwillen eine mit Getreide gefüllte Scheune anzündete, geköpft und verbrannt.

Am 19. Juni 1783 schlug der Blitz in den Kirchturm zu Olbernhau, zündete zwar nicht, zerstörte aber die Orgel völlig.

1713 ging in Pobershau und Rittersberg die Pest in furchtbarer Weise um.

Bei Satzung wurde 1662 ein Steinadler gefangen.

Aufständische Bauern rissen 1525 die Kirche zu Raschau nieder.

Auch früher schon ging manche Mutter beim Baden der Kinder recht achtlos zu Werke. Der Chronist berichtet aus Reichenau bei Frauenstein von einem solchen Falle im Jahre 1664. Eine Bäuerin verließ das zehn Monate alte Kind in der Wanne, um nach dem Vieh zu sehn. Als sie zurückkam, lag ihr Söhnchen ertrunken im Badewasser.

Der Bauernaufruhr, der 1525 auch aufs Obererzgebirge übergriff, hatte zur Folge, daß die Dorfrichter zu Mildenau, Schönbrunn und Arnsfeld, die von Großrückerswalde und Gehringswalde geköpft und gespießt wurden, weil sie sich an dem Aufstand beteiligten.

Am 21. August 1632 wurde Schloß Scharfenstein von den Kaiserlichen geplündert.

Ein Seiltänzer aus Venedig soll 1546 in Annaberg vom Turmknopf der Annenkirche bis zum Markt hinab auf einem ausgespannten Seil gelaufen sein.

Am 17. Januar 1763 wurde ein gewisser Baldauf aus Zöblitz beim Floßholzfahren von seinem umstürzenden Schlitten erschlagen. Einige Tage vorher ereilte einem jungen Ansprunger dasselbe Schicksal.

Friedrich Fürchtegott Ihle, ein 23jähriger Bauer aus Heidersdorf, erschlug 1819 seinen Vater mit der Axt, weil er, wie der Chronist vermerkt, dem Sohne zu lange lebte …