Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 24 – Sonntag, den 9. Juni 1929. S. 2
Die Stadt Buchholz, gegenwärtig im Amtsgerichtsbezirk Annaberg, gehörte vor 96 Jahren noch mit den Städten Grünhain, Zwönitz, Elterlein, Schlettau und den ländlichen Orten Bärenstein, Bernsbach, Cranzahl, Cunersdorf, Dittersdorf, Dörfel, Hermannsdorf, Königswalde, Kühnheide, Langenberg, Lenkersdorf, Markersbach, Raschau, Schwarzbach, Sehma, Unterscheibe, Walthersdorf, Waschleithe und Wildenau zum Amte Grünhain. Ursprünglich lautete der Name St. Katharinenberg im Buchholz. Weil auch ein Katharinenberg in Böhmen gelegen ist, in der Gegend von Annaberg und Buchholz ein Buchenwald oder Buchholz stand, wurde der durch den Bergbau wie Annaberg entstandene Ort, den man nach damaligem Brauch der heiligen Katharina „als einer vermeinten Schutzpatronin” widmete, zum Unterschied von Katharinenberg in Böhmen St. Katharinenberg im Buchholz genannt. Später sagte man schlechthin Buchholz. 1692 wurde Buchholz als ein Ort des Annaberger Mühlenamtes behandelt, später jedoch zum Schlettauer Amte gezogen.
In kirchlicher Beziehung sowie hinsichtlich der untersten Mühle und des alten Münzgebäudes gehörte es des Mühlenamtes wegen nach Wolkenstein. Von 1544 ab hatte es eigene Obergerichte und von 1833 ab außer einem Bürgermeister, einen Stadtrichter, drei Ratsmänner und Stadtgerichtsbeisitzer, wovon einer den Posten eines Kämmerer bekleidete, 12 Stadtverordnete und einen Vorsteher. Ehemals gab es hier ein Bergamt und eine Münze, aus der man früher noch Taler vom Jahre 1595 und Dreier zeigte. Später stand die Münze mit unter dem Schneeberger Münzmeister, wurde aber nach Annaberg verlegt und das Haus in ein kurfürstliches Absteigequartier umgewandelt. Das Postwesen anlangend, hielt sich Buchholz vor 90 Jahren nach Annaberg, wohin es auch die indirekten Steuern, die direkten dagegen nach Schwarzenberg abliefern mußte.
Die Stadt zieht sich am Gebirgshange längs des linken Sehma-Ufers südwärts hinauf bis zur Papiermühle in der Tiefe und der Spitalkirche auf der Höhe und lehnt sich an den Galgenberg und den Stadt- und Spitalberg. Den Galgenberg bedeckt auf der Höhe der Seifenwald, durch den die Straße nach Crottendorf führt. Der südwestliche Teil des Seifenwaldes heißt, wahrscheinlich nach einer wüsten Dorfmark, der Zschopelwald. Der namentlich nach Südosten malerische Talgrund hat dicht über und unter der Stadt zwischen Felswänden jähe Krümmungen.
Die schöne gothische Hauptkirche in der Mitte der Stadt besitzt in den aus dem Annaberger Franziskanerkloster hierher gebrachten Altargemälden aus der Wohlgemuthschen Schule ein bedeutsames Denkmal deutscher Kunst aus dem 16. Jahrhundert und ein unschätzbares Kunstwerk überhaupt. Protestantischer Eifer hatte diese Gemälde früher übermalt, der sächsische Altertumsverein ließ sie aber 1840 in ihrer ursprünglichen Gestalt wiederherstellen. Auch die Begräbniskapelle oder Spitalkirche, wie sie früher hieß, enthält am Altar wertvolle Oelgemälde auf Holz. Bei der Länderteilung 1485 bildete der Sehmabach einen Teil der Grenze zwischen dem Albertinischen und Ernestinischen Sachsen. Annaberg und Umgegend gehörte zum Herzogtum und Buchholz zum Kurfürstentum Sachsen. Infolge der Wittenberger Kapitulation 1547 wurden beide Städte unter dem neuen Kurfürstentum der Albertinischen Linie vereinigt. Das war auch der Grund, warum in dem unter Kurfürst Friedrich dem Weisen stehenden Buchholz die Reformation eher — bereits 1524 — eingeführt wurde als in dem herzoglichen Annaberg, wo sie erst 1539 Eingang fand. Das meiste Verdienst um die Einführung der Reformation in Buchholz gebührt dem Bergmeister Matthias Busch. Im Jahre 1524 predigte hier der bisherige Franziskanermönch zu Annaberg, Friedrich Myconius. Da strömten wohl allein aus Annaberg tausend Zuhörer nach Buchholz, denen aber Herzog Georg mit Haft auf dem Schellenberg drohen ließ, wenn sie nicht zu Hause blieben. Schon 1524 spotteten die Buchholzer öffentlich über die Heiligsprechung des Bischofs Benno von Meißen. Der erste bleibende evangelische Pfarrer zu Buchholz war Mag. Johann Bachmann und der erste Diakonus Georg Messerschmidt. Die Verringerung der Bevölkerung durch die Pest 1582 und die Abnahme des Bergbaues hatten die Aufhebung des Diakonats zur Folge.
Wie schon oben angedeutet, verdankt Buchholz dem Silberbergbau seine Entstehung. Schneeberger Bergleute sollen vor Entdeckung des Silberganges des nachmaligen Fronleichnamstollens durch Andreas Sturz aus Geyer beim Fischen hier Zinn geseift haben. Besonders zeichneten sich unter den zahlreichen Silberzechen aus: Konrad, das himmlische Heer und dessen Gegentrum in der Stadt, Appolonia, Paulus, Andreas und einige Zechen des Schottenberges. Die Fronleichnamzeche lieferte allein 1498 – 1505 über 4 Tonnen Gold. Durch 1518 aus Joachimstal nach hier ausgewanderte, rebellierende Knappen hob sich der Bergbau in Buchholz ganz gewaltig. Noch 1540 waren 3 Geschworene im hiesigen Revier, dem auch Grünhain und Schlettau zugeschlagen waren. Im Seifenwalde gewann man durch Schürfen und in der Sehma durch Seifen Zinn, so daß mehrere Hütten in Betrieb standen. Leider wurden sie durch eine ungeheure Wasserflut am 21. Juli 1565 vernichtet. Die Greuel des 30jährigen Krieges und die Pest verursachten den vollständigen Niedergang des Bergbaues. 1697 zählte man in Buchholz nur 104 bewohnte Häuser neben 103 Wüstungen, 119 Bürgern und gegen 850 Seelen. Die Viehwirtschaft war bis auf 60 Kühe und 18 Ziegen zurückgegangen. Nur 62½ Scheffel Getreide säte man aus, braute aber 354 Faß Bier und versteuerte 1643 Schock.