Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 3, 124. Jahrgang, 18. Januar 1931, S. 1 – 2.
Bis zum Jahre 1577 gab es in Jöhstadt noch kein Schulgebäude. Da mußte der Schulmeister mit seinen Schülern von Haus zu Haus wandern, wo ihm jeweils eine Stube für seinen Unterricht von diesem oder jenem Einwohner gerade geboten wurde. Die Schulverhältnisse waren also im Anfang in Jöhstadt recht betrüblich. In seiner Abhandlung „Die kleinen Stadtschulen des sächsischen Erzgebirges im 16. Jahrhundert“ schreibt Dr. Ernst Gehmlich u. a.: „Nur in dem armen Städtchen Jöhstadt ließ man lange Zeit verstreichen, ehe man zur Gründung einer Schule schritt. In 10 Tagen hat der Schulmeister oft 6 Herbergen gehabt.“ Unter solchen Umständen gründeten die wenigen Begüterten im Orte eine Privatschule und besoldeten einen Theologen als Lehrer, um ihren Kindern eine bessere Bildung zu verschaffen.
Erst im 18. Jahrhundert hören wir, daß die Stadt Jöhstadt ein eigenes, allgemeines Schulgebäude hat, und zwar stand dieses am Marktplatz dort, wo sich jetzt das Amtsgericht erhebt. Ueber diese erste Jöhstädter Schule wird im Jahre 1824 von dem seinerzeitigen Kantor Schirmer (von 1661 ab unterrichtete neben dem Lehrer noch ein Kantor, der zugleich Organist war) bittere Klage geführt. Er stellt Antrag auf Anbau einer Schulstube, da nur eine vorhanden sei, in der der Rektor (Schulmeister) die 1. Klasse mit 158 Schülern dreistündig vormittags, er selber die 2. Klasse mit 156 Schülern ebenfalls dreistündig nachmittags unterrichten müsse. Der Raum sei so beschränkt, daß nicht einmal alle sitzen könnten, und neben Religion, Lesen und Schreiben noch etwas zu lehren, sei er außerstande.
Doch dauerte es noch vier Jahre, bis 1828 eine zweite Schulstube ins Schulhaus gebaut wurde. Im Jahre 1843 regte der Stadtrat bei der Zwickauer Kreisdirektion die Anstellung eines dritten Lehrers an, doch erst 9 Jahre später, 1852, wurde diesem dringenden Ersuchen stattgegeben.
Das Schulhaus am Markt aber war und blieb im höchsten Grade unzulänglich. Seit dem Jahre 1837 ging ununterbrochen der Kampf um die Erbauung einer neuen Schule. Die Bemühungen der Behörden stießen aber auf starken Widerstand in der Einwohnerschaft. Da griff das Schicksal rettend in die herrschende Misere ein: in der Nacht vom 24. zum 25. Juli 1854 brannte das erste Jöhstädter Schulhaus am Markte vollständig nieder. Nun mußte man an den Neubau gehen, der auf 4500 Taler veranschlagt war. Die Brandkasse gewährte 2154 Taler, der Staat zahlte 500 Taler Beihilfe. Um weitere Geldmittel zu schaffen, mußten für 1850 Taler Stadtobligationen ausgegeben werden, die zwei Jahre lang im Wege der Auslosung getilgt wurden.
So entstand das zweite Schulhaus von Jöhstadt auf dem Acker unterhalb der St. Salvatorkirche, an der steilen Kirchstraße gegenüber dem Schuhmacher Maschke-Haus. Die Schule war zweistöckig, hatte acht Fenster Front nach der Straße zu und genügte räumlich in ausreichender Weise den Anforderungen. Bis zur Fertigstellung des Baues war der Unterricht in drei ermieteten Stuben abgehalten worden, und zwar im Hause des Spitzenhändlers Schluttig, des Fabrikanten M. Müller und des Fleischers Burkert.

58 Jahre lang diente das zweite Jöhstädter Schulhaus seinem Zwecke, da wurde auch dieses ein Raub der Flammen. Am 2. August 1912 gellte Feueralarm durch die Stadt. – „Die Schule brennt!“ – In kurzer Zeit lag das Gebäude in Schutt und Asche.
Wiederum sah man sich vor die Aufgabe eines Schulneubaues gestellt. Dieses dritte Jöhstädter Schulhaus, nach den Plänen des Architekten Bohlig-Dresden, von Baumeister F. J. Götze in Annaberg errichtet, wurde im Jahre 1913 vollendet und eingeweiht. Diese Schule gilt in Bezug auf Architektur und Raumverteilung als eine der schönsten und zweckentsprechendsten Schulhäuser im Annaberger Bezirk.
