Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 46, 134. Jahrgang, 24. November 1940, S. 4.
Das Konzert, das der berühmte Dresdener Kreuzchor am 1. Advent unter Stabführung seines bekannten Dirigenten Professor R. Mauersberger, einem Ortskind, anläßlich des 50jährigen Bestehens der im Dezember 1890 eingeweihten Dorfkirche gibt, lenkt die Aufmerksamkeit der Heimatfreunde auf die alte Wehrkirche, die damals dem Neubau hatte weichen müssen. Heute würde man sich glücklich schätzen, wenn das alte Mauersberger Kirchlein, das als Wehrkirche, wie die des benachbarten Großrückerswalde erbaut war, wenigstens als Kulturdenkmal erhalten geblieben wäre.

Die 1000 Einwohner zählende, 648 m hoch gelegene Gemeinde Mauersberg gehört zu den ältesten Siedlungen des Obererzgebirges. Als Ursberg (d. i. am Auersberg gelegen, Hinweis auf das Vorkommen von Auerochsen) wird es als Klosterdorf des Cisterzienser Klosters Buch bei Leisnig 1291 erwähnt. Mit Mildenau und Streckewalde hatte es 10 Jahre vorher unter den Kämpfen gelitten, die von den Burggrafen von Altenburg, die die Herrschaft Pöhlberg besaßen, gegen das Kloster Buch führten und dieses dann veranlaßten, seine Besitzungen im Obererzgebirge an die Herren von Waldenburg abzutreten, die die Herrschaft Wolkenstein innehatten. In den folgenden Jahrhunderten ist mancher Kriegssturm über Mauersberg hinweggebraust. Zäh mit der Scholle verwachsen und entschlossen, diese zu verteidigen, baute die Mauersberger Bauernschaft ihre Kirche als Wehrkirche, als letzte Zuflucht und Verteidigungsmöglichkeit aus. Nach alten Ueberlieferungen war schon die Kapelle der Vorreformationszeit, in der ab und zu Annaberger Franziskanermönche die Messe lasen, als Wehrkirche eingerichtet. Kurz vor dem 30jährigen Krieg scheint die alte Kapelle abgebrochen und völlig neu aufgebaut worden zu sein. 1706 sollte das alte Kirchlein einer neuen Platz machen. Der Neubau unterblieb jedoch. Man begnügte sich mit einer Reparatur. Der Dachturm trug zwei Glocken, von denen eine aus dem Jahre 1531 stammte. Das alte Wehrkirchlein von Mauersberg war sehr baufällig geworden, als es vor etwas mehr als 50 Jahren der neuen Kirche Platz machen mußte, die 1889/90 erbaut und im Dezember 1890 ihrer Bestimmung übergeben wurde.
Die Ortsgeschichte von Mauersberg hat 1928 Kantor Max Ullmann im I. E. S. ausführlich behandelt. Manche Kriegsnot mußte die kleine Gemeinde erdulden. Der Hussitenkrieg (1429/30) hinterließ hier das „Wüste Gut“. 1568 traten Pestfälle auf. Während des 30jährigen Krieges herrschte große Not. 1639 war ein schlimmes Hungerjahr und 1640 starben 43 Einwohner an der Pest. Im Siebenjährigen Krieg wurden in der Nacht zum 17. Juni 1758 die in Mauersberg lagernden Preußen von den Oesterreichern überfallen. 1771/72 waren schwere Hungerjahre. Im August 1813 lagen 30.000 Oesterreicher um Mauersberg. Allen Widrigkeiten setzten die Mauersberger ihren ungebrochenen Willen zur Selbstbehauptung entgegen
