Geyer als Wintersportplatz des Greifensteingebietes

Ein Rückblick auf seine Entwicklung

(1. Fortsetzung)

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 134. Jahrgang Nr. 6 vom 9. Februar 1941. S. 1.

Es war geradezu oft unheimlich, welche Massen unser ideales Skigelände an der Walthershöhe an den schulfreien Mittwochen und Sonnabenden an eifrig Uebenden zu sehen bekam! Wenn vorher bei der Weiblichkeit noch der lange Faltenrock und der mit dem Schal festgehaltene Hut üblich war, so wandelte sich auch hier bald das Bild zum behosten Sportmädel. Allmählich führten sich auch die kurzen Doppelstöcke ein, und der Bindungskampf wurde zugunsten der Huitfeld-Bindung beendet.

Kopie
Aus den Anfängen des Wintersportes in Geyer: Massenstart zum Wettrodeln auf der Walthershöhe. Im Hintergrund ist der alte Aussichtsturm der Walthershöhe zu sehen, der von dem damaligen Wirt Eduard Neukirchner erbaut wurde. Am 24. November 1917 legte ein heftiger Sturm den Turm um.
(Photo: Erzgebirgszweigverein Geyer.)

Als M. Liesche im Jahre 1912 die Führung des Erzgebirgsvereins übernahm, war die Verbindung des sommerlichen Wanderns mit wintersportlicher Betätigung geschaffen, und selbst die Vereinsvergnügen brachten nicht selten in ihrer Gestaltung diese Verbindung sinnfällig zum Ausdruck. Auch nach dem Kriege blieb der Erzgebirgsverein als Träger der Ausbildung und der Veranstaltungen im Skilauf führend. Es ist daher verständlich, wenn sich die 1921 gegründete „WSA“ als Wintersportabteilung dem Erzgebirgsverein angliedert und von ihm in Personalunion geführt und betreut wird. Unter Mitarbeit der EV-Mitglieder werden die ersten örtlichen Skiwettläufe bei Massenbeteiligung veranstaltet.

Kopie
Auf dem Startplatz zum Faßdaubenlauf 1921. (Photo: Erzgebirgszweigverein Geyer.)

Reiches Bildmaterial zeugt davon. Wer erinnert sich nicht an die „Faßdaubenläufe“, bei denen in drei Treffen hintereinander die Jugend bis zu den Kleinsten herunter im Massenstart zu je 50 ‒ 60 Teilnehmern losgelassen wurden und nach erbitterten Kämpfen – auch Mann gegen Mann, aber besonders im Kampf gegen die Unzulänglichkeiten der Mittel – doch zum Teil am Ziel unten am Bahndamm ankamen? Da gab es bereits die ersten Schneeschuhe als Preise!

Die „Faßdaubenzeit“ wurde aber bald abgelöst durch die Einführung einwandfreien Sportgerätes in solchen Mengen, daß bei Wandertagen der Schule im Winter sich nur wenige Rodelgemeinschaften fanden und schon die Kleinsten am liebsten mit Skiern ausgerüstet wären.

(Fortsetzung folgt.)