Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 134. Jahrgang Nr. 10 vom 9. März 1941. S. 4.
Soldaten in Tannenberg
Während des „Nordischen Krieges“, im Jahre 1706, hatte Tannenberg etwa 25 schwedische Soldaten und einen Leutnant, einen Feldwebel und einen Fahnenjunker im Quartier. Die Schweden hielten zwar, im Gegensatz zu ihren Landsleuten aus dem 30jährigen Krieg, strenge Manneszucht. Trotzdem aber bedeutete die Einquartierung für die kleine Gemeinde, die für Beköstigung und Kleidung sorgen mußte, eine schwere Belastung. Die Soldaten hielten jeden Tag zwei Mal Betstunde. Weihnachten 1706 und Neujahr 1707 haben schwedische Feldprediger in der Tannenberger Kirche gepredigt. Einmal waren über 400 Schweden in dem kleinen Tannenberger Kirchlein zu einem Gottesdienst zusammen.
1762, während des Siebenjährigen Krieges, marschierte ein preußischer Truppenteil von etwa 7000 Mann unter Generalleutnant von Seydlitz durch Tannenberg. Um diese Zeit haben in Tannenberg und in Dörfel eine zeitlang schwarze Husaren im Quartier gelegen. Einer der Husaren hat der Kirche ein Altartuch gestiftet.
– k. h. p. –
Scheibenberg
Wer die jetzige Scheibenberger Kirche in ihrer markanten, das Stadtbild beherrschenden Bauart sieht, ahnt nicht, daß das bei der Stadtgründung 1522 gebaute Gotteshaus nur aus Lehm und Holz bestanden hat und der Bau nur 227 Taler kam. — Im 30jährigen Kriege hatte das Städtchen nicht weniger als 32 Truppendurchzüge beträchtlichen Ausmaßes, zwanzig große Einquartierungen und unzählige Plünderungen zu erdulden.
Scheibenberg hatte ein sehr formenschönes und gehaltvolles altes Stadtwappen, obwohl sich auch das jetzige durchaus sehen lassen kann. Das alte enthielt zwei Tannenbäume, einen Greif, drei Bergschlägel und zwei Bergleute. Der Vogel bedeutete die Wachsamkeit, mit der die Bürger ihre Rechte wahrten. Häuer und Bergbauwerkzeug gaben Kunde davon, daß die Stadt ihre Entstehung dem Bergbau verdankt und die Tannen sollten anzeigen, daß hier der Boden ehedem waldig und morastig war. Gab es doch sogar um 1700 noch Bären und Wölfe, Luchse und Wildschweine rund um den Scheibenberg. Von Scheibenberger Merkwürdigkeiten berichtet der Chronist folgendes:
1647 hat es im Januar fünf Tage ohne Unterlaß geschneit.
1694 schneite es acht Tage vor Michaelis. Es wurde völliger Winter und die ganze Ernte blieb unterm Schnee liegen.
1772 war ein rechtes Unheilsjahr für Scheibenberg. Es brachte neben Teuerung auch Blattern und Ruhr.
Der Scheibenberg bringt alljährlich tausende von interessierten Gästen nach dem hochgelegenen Ort.
J. B.