(Schluß.)
Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 21, 124. Jahrgang, 24. Mai 1931, S. 5 – 6.
Aus der Geschichte von Mildenau.

Die ersten Kriegslasten im Siebenjährigen Kriege mußten von der Gemeinde Mildenau erlegt werden, als am 5. Dezember 1756 fünf Mann Kgl. Preuß. Husaren bei Christoph Barth Quartier nahmen. Sie blieben ein Vierteljahr, und der Barthwirt präsentierte dem Gemeindevorstand eine Rechnung in Höhe von 23 Talern 16 Groschen. Das war schmerzlich, wäre aber noch immer zu ertragen gewesen, wenn Mildenau nun vom Krieg unberührt geblieben wäre. Kaum aber hatten die Husaren ihr Quartier abgebrochen, wurde der Gemeinde aufgegeben, 10.000 Scheffel Hafer vom „Zwickauischen Magazin“ nach Freiberg zu transportieren. Die Kosten betrugen 75 Taler 12 Groschen. Vom 11. Dezember 1757 bis 11. Juni 1758 entstand für Leistungen an die Reichstruppen, Truppen der Sachsen, Oesterreicher und Preußen, für Mehllieferung, Leinwand, Brot, Betten, Hafer, Gestellung von Pferden, Knechten, 18 Klafter Holz ins preußische Lager nach Zschopau und für Rekrutenaushebung laut vier Umlagen ein Aufwand von 177 Talern 12 Groschen. Von Juni bis Weihnachten 1760 entstanden „für Spannungen in die preußischen Lager nach Zschopau, Dresden und Freiberg, für sonstigen Kriegsaufwand und Speis und Trank von denen hier durchpassierten Commandos und Patrollen“ drei Umlagen über 97 Taler 20 Groschen. Am 2. August 1761: „Verschlagung von Piquet-Holz zu Reitzenhain für die kaiserlichen Truppen, sowie Brot, Fleisch und Lieferung von Betten nach Freiberg“ 74 Taler 11 Groschen. Vom 8. November 1761 bis 31. Januar 1762 Exekutionsgebühren, aufwand an Speise und Trank, Lieferung von Heu und Hafer an die kaiserlichen Truppen 366 Taler 23 Groschen. Von Januar bis Ende Februar 1762 fand eine Exekution der Bellingischen schwarzen Husaren statt. Leider fehlt hierzu die Berechnung über die Höhe der Umlage. Jedenfalls wird sie hinter den anderen nicht zurückgestanden haben. Am 13. September 1762 wurden 112 Klafter Holz geschlagen und an die preußischen Truppen ins Lager Pretzschendorf geliefert. Die Kosten beliefen sich auf 77 Taler 5 Groschen. Die Zahlung von Verpflegungsgeldern an die preußische Miliz in Freiberg am 6. Januar 1763 betrug 118 Taler 10 Groschen. Unterm 31. Januar 1763 steht vermerkt: „Verschlagung und Transport von 102 Klaftern Holz an Förster Sachse, St. Michael, für die Kgl. preuß. Truppen Garnison Freiberg 77 Taler 12 Groschen“; unterm 10. Februar 1763: „Zahlung an die Bellingischen Husaren 1713 Taler und 10 Groschen“. Die Bellingischen Husaren mögen den Erzgebirgern am meisten auf dem Geldbeutel gelegen haben, denn in den alten Aktenstücken finden sich immer und immer wieder vergilbte Quittungen, in denen es heißt: „… wegen des bey hiesiger Commun zu fordern gehabten Aufwands der letzt gehabten Bellingischen Husaren …“. Im übrigen schreiben die Chronisten, daß „aller Art Miliz und Truppen der Kaiserlichen, Preußischen, Sächsischen, Husaren, Jäger, Dragoner, Carabiniers, Fußvolk, Exekutionscommandos und Sammlungstruppen, so nach Jöhstadt in das Lazarett gegangen, alle verzehret, aber ohne zu zahlen“.
Wie kann es uns da Wunder nehmen, wenn der Ort bis auf den letzten Heller ausgepumpt war, ehe das Ende des Krieges herankam. Geld wurde jedoch mit jedem neuen Truppendurchzug benötigt, und so sah man sich gezwungen, die Kirche anzuborgen. Die Urkunde hierüber besagt:
„Demnach wir, Richter, Gerichtsschöppen und Gemeindevorsteher allhier zu Mildenau uns necessitiret gesehen, wegen presanter Bezahlung der Preußischen Contributions- und anderer Kriegs-Gelder, ein Capital bey der allhiesigen Kirche aufzunehmen.
Als bekennen wir Endes-Utnerschriebene hiermit, daß uns die Kirchen Vorsteher bey so thaner dringender Nothdurft mit Dreyhundert und Sechzig Thalern sage 360 Thlr. –, –, baaren Gelde, an Leipziger 1. Drittel Stücken, welche zu der Zeit current, gäng und gäbe gewesen, gegen 5. pro Cento Interesse, an die Hand gegangen sind und solche als ein Capital geliehen haben. Da wir nun erm. 360 Thlr. richtig gezahlet und aufs einmal in Empfang genommen und zu unsern Händen gezogen haben, so geloben und versprechen wir insgesamt nicht allein in Nahmen und Vollmacht der hiesigen Commun Mildenau, sondern auch vor unserer Person als Selbst-Schuldner mit unsern Habseligkeiten, Güthern und Vermögen vor besagtes Capital, Interesse und etwa sich ereigneten Unkosten, zu stehen und zu haften. Dahero wir uns auch aller und jeder Rechts-Wohlthaten, Freyheiten, Exceptionen und Ausflüchte oder Behelfen, wie sie Nahmen haben, es mögen solche erdacht seyn, oder noch ersonnen werden, hierdurch verziehen und begeben.
Und damit die Kirche so wohl als deren Vorsteher desto besser gesichert seyn mögen, so haben wir diese Obligation wißentlich und mit guten Bedacht von uns ausgestellet, selbige mit unsern gewöhnlichen Petschaften besiegelt uns uns eigenhändig unterschrieben, und dieses alles tunlich und sonder Gefährde.
Datum Mildenau, den 19. September Anno 1762.“
9 Unterschriften.
Die Summe reichte nun bei weitem nicht aus, und neue Schulden mußten aufgenommen werden. Man borgte am 4. Februar 1763 von dem „Königl. Pohln. Churfürstl. Sächs. Fleisch-Steuer-Inspektor Gottlob Friedrich Bach zu St. Chatarinenberg in Buchholtz mit flehentlichen Bitten, zur Bezahlung der Königl. Preuß. Seits abgeforderten Kriegs-Contribution und Abwendung des in der Unterbleibung angedroheten gäntzlichen Ruins, ein Capital von 1400 rthlr“. Für diese Summe hafteten dem Gläubiger sämtliche 103 Güter. Die Besitzer dieser Güter verpflichteten sich mittels Handschlag und Unterschrift, dem Amtmann Hilbert in Wolkenstein das Kapital mit 5 Prozent verzinst in gangbarer Münze binnen drei Jahren zurückzuzahlen, für die Summe zu haften und einzustehen „einer vor alle und alle vor einen“ mit allem Vermögen „liegend und fahrend“.
„Einer vor alle und alle vor einen“, so standen unsere Altvordern zueinander, wenn die Not über sie hereinbrach und wenn es galt, die Heimat vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Aus den Urkunden ersehen wir, welche erdrückenden Lasten auf Hab und Gut der Alten lagen. Mit vereinten Kräften und man könnte sagen, mit verzweifeltem Mute haben sie sich aber vor den schweren Pflug gespannt, der ihnen den kahlen, zertretenen Acker ihres Daseins wieder fruchtbar machen sollte. Sie hielten zusammen und deshalb leuchtete ihnen auch die freundliche Sonne einer besseren Zeit.
P.