Alte Bilder aus Königswalde.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 129. Jahrgang Nr. 9 vom 1. März 1936. S. 1 – 2.

Die um 1850 gegründete Ratsgerichts- und Kantorei-Kapelle.

Als Ergänzung des in Nr. 22 des I. E. S. vom 28. Mai 1933 veröffentlichten Bildes der um 1865 gegründeten Königswalder Kapelle, die s. Zt. hauptsächlich im Gasthof Amtsgericht spielte, können wir unseren Lesern heute die alte Kapelle des Gasthofes Ratsgericht zeigen, ein Bild, das verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden.

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Die Kapelle des Gasthofes Amtsgericht um 1865. (Aus I. E. S. Nr. 22 vom 28. Mai 1933.)
Obere Reihe von links: Adolf Gebhardt, Maurer, Christian Malz, Maurer, Christian sacher, Zimmermann, Hermann Heyn, Spitzenverleger, Friedrich Uhlig, Wirtschaftsgehilfe (1890-1899 Gemeindevorstand). Untere Reihe von links: Friedrich Sacher, Zimmermann, Ernst Heyn, Handelsmann, Adolf Pöttrich, Wirtschaftsgehilfe, Christian Weigelt, Wirtschaftsgehilfe (später Besitzer des Pollmergutes).

In alten Zeiten gab es auf den Dörfern keine Berufsmusiker. Damals fanden sich, wie das auch heute noch viel der Fall ist, musikliebende Männer zusammen und vereinigten sich zu einer Kapelle, die zu ernsten Anlässen und frohen Festen aufspielte. Aus den jeweiligen örtlichen Bedürfnissen heraus bildeten sich, wie dies in Königswalde war, im Laufe der Zeit mehrere Kapellen.

Das Musikkorps des Gasthofes Ratsgericht spielte nach mündlicher Überlieferung im 1851 erbauten Ratsgerichtssaal zum Tanz auf und wird schon vor 1850 entstanden sein. Es verwaltete gleichzeitig noch die Musik der Kantorei, begleitete deren Gesänge zur Kirchenmusik und Konzerten und blies bei Beerdigungen Trauermärsche und Choräle.

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Hier spielte die Ratsgerichts-Kapelle.
Der alte Gasthof zum Ratsgericht wurde am 25. Mai 1908 ein Raub der Flammen. Heute steht an der Stelle, wo um 1580 das Lehngericht erbaut wurde, ein schmucker Neubau.

Alte Einwohner von Königswalde geben an, daß das Bild der Ratsgerichts-Kapelle um 1871/72 von einem Photographen aus Scheibenberg aufgenommen worden ist.

Diese 12 Freunde der Musik, die sich aus allen Berufen zusammengefunden hatten, sind die Ahnen von Erzgebirgsfamilien und manches Ortskind von heute sieht auf diesem Bild den Urahn und Ahn seiner Sippe, den Urgroß- und Großvater, den es vielleicht nur den Namen nach kannte.

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Die Mitglieder der Ratsgerichts-Kapelle um 1870/71.
Von links nach rechts: 1. Hermann Herrmann, Leineweber und Handelsmann, 2. Adolf Pollmer, Strumpfwirker, 3. Friedrich Siegel, Stellmacher und Gutsbesitzer, 4. Friedrich Sühnel, Haus- und Feldbesitzer, 5. Gotthilf Flor, Gutsbesitzer, 6. Carl Heyn, Gutsbesitzer und Schulgeldeinnehmer, 7. Christian Herrmann (Tanzmeister), 8. Gotthilf Meyer (Dirigent), Gutsbesitzer (Unteres Schallergut), der 1908 starb, 9. Gottlob Prager, Tischler, 10. Adolf Rank, Korbmacher und Fleischer, 11. Friedrich Gebhardt, Schuhmacher und Kirchner, 12. Adolf Freund, Gutsbesitzer, nachmaliger Gasthofbesitzer, Vater des jetzigen Besitzers des Gasthofes Ratsgericht Paul Freund, Adolf Freund starb 1927.

Damit wird diese alte Aufnahme ein wertvoller Mittler zwischen Vergangenheit und Gegenwart und regt dazu an, Familienforschung zu treiben. Aus dem Kennenlernen der Ahnen wächst das Verständnis des eigenen bluthaft-völkischen Werdens und vertieft sich die Liebe zum Heimatboden.