Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 133. Jahrgang Nr. 2 vom 7. Januar 1940. S. 3.

Ortsgeschichtlich interessanter Boden ist das Garagengelände auf dem ehemals Bahl‘schen Etablissement. Hier, vor dem Buchholzer Tore, befand sich die älteste der Annaberger Vergnügungsstätten, ein Ballokal, das 1780 „Gläsers Garten“ genannt wurde. Es bestand aus einem spiegelgeschmückten Gesellschaftssaal, dem Billard- und Kartenzimmer und einer Gaststube. Eine überdeckte Kegelbahn, die erste der Pöhlbergstadt, in der auch im Winter gekegelt werden konnte, war vorhanden. In einem großen Obst- und Gemüsegarten standen Tische und Bänke, wo Sonntags und an schönen Sommerabenden die Annaberger Bürger und ihre Familien gern Einkehr hielten. 1811 ging das Grundstück in den Besitz von Carl Ludwig Müller über, der auch das Badehaus, zwei Stuben mit je einer Wanne, mit bediente. 1829 wurde Wundarzt Dr. Carl Bahl Besitzer, dessen Sohn Hermann Bahl die Gaststätte zu hoher Blüte führte. In Bahls Etablissement hielten die letzten Bergleute ihren Schmaus mit Tanzvergnügen. Später fanden hier die Aushebungen statt. Wahlversammlungen und Ausstellungen sah der Saal. Das Gartenlokal, wie es unsere Ansicht zeigt, war um die Jahrhundertwende Mittelpunkt geselligen Lebens der Bergstadt Annaberg. Besondere Anziehungspunkte bildeten die Konzerte der Annaberger Stadtkapelle. Kurz vor dem Weltkrieg war Feye Thiesen Wirt und später Arthur Gebhardt. Im Kriege befand sich hier die „Volksküche“. In der Nachkriegszeit konnte das Unternehmen nicht wieder zu neuem Leben erweckt werden. Es ging ein. Kurze Zeit diente das Hauptgebäude einer Posamentenfirma als Geschäftsräume. Dann wurde es abgebrochen und heute erinnert nichts mehr an die Stätte ehemaligen Frohsinns und angeregter Geselligkeit.
