Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 7, 124. Jahrgang, 15. Februar 1931, S. 2.
Vor 250 Jahren wurde Geyer von einer furchtbaren Seuche heimgesucht. Damals zog die von fremden Ländern eingeschleppte Pest oder „Der schwarze Tod“ durch Sachsen und hielt in den einzelnen Ortschaften eine furchtbare Ernte.
In Geyer sind im Jahre 1680 zusammen 312 Personen an der Pest verstorben. Die Bedeutung dieser Zahl kann man erst recht ermessen, wenn man sie mit der Sterblichkeitsziffer anderer Jahre vergleicht. 1677 gab es in Geyer 26 Tote, 1678 waren es17, 1679 starben 22 Leute. Dann kommt das Jahr 1680 mit 312 Sterbefällen. 1681 waren es nur 22.
In „Falkes Chronik“ wird die damalige Einwohnerschaft von Geyer auf höchstens 2000 Leute geschätzt, so daß also jeder sechste Mann der Seuche zum Opfer gefallen ist.
Im Totenbuch findet sich im Jahre 1680 unter Nr. 19 folgender Eintrag: „Den 21. Juni starb ein Mann im Hospital, sepeliebatur (begraben) den 22. Juni sine ceremoniis (ohne Leichenbegängnis), weil man dafür hielt, er sey an der Pest gestorben.“ Später hat der Pfarrer an dieser Stelle vermerkt: „und der war der Erste!“
Im August mehrten sich die Todesfälle in großer Zahl. Am 30. August starben 8, am 31. 7 und am 11. September 9 Personen. Im November erlosch die Pest langsam.
Auch aus dem Trauregister ersieht man die damalige Notlage. 1680 wurden nur 6 Paare getraut, während im Jahre 1681 die Zahl wieder auf 33 stieg.
Auch in späterer Zeit haben noch öfters Epidemien gewütet 1771–72 war eine schwere Hungersnot, die Geyer besonders heimsuchte. Es starben in einem Jahre 423 Personen. 1855 wurden 306 Personen vom Typhus dahingerafft.
Dank der umfassenden und peinlich durchgeführten sanitären Maßnahmen, zu denen in erster Linie mitzählen: Wasserleitung und Beschleusung, können heute der Einwohnerschaft Seuchen nicht mehr so gefährlich werden, wie ehedem.
–iy.