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Annaberger Bergleute im Ausland.

Von W. Ludewig.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt. Nr. 31, 1. August 1937, S. 6 – 7.

Die Bergknappen vergangener Jahrhunderte waren ein wenig seßhaftes Volk. Ihre Wanderlust trieb sie im alten Deutschen Reich von einem Bergrevier zum andern. Wo immer ein neues Berggeschrei erscholl, wo neue Anbrüche lohnende Arbeit und guten Gewinn versprachen, dorthin wendeten sie sich und wanderten zum guten Teil weiter, sobald sich die ersten reichen Anbrüche erschöpften und anderwärts die Kunde von neuen Anbrüchen lockte.

Als sich am Schrecken- und Schottenberg das Gebirge höflich erwies, da kamen sie in hellen Haufen aus den älteren Bergstädten Sachsens, aber auch aus den Böhmen- und den Alpenländern herbei und trugen zum raschen Wachstum der jungen Schwesterstädte Annaberg und Buchholz bei. Als dann in den Jahren 1519 – 1534 der Annaberg-Buchholzer Silberbergbau seine erste große Krisis durchmachte und ganz beträchtlich an Ergiebigkeit nachließ, wanderte ein großer Teil von ihnen nach den inzwischen aufgekommenen Bergrevieren Joachimsthal und Marienberg, andere versuchten ihr Heil in den Wäldern der oberen Grafschaft Hartenstein, wo um diese Zeit von den Herren von Schönburg die Bergstädte Scheibenberg und Oberwiesenthal gegründet wurden, während etwa gleichzeitig im damals noch zu Sachsen gehörigen südlichen Teil der Herrschaft Schwarzenberg Gottesgab und Platten als Bergstädte entstanden. Ihr Wandertrieb führte sie aber nicht nur von einem erzgebirgischen Bergrevier zum andern, sondern der Menschenaustausch fand ebenso zwischen dem Oberharz und den Tiroler und Salzburger Bergbaugebieten einer- und dem Erzgebirge anderseits statt. Ja, nicht einmal die Reichsgrenzen setzten dieser Wander- und Abenteuerlust Schranken, sondern die Knappen siedelten leichten Herzens ins Ausland über, sofern sie von bergbaulustigen Fürsten zur Erschließung von Bodenschätzen gerufen und mit den nötigen Vorrechten begabt wurden. So berichtet schon der Joachimsthaler Bergprediger Mathesius in seiner „Sarepta“, daß „die deutschen Bergleut gern neue Länder besuchen und zu unsern Zeiten (d. h. 1554) bis in Lissabon und Callakut, Norwegen und Schweden sich mit Bergwerk-Bauen eingelassen haben.“ (Sarepta, Ausgabe von 1564, Bl. 18b.)

Im Dienste der Welser auf St. Domingo.

Annaberger Knappen waren u. a. An einem großen überseeischen Bergunternehmen beteiligt, das in die Jahre 1528 bis 1531 fällt. Es hing aufs engste mit dem ersten deutschen Kolonialunternehmen zusammen, dessen Träger das Augsburger Kaufherrengeschlecht der Welser war und das sich nach dem nördlichen Südamerika und den westindischen Inseln richtete. Am 27. März 1528 schloß Bartholomäus Welser mit Kaiser Karl V. einen Vertrag über die Erschließung von Venezuela ab und verpflichtete sich, durch 50 deutsche Bergmeister in allen Provinzen dieses Gebietes und auf allen zugehörigen Inseln, u. a. auch auf St. Domingo, nach Erzlagerstätten forschen und solche erschließen zu lassen. Die beteiligten Bergleute sollten die gleichen Vorrechte genießen, wie sie den in der nordwestspanischen Provinz Galicien tätigen eingeräumt worden waren. Die meisten Knappen, die dem Ruf der Welserschen Werber folgten, stammten aus dem böhmischen Erzgebirge, namentlich aus Joachimsthal, aber auch aus Annaberg, Schneeberg, Geyer u. a. Orten unserer Heimat zogen einzelne über das Meer nach dem fernen Eldorado. Uns interessieren hier in erster Linie die Annaberger, die sich diesem Unternehmen anschlossen. Nach Enderlein (Erzgebirgische und andere deutsche Bergleute vor 400 Jahren im Dienste der Welser-Gesellschaft auf St. Domingo und in Venezuela, Glückauf 55. Jahrg., 1935, S. 137 – 140) waren es: Urban Behm, Jeronimus Becker (oder Lecker?), Valten Heidt, Melcher Reuß, Jacob Wachßman, zu denen sich noch Christoff Schutz von Geyer gesellte. Ueber den Ausgang des ganzen Unternehmens sei hier nur gesagt, daß es schließlich an der Mißgunst der Spanier scheiterte. Die deutschen Bergleute erlebten die Tragödie nicht bis zum bittern Ende, sondern kehrten bereits in den 30er Jahren in die Heimat zurück, soweit sie nicht dem Klima, unsachgemäßer Lebensweise und anderen Umständen zum Opfer fielen. (Vgl. hierzu auch Falke, Sächsische Bergleute auf St. Domingo, in v. Webers Archiv f. sächs. Gesch., VII, 1869, S. 406 – 414.)

(Schluß folgt.)