Die Wahl der ersten Commun-Repräsentanten für die Stadt Annaberg. – Ihre feierliche Einweisung.
(Schluß.)
Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 10, 124. Jahrgang, 8. März 1931, S. 2 – 3.
Die Stimmenmehrheit fiel auf folgende Bürger:
Repräsentanten: Carl Gotthold Glumann, Christian Heinrich Fleischer, Abel Heinrich Gottlob Seelig, Carl Friedrich Meisel, Christian Fürchtegott Mühlenderlein, Friedrich August Rudolph, Carl August Schalig, Friedrich Traugott Cronewald, August Gottlob Eisenstuck, Gustav Eduard Mende, Johann Traugott Friedel, Ferdinand Zumpe, Johann Gottlob Gnaspe, Christian Friedrich Zeidler, Christian August Butter, Carl Christian Fricke, Christian Constantin Schellenberger, Christian August Reuther.
Ersatzmänner: Johann Christoph Schmiedel, Carl August Gerischer, Johann Erhardt Ludwig, Christian Gottlieb Rülke, Carl August Röhling, Christian Gottfried Müller, Ernst Wilhelm Blischke, Friedrich August Hommel, August Wilhelm Geißler.
Den Mandatsbestimmungen gemäß fand am Tage der Wahl die erste Sitzung der gewählten Repräsentanten statt. Es sei hier ein Auszug aus dem Protokoll dieser Sitzung wiedergegeben:
„Nach der heute beendigten Wahl der hiesigen Communrepräsentanten und Ersatzmänner fanden Erstere sich Abend 7 Uhr in der auf hiesigem Rathhause gelegenen, sogen. Commissionsstube ein, um zuvörderst, in Folge gesetzlicher Bestimmungen, aus ihrem Mittel einen Vorsteher und Protokollführer, so wie für jeden dieser beiden Posten einen Stellvertreter zu erwählen, hiernächst die Zeit zu bestimmen, zu welcher die ordentlichen Sitzungen künftighin gehalten werden sollen, endlich aber auch darüber, unter sich eine Verabredung zu nehmen, wenn die diesfällige Vernehmung mit dem Stadt-Rathe darüber zu bewirken, in welcher Art deren feierliche Einführung, in die ihnen angewiesenen Functionen geschehen soll. Anlangend die Wahl eines Vorstehers: so wurde nach vorausgegangener Abstimmung der CRp. Schalig als Vorsteher, ingleichen nach dem mündlich ausgesprochenem Wunsche, der CRp. Seelig zum Protokollführer, so wie der CRp. Rudolph als des Erstern, der CRp. Mende aber als des Letztern Stellvertreter gewählt.“ Man wurde sich dann darüber einig, wann und wie die feierliche Einführung in die Aemter zu erfolgen hat.
Das Protokoll der ersten Sitzung weist ferner folgende interessante Bemerkung auf: „Hiernächst war annoch zu bemerken, daß nachdem der Stadtrath die Versammlung von der Hochverehrlichen Kreishauptmannschaftlichen Veranlassung vom 18. v. M. In Kenntniß gesetzt, in Folge deren nach dem allerhöchsten Rescripte vom 3. März d. J. die drei Städte Freiberg, Zwickau und Annaberg zur Vernehmung über die neu entworfene Städteordnung und diesfällige Abordnung eines Repräsentanten aus deren Mitte eine unter sich auszuerwählen, nach der vorher geschehenen Abstimmung die diesfällige Wahl auf die Stadt Freiberg fiel.“ Bis zur Einführung fanden indessen noch zwei weitere Sitzungen statt, die sich mit allgemeinen kommunalen Angelegenheiten zu befassen hatten.
Am 12. Mai, dem Himmelfahrtstag 1831, geschah dann „das für unsere Stadt wichtige Ereigniß“. Man versammelte sich an diesem Tage in der Kirche, wo Superintendent D. Lommatzsch eine Festpredigt hielt und die Einsegnung vornahm. Unter Glockengeläute und in Begleitung von Stadtrat, Bergamt und den Kommunalgarden begab man sich daraufhin in den Rathaussaal. Dort nahm in Abwesenheit des Amtshauptmanns Freiherrn von Biedermann Amtmann Lindner die Einweisung vor. In seiner Rede erinnerte er die Repräsentanten an ihre Pflichten und warnte sie davor, „alte Institute nur deshalb abzuschaffen, weil sie alt sind; denn oft ist das Alter derselben die sicherste Bürgschaft ihrer Brauchbarkeit“. Die folgende Rede des Post- und Bürgermeisters Reiche-Eisenstuck gipfelte in dem Ausspruch: „Groß stehe Annaberg da durch Eintracht, blühen möge es durch Gemeinsinn.“ Mutig könne man dann den verhängnisvollsten Zeitereignissen entgegentreten. Die Feier schloß mit Dankesworten des Vorstehers, Oberzehntners Schalig, der versicherte, daß man in sorgsamer Prüfung und in allgemeinem Fortschreiten den Weg zu Besserem suchen werde.
—d.