Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 133. Jahrgang Nr. 49 vom 3. Dezember 1939. S.3.

(Aufn.: Bilderdienst vom Annaberger Tageblatt, Archivbild.)
Die „Johannisruh“ auf dem Köselitzplatz gehört seit 1905 der Vergangenheit an. Die hohen Bäume, die den idyllischen Ruheplatz einst beschatteten, weisen auf ein ansehnliches Alter hin. In ihrem Schatten frühstückten in den Jahren vor und nach dem Kriege von 1870/71 die Arbeiterinnen der Annaberger Krinolinen- und Korsett-Industrie, deren Fabrikationsräume an der Kleinrückerswalder Straße lagen. Die „Schnurrbart Paul‘n“, so genannt nach ihrem kräftig gewachsenen Schnurrbart, verkaufte ihnen Bücklinge, Fischeln und Semmeln und Obst. Auch das „Blitzmannel“, ihn hatte einmal der Blitz getroffen, hielt hier Kirschen, Zitronen und Schnaps feil, diesen weniger für die Krinolinenmädel, als für die Königswalder Posamentenarbeiter, die sich im „Rundel“ zum gemeinsamen Heimweg sammelten. An heißen Tagen fand der dickbauchige Wasserständer mit Pumpenschwengel, der neben der kleinen Erhöhung stand, eifrig Zuspruch. Es war ein gemütliches Plätzchen. Aber die Zeit schritt über es hinweg. Als man 1905 mit dem Bau der sogenannten „Claus-Häuser“ begann, mußte die „Johannisruh“ und mit ihr auch das im oberen Bilde sichtbare Haus des Oekonomen Karl Haase der Regulierung der Böhmischen Gasse weichen. Inzwischen hat sich das Bild des Köselitzplatzes weiter verändert. Im Rahmen der in den Jahren 1935/36 durchgeführten Gestaltung der Schutzteichanlagen erhielt er sein heutiges Gesicht. Ueber die Stelle des ehemaligen Rondells führt heute die Adolf-Hitler-Straße zur Umgehungsstraße.

(Aufn.: Bilderdienst vom Annaberger Tageblatt)