Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 27 – Sonntag, den 30. Juni 1929. S. 1
Das Feuerwesen von Jöhstadt hatte am 22. und 23. Juni denkwürdige Tage in seiner Chronik zu verzeichnen. Die Freiwillige Feuerwehr daselbst konnte auf ein 60jähriges Bestehen zurückblicken. Daß die ganze Stadt an den Veranstaltungen regen Anteil nahm, die aus Anlaß dieses Ereignisses begangen wurden, war ein schönes Zeichen dessen, wie man in der Bevölkerung die selbstlose Arbeit der Nächstenliebe bewertet, die von den wackeren Mannen der Jubelwehr jahrein, jahraus verrichtet wird. Alle Stände und Schichten der Bevölkerung waren bei den Feierlichkeiten vertreten, just wie diese auch in der Wehr selbst, „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr”, Schulter an Schulter zusammenstehen. Wie wir bereits berichteten, ging die Jubelwehr aus einer Turnerfeuerwehr hervor, und zwar diese wieder aus dem Turnverein zu Jöhstadt. Aus diesem Grunde hat sich auch der bei den Wehren sonst kaum zu findende Gruß hier erhalten: „Gut Heil”. Die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr wurde um 1869 geradezu bedingt durch zahlreiche damals ausbrechende Brände, die ganze Ortsteile in Schutt und Asche legte. Es bestand zwar bereits eine Feuerwache, die sich in zwei Glieder teilte, das eine für die obere, das andere für die untere Stadt. Aber diese konnte beim besten Willen der Gefahren nicht Herr werden, die die, wie gesagt, häufigen und umfangreichen Brände der damaligen Zeit hervorriefen. Auch war der ganze Verwaltungsapparat jener Feuerwachen so umständlich und veraltet, daß alles hier viel zu schwerfällig war. Verargte schon dies vielen die Lust am Wehrdienst, der damals ein Pflichtdienst war, so machten die hohen Strafen, die für allerlei Dienstverstöße festgesetzt waren, die Bürgerschaft zum Teil aufsässig gegen die ganze Institution und ihre damalige Verfassung. So z. B. verdroß das unglaubliche Strafverfahren stark, nach welchem die Bestraften sich beim Bürgermeister mit den Vertretern der Wehr in Gegenwart von Ratsmitgliedern einfinden mußten, um sich zu rechtfertigen. Kurz und gut die alte gute Feuerwache war mit der Zeit unmöglich geworden und es war höchste Zeit, daß die Turnerfeuerwehr sich rekrutierte. Das geschah am 25. Februar 1869 in einer Versammlung des Turnvereins. Sechsundzwanzig Turner traten der neuen Wehr unverzüglich bei, von denen heute noch die Herren Fabrikbesitzer Ottomar Anger-Altenburg, Privatmann August Anger (heute noch Wehrmitglied) und Privatmann Edwin Flader am Leben sind. Der Wehr trat alsbald der Wirtschaftsbesitzer Herr Gustav Peters bei, der ebenfalls noch heute in Reih und Glied bei der Freiwilligen Feuerwehr zu Jöhstadt steht. 1869 wurde die Turnerfeuerwehr, 46 Mann und 9 Führer stark, vom Stadtrat verpflichtet. Ihr Hauptmann war der Amtsgerichtskontrolleur Schreyer. Bald erreichte die Wehr die Stärke von 100 Mitgliedern. Sie wurde von der Stadtverwaltung jährlich subventioniert. Gewaltig ist natürlich der Unterschied zwischen der Geräteausrüstung von einst und jetzt. —

Wie berichtet, fanden aus Anlaß des Wehrjubiläums umfangreiche Festlichkeiten statt, wie: Fackelzug, Illumination, Kommers, Kirchenparade, Ehrung der Gefallenen, Festzug und eine große Uebung. Unsere Bilder oben zeigen links die Spitze der Jubelwehr, geführt von Herrn Hauptmann Weinhold, sowie die Ortsvereine im Festzuge.
