Regelmäßige Bergaufzüge in den Jahren 1821 – 1841.
Aus den Akten der Berg-Begräbnis-Brüderschaft.
Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 2, 124. Jahrgang, 11. Januar 1931, S. 5.

mit der St. Katharinenkirche und mit dem 1841 auf der Ruinenstätte des ehemaligen Münzhofes erbauten Rathaus (rechts). Im Vordergrunde Berggebäude und Kaue des „Heilig Fronleichnam“-Silberstollens. Benachbart von „Heilig Fronleichnam“ nach Westen zu waren „St. Conrad“ und „Heilige drei Könige“, welches sehr ergiebige Silberfundgruben waren.
Die seit 1634 bestehende „Begräbnis-Gesellschaft“ zu Buchholz, die bis zum Jahre 1869 sowohl „Bergbrüderzunft“ als auch „Berg-Begräbnis-Brüderschaft“ benannt wurde, birgt als kostbaren Schatz ein altes Aktenstück von 1821 in ihrer Lade, von dem bisher noch nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. Der sich auf 20 Jahre erstreckende Aktenband beleuchtet in hochinteressanter Weise das bergmännische Leben und Treiben jener Zeit und gibt vor allem auch Aufschluß über die abgehaltenen Bergaufzüge.
Zunächst führt die wertvolle Quelle an, wer im Jahre 1821 vom Bergmannsstande sich bei der „Wiederaufrichtung der Buchholzer Bergzunft“ hat als Mitglied einzeichnen lassen. Ueberraschender Weise finden wir dabei Namen von hochangestellten Persönlichkeiten in Annaberg, ferner eine ganze Reihe von Bergleuten mit bekannten Namen aus Frohnau, Cunersdorf und Schlettau.
Wir lesen da: „Finanz-Prokurator und Bergschreiber Mathesius aus Annaberg, Schichtmeister und General-Acciseinnehmer Jacobi aus Schlettau, Rezeßschreiber Fritsche und Bergamtsaktuar Wagner sowie Quartein Schalig von Buchholz, Schichtmeister Lange aus Annaberg.“ Dann tauchen all die bekannten Steiger-Namen auf, wie: Carl Gottlob Pollmer und Lobegott Pollmer aus Frohnau, Carl August Zienert, Gottlieb Grund und Ramm aus Annaberg, wie auch noch Johann Gottlieb Loos als Steiger von Frohnau.
Vorsteher der „Berg-Brüderschaft“ ist zu jener Zeit (1821) der Buchholzer Stadtrichter Carl August Ehregott Wagler, sein Stellvertreter der Senator Carl Gottlob Schönfelder; Bergältester ist der Steiger Karl Friedrich Keller und Rechnungsführer der Stadtgerichtsschreiber Christian Gottlob Krumbholz.
Vom „bürgerlichen Stande“ (zum Unterschied vom „Bergmanns-Stande“) finden wir aufgezählt die Buchholzer Bürgermeister Carl Christian Lehmann sowie Johann Gottlob Kindermann, Bürgermeister Hempel aus Schlettau, Erbrichter Wagler von Cunersdorf, Postmeister Reiche sowie die Viertelsmeister Vogel und Schmiedel aus Annaberg, nicht zuletzt auch sind verzeichnet der Buchholzer Stadtkämmerer Christian Gottlob Melzer sowie der Stadtschreiber Franz Constantin Walther.
Alljährlich am Johannistage feierte, wie das mit genauen Belegen versehene Aktenstück ausweist, die „Berg-Brüderschafts-Zunft“ zu Buchholz ihr Bergfest mit großem Bergaufzug. Zunächst fand am Vormittag eine Kirchenparade mit Bergpredigt in der St. Katharinenkirche statt, wofür der jeweilig amtierende Pfarrer, wie Pastor Weidauer usw., zum Neujahrsfeste eine „von altersher gebräuchliche Ehrengabe“ erhielt. In der Ratsstube im Rathaus kam man zur Quartalsversammlung zusammen. Der Gerichtsdiener Johann Gottlob Städtler wurde durch ein feststehendes Honorar von 16 Groschen für seine Arbeit entschädigt, die er mit dem Vorrichten und Aufräumen der Ratsstube hatte. Auch besorgte dieser die sonstige Aufwartung beim Quartal. Stadtmusikus Friedrich Wagler erhielt für das Spielen der Bergmusik durch seine Kapelle einen Taler. Die größte Ausgabe verursachte das Bewirten der Bergleute zum eigentlichen Bergfest, das auf dem Schießhaus stattfand. Carl Christian Lämmel, der Schießhauspächter, verabreichte für bis zu 5 und 6 Taler Bier, für den damaligen Geldwert ein beachtlicher Bierumsatz. Ja, Bergleute konnten einen „Stiefel“ vertragen.
In dieser Weise wurden in „St. Katharinenberg im Buchholz“ Bergaufzug und Bergfest alle Jahre von 1821 – 1841 lückenlos gefeiert, wie man es nachzulesen vermag. Nur im Jahre 1836 wurde ein „stilles“ Bergfest gefeiert, da wegen des Ablebens von König Anton Landestrauer war. Es fielen daher die Musik beim Kirchenaufzug, sowie die Tanzmusik auf dem Schießhause weg.
Das zweite Bergquartal fand zu St. Trinitatis statt.
Der Berggeschworene Schmidt, Finanz-Prokurator und Bergschreiber Mathesius in Annaberg, sowie die Vorstandsmitglieder der Berg-Brüderschafts-Zunft erhielten für ihre Dienste besondere Ehrenhonorare.
Als ein ganz besonders wertvolles Kleinod besitzt die heutige „Begräbnis-Brüderschaft“ als die fortbestehende Vereinigung der „Berg-Brüdrschaft“ neben ihrem Original-Dokument vom 28. August 1669 mit den Artikeln (mit gut erhaltenem Stadtsiegel aus Wachs) noch einen großen, zinnernen Trinkhumpen mit zwei eingravierten Bergmannsfiguren und der Jahreszahl „1652“ nebst der Inschrift:
„G.S. CATHARENAPERCK – JN – BUCHHOLTZ – 1652“.
Weiterhin sind auf dem Humpen die Namen der Stifter wie folgt verzeichnet:
„Johann Amm, Pauls Müller, Martin Wolf, Johann Schenckel, Phillippus Georg, Andreas Unger, Caspar Behr, Andreas Wolf, Christian Mehner, Michael Lauterbach, Tobias Schuwerth, Christof Rauer, Christof Steinmetz, Martini Lorentz, Baltzer Fleischer, Christian Lang.“
In früherer Zeit besaß die Brüderschaft außer diesem erwähnten zinnernen „Willkommen“ noch eine besondere Kanne, ferner ein Bahrtuch aus schwarzem Damast mit der Jahreszahl 1650, ein weiteres Tuch von 1664 sowie ein solches vom Jahre 1758. Auch sind vier alte Quartalbücher aus der frühesten Zeit und zwei geistliche Bücher vorhanden gewesen.
F. Kr.