Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 43. – Sonntag, den 20. Oktober 1929, S. 1.

(Aufnahme von Phot. Weißgärber, Buchholz)
Hinter uns liegt der erinnerungsreiche, denkwürdige Tag der Enthüllung des Kriegerehrenmales der Stadt Buchholz, jenes Dankmales, das freies Spenden aller Volkskreise den über 400 im Weltenringen gefallenen Heldensöhnen der Bergstadt gewidmet hat. Am 13. Oktober 1929 – die Geschichte der Stadt wird es für immerdar künden – wurde das Ehrenmal geweiht, von dem Herr Bürgermeister Schimpf es treffend sagte, daß es immerdar einen prächtigen Schmuck der Stadt und ein echtes Ehrenmal darstellen werde, zu dessen Erschaffung das Scherflein aus der Hütte und die Stiftung aus der Villa im gleichen Maße erhebend beigetragen haben. Es ist ein seltenes, eigenes Denkmal, das Künstlerhand hier gesetzt hat, zwiefach wirksam in seiner Vereinigung mit dem Kriegermal von 1870/71. Letzteres das Erinnerungszeichen an den Aufstieg Deutschlands, das neue Ehrenmal die aus dem Niedergang Deutschlands resultierende Mahnung. Einen Löwen setzte der Künstler (Architekt Schurig in Dresden) auf ein Postament heimischen Materials. „Schlaft in Euren Heldenehren”, so deutete er selbst den Sinn des Denkmals. Und so wird er von allen auch eindrucksvoll verstanden werden, die an der wundervoll wirkenden Gesamtanlage des Denkmalplatzes besinnlich, dankerfüllt und ergriffen innehalten, jetzt und für alle Zeiten. Denkwürdig aber wird für alle Zeiten auch sein und bleiben, wie man das Ehrenmal weihte; denn die ganze Bürgerschaft war es, die zu Tausenden herbeikam, um im stillen Gedenken an die Hunderte, die auf blutiger Walstatt ihr Leben für die Heimat ließen, dem feierlichen Akt beizuwohnen, mit dem das Denkmal der Oeffentlichkeit übergeben ward. Im Gotteshause zu St. Katharinen kein Plätzchen frei, am Denkmal ringsum dichtgedrängte Scharen. Und alles, was man hier und dort hörte und sah, zog tief durch Gedanken und Herzen. In der Kirche Herrn Pfarrer Satlows seelenergreifende Festrede, in der er unter Hinweis auf das Professor Schlatter’sche Wort von der „Großen Forderung des Staates”, nicht nur des Heldentodes der Dahingegangenen gedachte, sondern die Mahnung den Lebenden ans Herz legte: „Gedenkt eurer deutschen Pflicht!” Deutsche Notzeit ist da, so rief der Geistliche es durch das Gotteshaus, da ist das Zusammenstehen doppelt wichtig. Unvergeßlich, wie darauf die Gemeinde sich zu minutenlangem stillen Gedenken an unsere teuren Toten erhob. Dann zog man in langen Reihen, überall in würdigem Ernst von der Bevölkerung begrüßt, zum Denkmal. Dort nach dem Grußwort und der Denkmalentstehungsgeschichte des Herrn Woldemar Pilz, nach den markigen Worten des Architekten aus Dresden die herzbezwingende Weiherede des Herrn Pfarrer Richter: „Wo Menschen schweigen, sollen Steine reden”. Siesollen reden von den Gefallenen unserer Stadt, davon ferner, was wir ihnen schuldig sind, von den Hoffnungen unseres Volkes und von unserer Pflicht, wieder aufzubauen. So weihte der Geistliche mit packenden Worten das Denkmal und Herr Bürgermeister Schimpf übernahm dasselbe dankend mit herrlichen deutschen Worten in Schutz und Schirm der Stadt. – Gedenkt der Toten, gedenkt der Pflicht, ja, wir wollen es uns für immer merken.