Illustrierte Wochenbeilage der “Obererzgebirgischen Zeitung” Nr. 40. – Sonntag, den 29. September 1929, S. 1 – 2.

(Altarbild aus der Annenkirche zu Annaberg.)
Mehrfach bereits nahmen wir Gelegenheit, in unseren “E. H.” Interessantes und Lehrreiches über den „Erzgebirgischen Erzbergbau” unserer Leserschaft zu vermitteln. Nachstehend nun wollen wir einen Ueberblick über die wichtigsten Fundgruben, die um Annaberg und Buchholz herum sich befanden und deren Haldenüberreste man heute noch wahrnehmen – kann, geben. Herr Kunstmaler Voigt-Buchholz, einer der eifrigsten Forscher der alten gebirgischen Bergbauanlagen stellte an Hand alter Skizzen und Aufzeichnungen, die er sich im Bergamte zu Freiberg aus dem Wust der dort lagernden Akten mit großer Gewissenhaftigkeit sorgfältig herauslas, eine genaue Uebersichtskarte aller in hiesiger Gegend vorhanden gewesenen Bergbauanlagen, ihre Bezeichnung und zum Teil auch ihre Ausbeute fest. Bei einer Begehung der alten bergbaulichen Ueberreste durch die Geschichtsvereine von Annaberg und Buchholz stellte sich Herr Voigt sofort in liebenswürdiger Weise als Führer zur Verfügung und bezeichnete an Hand seiner Bergkarte die einzelnen vorhanden gewesenen Fundgruben und deren hauptsächlichen Schächte, Stollen und Erzgänge. Vor der Nennung der einzelnen Grubenfelder ist es am Platze, zunächst einiges Allgemeine zur Aufklärung vorweg zu nehmen. Man muß zuerst die Ueberreste der alten Zinngruben von denen des Silberbergbaues trennen. Zinn wurde u. a. geschürft am Kleinrückerswalder Hang, vom Zinnacker bis oberhalb des Buchholzer Stadtgutes und im Buchholzer Stadtwald. Ein beträchtlicher Teil des Zinnvorkommens wurde durch Tagebau ausgebeutet. Man nannte diese Art des Abbaues des Zinnerzes „Seifen”. Die im Buchholzer Stadtwalde noch vorhandenen Mulden sind die letzten Ueberreste aus jener Zeit. Neben den Tagebau stieß man jedoch auf einen „Zinnzwitterstock”, der die Anlage von Stollen erforderlich machte, auf die wir später noch zurückkommen. In der Bergmannssprache nun nannte man die vorhandenen Erzadern „Gänge” und kannte vier Arten, stehende, Morgen-, Spat- und flache Gänge. Ueber den Stollen errichtete man noch Hilfsbaue oder Kunstschächte zum Zwecke der Hebung und Ableitung der Grundwässer und zur Herstellung regelmäßigen Wetter- und Luftwechsels. Versuchsbaue wurden zur Verfolgung und Untersuchung der Gänge hinsichtlich ihrer Bauwürdigkeit oder zur Aufsuchung neuer Gänge getrieben. Wurde unweit einer Fundgrube eine zweite errichtet, so nannte man dieses Gebiet das „Gegentrumm”. Hatte man ein Gelände zum Abbau des dort vorhandenen Erzvorkommens gemutet und gemerkt, daß der Erzgang weiter verlief, so konnte man das angrenzende Gebiet noch dazu erlangen. Das neue Grubenfeld nun hieß „Maß”, das war eine Fläche von 28 Lachter Länge und 7 Lachter Breite. Wo die Fundgrube aufhörte, fing die erste „Maß” an, und an diese wieder schloß sich die zweite, dritte usw.
