Die Kät der Neuzeit.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 22, 124. Jahrgang, 31. Mai 1931, S. 4.

Man hat in Alt-Annaberg oft Klage darüber geführt, daß es hier kein rechtes Volksfest gäbe. Die Schützenfeste und das Schulfest blieben immer nur auf die Einwohnerschaft Annabergs beschränkt und behielten deshalb einen rein lokalen Charakter. Die Kät, heute das große Volksfest des Obererzgebirges, hat lange Jahre gebraucht, um sich zu dem Vergnügungsmarkte zu entwickeln, wie ihn die heutige Generation kennt.

Kopie
Die Kät 1930.

Wie bescheiden und anspruchslos mutet uns das Kätfest 1808 an, wie wir es aus einer brieflichen Beschreibung aus dem 1. Jahrgange unserer Zeitung kennen. Damals sah man nur einige Buden mit „Fesselkuchen“ in der Allee vor dem Eingange zum Gottesacker (wo das Trinitatisfest bis 1826 abgehalten wurde), daneben die unausbleiblichen Pöklingsmänner mit ihrer weithin duftenden Ware und vor dem Wolkensteiner Tore eine lange Reihe von Blinden, Lahmen, Tauben, Krüppeln aus der Nähe und Ferne. Auch heute bilden diese Unglücklichen Spalier an den Zugangsstraßen zum Kätplatz. Man trifft unter ihnen viele, die schon Jahre ihren Stammplatz behaupten.

Kopie
Das Aufziehen des Kätvogels.

Den gewaltigen Aufschwung, den die Kät genommen hat, nachdem sie 1868 nach dem damaligen Schießplatz am Schützenhaus verlegt worden war, veranschaulicht der Kätfestzug 1928, der noch in aller Erinnerung ist. In ihm marschierten u. a. die Kättypen von 1888 mit auf: die Kuchenlindnern, der Gurkenmaa, der Lauxbäck, der Rußbuttengung und Kätbesucher in der Tracht aus dem Dreikaiserjahr. – Am Sonntag werden wiederum Böllerschüsse, die das Aufziehen des Kätvogels der Priv. Bogenschützengesellschaft begleiten, den Kätanfang 1931 weithin verkünden und das Signal zur Massenwanderung nach dem Kätplatz sein.