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Geschichten der Heimat

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 134. Jahrgang Nr. 9 vom 2. März 1941. S. 4.

Scheibenberg war eingeschneit

1647 hatte das Erzgebirge einen besonders schweren Winter. Vom 7. bis 11. Januar, also vier Tage lang, hatte es ununterbrochen geschneit. Das will etwas heißen! Damals gab es keine Schneepflüge, wie heute. Damals hieß es, sich in das Schicksal fügen. Die Stadt Scheibenberg war unter diesem gewaltigen Schneefall vollkommen eingeschneit. Scheibenberg, das damals 125 Jahre alt war, war von Anfang an, wie das heute noch erkennbar ist, nach einem regelmäßigen Plan angelegt. Der Schnee konnte sich gut lagern und füllte allen nur verfügbaren Raum aus. So kam es, daß man in den Straßen, um zueinander gelangen zu können, regelrechte Stollen graben mußte. Acht Männer waren nötig, wie eine Chronik erzählt, um einen solchen Stollen nach der Kirche zu zu schaffen, damit die Scheibenberger zum Gottesdienst gehen konnten. Wie lange dieser schwere Winter gedauert hat, ist uns nicht überliefert. Aber er mag viel Schwierigkeiten mit sich gebracht haben. Und das gewiß nicht nur in Scheibenberg, sondern auch in anderen Orten unserer Heimat.

— k. h. p. —

Schwedenschicksale

Der 30jährige Krieg mit seinen Schrecken und Nöten ging auch über das Erzgebirge hin. Besonders haben hier, wie auch anderenorts, die Schweden in grausamer Weise gewütet. Geyer hatte innerhalb weniger Jahre 3000 Taler Kriegsbeisteuer an die Schweden zu entrichten. Dadurch ist die Stadt sehr arm geworden. Oftmals mußten die Bürger der Stadt in die Wälder flüchten. Die Frauen sollen gar auf die Bäume geklettert sein und sich im Geäst verborgen haben. Auch Ehrenfriedersdorf hat die Schweden zu spüren bekommen. 1632 wurde ein Röhrmeister hinter dem Sauberg von schwedischen Soldaten gefangen und zu Tode gemartert. Die Ehrenfriedersdorfer haben sich daraufhin mit den Schönfeldern verbündet, und es kam zu offenen Feldkämpfen mit schwedischen Soldaten. Auch ist der berüchtigte „Schwedentrunk“ in Ehrenfriedersdorf in Anwendung gebracht worden. Frauen und Mädchen wurden geschändet. Ebenso hatte Thum sehr schwer unter den schwedischen Soldaten zu leiden. Die Stadt ist geplündert worden, mußte kaum erschwingliche Kontributionen zahlen und hatte zum übrigen noch die ganze weitere Kriegsnot, wie Hunger, Pestilenz usw., zu tragen. 1646 zählte Thum nur noch 184 Einwohner. In Thum fand bekanntlich am 15. Januar 1648 am Ausgang der Stadt in Richtung Annaberg das letzte Gefecht dieses langen Krieges statt. Groß war die Not jener Zeit. Und hart waren die Schicksale, die die Schweden den Männern und Frauen des Erzgebirges bereitet haben.

— k. h. p. —

(Fortsetzung.)