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Altes sudetendeutsches Musikgut

Von Dr. Hermann Güttler.

(Schluß.)

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 132. Jahrgang Nr. 3 vom 15. Januar 1939. S. 7.

Aber auch die böhmisch-deutsche Heimat selbst verdankt der Schule Czernohorskys einige ihrer besten Musikköpfe. Vorwiegend sind es deutschblütige Meister, die in fremde Dienste gehend, die Kraft der Prager Schule weit in deutschen Landen in ein günstiges Licht setzten. Franz Tuma (1704 – 1774) ging nach Wien, wo er Kapellmeister der Kaiserin-Witwe Elisabeth war und an 30 Messen, die von ambros als „wahrhaft groß“ gerühmt werden, schrieb. Zu großer Berühmtheit gelangte auch Johann Zach (1699 bis 1773), der an den Hof des Mainzer Kurfürsten als Kapellmeister ging, aber sein Leben im Irrenhause endigte. Für die Fortsetzung der böhmischen Schule im Lande selbst wurde Joseph Seeger (1716 bis 1782) von Bedeutung. Er hatte gelehrte Bildung genossen und auch in Prag zum Magister der Philosophie promoviert. Seine kirchenmusikalische Arbeit gehört ausschließlich dem Prager Musikleben an. Eine Berufung Josephs des Zweiten, der ihn in Prag bewundernd gehört hatte, an die Hofkapelle nach Wien 1781 erreichte ihn nicht mehr. Seine Bedeutung ist dadurch gekennzeichnet, daß er Lehrer der kommenden Generation, aller derjenigen Meister, die in der nachklassischen Zeit den Ruhm Prags als deutsche Musikstadt lebendig erhielten, wurde. Ein Zeugnis Johann Sebastian Bachs, der ihm einen böhmischen Schüler, den er zunehmender Kränklichkeit halber nicht mehr annehmen konnte, zuwies, rühmt ihn mit den Worten, daß er „keinen würdigeren Lehrer als ihn“ nennen könne. Von Czernohorsky, Zach und Seeger sind eine Reihe ausgewählter Orgelwerke von Otto Schmid-Dresden herausgegeben, so daß den heutigen Organisten Gelegenheit gegeben ist, sich mit dieser feingeistigen, in echt deutschem Barock zu uns sprechenden Kunst zu beschäftigen und sie der Gemeinde vorzusetzen.