Schlößchen-Porschendorf und seine Krokuswiesen.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 19 — Sonntag, den 5. Mai 1929. S. 1.

Einen herrlichen Anziehungspunkt bieten in jedem Jahr im Erzgebirge zur beginnenden Frühlingszeit die Krokuswiesen. Wie ein buntgestickter Teppich bieten sie sich auf weithingestreckten Flächen dem Auge dar und zeigen immer wieder aufs neue, wie doch die Natur die größte Künstlerin auf Erden ist. Man kann sich nicht satt sehen an der Pracht der Farben, die hier ringsum leuchten. Kein Gärtner hat für diese Blumenpracht gesorgt; die Schöpferkraft des Weltalls hat sie hervorgezaubert, das unenträtselbare Große, hinter dessen Geheimnisse der Mensch nie restlos kommen wird. Ringsum im Erzgebirge stößt man auf solche Wiesen. Es gibt jedoch Plätze, die durch den besonders ausgedehnten Reichtum der Krokusse geradezu berühmt geworden sind. Zu diesen zählen neben den bekannten Wiesen von Drebach, diejenigen in Schlößchen-Porschendorf. Sie stehen jetzt und in den nächsten Wochen in vollster Blüte und bieten damit eine botanische Sehenswürdigkeit seltener und schönster Art.

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Die Krokuswiese bei Schlößchen-Porschendorf.

Das eine der beistehenden Bilder gibt einen kleinen Teilausschnitt jener Wiesen wieder und schon von ihm aus kann man auf die Pracht schließen, die sich hier in so verschwenderischer Schönheit zeigt. Schlößchen-Porschendorf, das eben auch infolge dieser Natursehenswürdigkeit weithin bekannt ist, ist eine idyllisch gelegene Gemeinde im Zschopautal, unweit der Stadt Zschopau gelegen. Sie zählt mit ihrem Rittergut samt dem Ortsteil Wilischthal rund 1000 Einwohner, liegt auf aussichtsreicher Höhe und besitzt ein Schlößchen, das früher zum nahen Schloß Wildeck in Zschopau gehörte. Das jetzige Rittergut ist seit 1747 im Besitz der Familie Philipp. Schlößchen-Porschendorf ist der Ausgangspunkt schöner Wanderungen. Es besitzt einen reichen Nadelwald mit markierten Wegen und gepflegten Ruhebänken. Auch wildromantische Partien gibt es hier; so diejenigen zur Bodemerkanzel, zum Reinhardfelsen, zum Affenstein und zur Scharfensteiner Kanzel.

Eine besondere Sehenswürdigkeit ist das Rittergut mit dem Herrenhaus und dem alten Turm. Der Ort liegt an der Eisenbahnlinie Chemnitz—Annaberg—Buchholz, Stationen Zschopau und Wilischthal. Auch Kraftwagenlinien führen in die Nähe. —

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Das Rathaus von Schlößchen-Porschendorf.

Von unseren Bildern zeigt das zweite den neuen Rathausbau, der im Heimatstile gehalten, ausgezeichnet wirkt, sowie das dritte eine malerische Teilansicht vom Schlößchen-Porschendorf. Schon von diesen Photos kann man auf die idyllische Lage dieses Ortes und damit auf das Lohnende einer Wanderung dorthin schließen. Besonders stark wird der Ort mit seinen prächtigen Wiesen laufend von Chemnitz aus besucht. Aber auch für uns Gebirgler lohnt sich eine Tour dorthin, umso mehr, als vielen von uns die dortige Gegend noch zum Teil verschlossen geblieben ist. Welche Reize die Pracht der Krokuswiesen auf Sinne und Herzen ausübt, hat jeder empfunden, der z. B. in Drebach gewesen ist, zu dessen Krokusstätten alljährlich wahre Wallfahrten stattfinden.

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Teilansicht von Schlößchen-Porschendorf.

(weitere Bilder in der nächsten Ausgabe)