Geschichten aus der Heimat

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 134. Jahrgang Nr. 1 vom 5. Januar 1941. S. 4.

Wilde Schweine und Geier als Fundgrübner

Das Zinn- und Silbererz, das dem Erzgebirge den Namen gegeben hat, hatte viele Menschen aus allen Himmelsrichtungen her in das Erzgebirge gelockt und dort festgehalten. So ist eine Stadt nach der anderen, ein Dorf nach dem anderen entstanden; und manche dieser Siedlungen ist rasch zu einer namhaften Ortschaft herangewachsen. Ueber verschiedene unserer erzgebirgischen Orte sind Sagen und seltsame Berichte vorhanden, die zumeist auf den Anfang, auf die Entstehung der Ortschaften zurückweisen. Eine davon sei im folgenden erzählt. Die Stadt Ehrenfriedersdorf soll ihre „Gründung“ auf ein paar – Wildschweine zurückführen. So berichtet wenigstens die sage. An sich soll Ehrenfriedersdorf um 1240 entstanden sein. Bergleute aus dem Harz und aus Oberfranken sollen es gegründet haben. Das Erzgebirge stand damals noch voller Wälder mit großem Wildreichtum, darunter auch Wildschweine. Diese sollen die Zinngänge am heutigen Sauberg aufgescharrt und somit den Reichtum des Berges im wahrsten Sinne des Wortes zu Tage gebracht haben. Dadurch ist überdies auch der Sauberg zu seinem Namen gekommen, an dessen Fuße sich Ehrenfriedersdorf hinzieht. Es wird mit den Schweinen, die zur Gründung Ehrenfriedersdorfs Anlaß gaben, ähnlich sein wie mit den Geiern, denen Geyer seine Entstehung verdanken soll: Dichtung und Wahrheit sind ineinandergeflossen und haben „Geschichte“ gemacht.

(Fortsetzung.)