Aus der Geschichte des Feuerlöschwesens.
Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 132. Jahrgang Nr. 23 vom 4. Juni 1939. S. 6.
VA. Es war wohl überall, wo sich menschliche Gemeinschaften auf der Erde bildeten, ungeschriebenes Sozialgesetz, daß bei Feuersnot sich die Stammesangehörigen gegenseitig zu helfen hätten. Dieser Notstand dürfte sich ja bereits vor unabschätzbaren Zeiten immer wieder mit einer fast naturnotwendigen Periodizität ergeben haben, zumal in unserem Vaterlande, das bis ins Mittelalter hinein – als Vertreter einer hochansehnlichen Holzkultur – vorzugsweise Häuser aus diesem brenngefährlichen vegetabilen Stoffe erstellte. Das schon von Tacitus als auffällig charakterisierte Wohnen der Germanen in Einzelhöfen, die weit voneinander lagen, mag zu einem Teil von der Gefährlichkeit nahe aneinander liegender Holzbauten bestimmt gewesen sein. Jedenfalls wissen wir, daß schon sehr alte Volksgesetze es in germanischen Dörfern verboten, im Hause eine Badestube zu errichten; das war nur Einzelhöfen gestattet. Sonst hatte man gemeinsame Badestuben in ungefährlicher Lage; auch die isolierte Anbringung von Backöfen nahm ja auf die Feuergefährlichkeit der altgermanischen Siedlung deutlich Bezug. Trat aber der Brandfall ein, so war jeder rührige Volksgenosse zur Hilfe verpflichtet: Die „Feuer-Ordnungen“ oder „Feuer-Folgen“ noch der letzten Jahrhunderte stabilisierten bis zum Aufkommen von Fachfeuerwehren das allgemeine Hilfsdienstprinzip bei Feuersnot als Grundsatz gemeinschaftlicher Selbsthilfe.
Natürlich wurde es bei einer Ausdehnung der Bauten und Ortschaften als zweckmäßig empfunden, wenn möglichst fachkundige Leute an die wichtigsten Stellen bei der Feuerbekämpfung gestellt wurden. Schon die Löschordnungen des 13. Jahrhunderts lassen solche Planmäßigkeit bei der Feuerdienstanordnung erkennen. Hier war Nürnberg führend. Es hat diese musterhaft verwaltete Stadt auch erheblich viel weniger unter Feuersbrünsten großen Ausmaßes zu leiden gehabt wie andere Orte; so wurde Regensburg im 12. Jahrhundert dreimal fast völlig durch Feuer zerstört, und Worms brannte im folgenden Jahrhundert siebenmal zu einem großen Teile – anno 1242 gar zur Hälfte – nieder! Die Schwierigkeiten lagen an dem entzündbaren Baustoff, an dem Mangel genügender Wasserquellen, am Fehlen geeigneter Geräte und schließlich daran, daß mangelhafte Schulung der Löscher sich unter solchen erschwerenden Umständen besonders stark bemerkbar machte. Darum verordneten die meisten mittelalterlichen Feuerlöschordnungen, daß Fachleute an die erste Rettungsstelle zu setzen seien. Unter Sach- und Fachkennern verstand man damals Handwerker, die beruflich mit Hausbau, Hausabreißen, mit Feuerarbeiten und mit Wasserbehältern zu tun hatten. Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Kaminkehrer, Schmiede rangierten unter den „Sturmtruppen“ des Feuerlöschwesens. Die Zünfte übernahmen die Dienstansetzung wechselseitig. Böttcher mußten ihre Gefäße zum Wassertransport zur Verfügung stellen. Bierbrauer und Schröter – Faßverlader – führten die Bottiche sachgemäß zur Brandstelle; Gerber mußten ihre nassen im Fluß schwemmenden Felle und Häute zum Ausschlagen des Feuers bringen. So ergibt es sich, daß es noch lange keine sonderfachliche Feuerwehr gab. Vielmehr wurde die erste deutsche freiwillige Feuerwehr erst 1841 in Meißen planmäßig organisiert und ständig ausgebildet. Und erst 1851 erstand in Berlin die erste deutsche Berufsfeuerwehr.
Primitive Handspritzen kannten schon die Altägypter und Römer. Dann wurden sie – vergessen. Erst um 1480 kommen sie neu auf. In Deutschland ist wiederum Nürnberg führend; ja, es fabriziert Feuerspritzen bereits um 1439 zum Verkauf, beliefert beispielsweise Frankfurt am Main damit. Vorher waren Leitern und Eimer die Hauptmittel der Feuerbekämpfung gewesen. Es war schon sehr weitsichtig gedacht, wenn manche Feuerordnungen es jedem Haushalt zur Pflicht machten, diese Geräte mindestens in einem Stück gebrauchsbereit zur Verfügung zu halten! Feuerhaken und Wasserbütten auf Kufen hielt der Rat bereit. Ein Ereignis war die fahrbare große Handfeuerspritze des Goldschmiedes A. Platner, die er 1518 konstruierte. 1655 schuf der Nürnberger Hans Hautsch die Pumpenspritze mit Windkessel, der den Effekt bemerklich steigerte. Ebenso wichtig war die Verbesserung der Hautsch‘schen Löschmaschine durch die Holländer Jan und Nicolas van der Heyde, die jenes Brandlöschgerät statt mit schwer beweglichen metallischen Spritzrohren mit genähten Leder- und Segeltuchschläuchen ausstatteten. Eine weitere Verbesserung sind die nahtlos gewebten Hanfschläuche des Leipzigers Beck, 1713.

Am 20. November 1890 wurde in Ober-Mildenau eine Freiwillige Feuerwehr gegründet, deren Ausbau von Gemeindevorstand Eduard Röhrer, der 1891 sein Amt antrat, tatkräftig gefördert wurde. Die erste Prämie holte sich die junge Wehr, als 1894 in Grumbach drei Güter abbrannten. Richard Hunger regte 1896 die Bildung einer Freiwilligen Wehr auch für Nieder-Mildenau an. Im Juni 1898 wurden beide Ortswehren geprüft. 1898 feierte die Ober-Mildenauer Wehr das 100jährige Spritzen-Jubiläum. Das Gruppenbild, das vor dreieinhalb Jahrzehnten aufgenommen worden ist, wird in Mildenau manche Erinnerung lebendig werden lassen. (T. A. W.-Bilderdienst.)