Der Fels des Todes auf dem Galgenberg zu Buchholz.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 15, 124. Jahrgang, 12. April 1931, S. 1.

Das Buchholzer „Hochgericht“, die alte Richtstätte der Stadt am Buchenholz, die Höhe, wo ehemals der Galgen stand, ist nicht so leicht zu finden, wie der Annaberger „Galgen“. Aber bei einigermaßen gutem Orientierungssinn gelangt man auch zum Buchholzer Rabenstein. Schmale Pfade führen dahin und große Gneisfelsstücke mit darin eingegrabenen geheimnisvollen Buchstaben und Zahlen bezeichnen den traurigen Platz zuverlässig.

Wenn man von der alten Schlettauer Poststraße oberhalb der letzten Häuser von Buchholz noch vor dem Gasthaus „Zur Windmühle“ in Richtung nach dem Schützenhaus links dem Walde zustrebt und da, wo der niedrige Hohlweg sich teilt, rechts fortschreitet, gelangt man bis zu einem Punkte, wo der Weg in gerader Richtung aufhört, während von Osten nach Westen ein Feldweg führt. Von dieser Stelle geht man auf schmalen Feldrändern auf den Wald zu und wendet sich, wenn man ihn erreicht hat, 20 bis 25 Schritte nach links bis zu einem alten Grenzstein, bei de eine schmale Schneise in die Waldung führt. Nur etwa 60 Schritte geradeaus und nun 20 nach rechts, dann steht man vor dem Felsen des Buchholzer Galgenberges. Dies ist der „Fels des Todes“; denn wer in früherer Zeit als Übeltäter hierher geführt wurde, der sah der Sonne Licht und die Welt zum letzten Male.

In den Felsen eingehauen sind die Jahreszahlen: 1549 und 1555. Was mögen sie für bedeutsame Hinrichtungen oder hochnotpeinliche Exekutionen bedeuten? Auch vermögen wir die teilweise verwitterten Buchstaben F R R und M M R zu entziffern.

Wendet man sich dann nach der Waldschneise zurück und geht in östlicher Richtung etwa fünzig bis sechzig Schritte über diese hinweg, so gelangt man an einen viereckigen, tischähnlichen, großen Stein. Dies ist der „Marterstein“, wo über zwei Jahrhunderte lang der Galgen aufgerichtet stand. Groß ist die Zahl der Bösewichte gewesen, die hier ihr Leben geendet haben; denn bekanntlich wurde früher auch Diebstahl usw. mit dem Tode bestraft.

Kopie
Der Buchholzer „Marterstein“.
(Nach einer alten Lithographie.)

Betrachtet man den Steinblock näher, so findet man darin eingehauen eine Reihe von Zahlen und Zeichen.

Das Hochgericht war wegen seiner hohen und freien Lage sehr den Witterungsunbilden ausgesetzt. Es machten sich deshalb sehr oft Ausbesserungen des Galgens nötig, so in den Jahren 1529, 1549, 1555, 1570, 1585, 1602, 1613, 1627, 1657 und 1674. Nicht alle diese Jahreszahlen sind auf dem Stein eingegraben, wo wohl nur die größten Erneuerungsarbeiten verzeichnet sind.

Die Buchstaben, die sich auf den Steinen der Buchholzer Galgenhöhe befinden, dürften als Angaben der Namen von Richtern zu werten sein.

Nun hat aber der Buchholzer „Galgen“ zu alledem noch eine botanische Eigentümlichkeit. Man kann nämlich öfter auf dem moosbewachsenen Galgensteinen und auf den umliegenden Felskuppen die merkwürdige „Blutflechte“ finden, die im Herbste dunkelrote Spitzen, Buckel und Ränder hat oder, wie es im Volksmunde heißt, „blüht“.

Die Bezeichnung „Galgenberg“ trägt dieser Geländepunkt nachweislich seit dem 16. Jahrhundert. Die Buchholzer Chroniken enthalten nur spärliche Nachrichten über die alte Richtstätte der Stadt. Durch die Abgelegenheit des Ortes ist sie nur wenigen bekannt und mancher ist vielleicht schon oft an diesen steinernen Zeichen einer weit zurückliegenden Zeit vorübergegangen, ohne sich ihrer Bedeutung bewußt zu werden.