Drücke "Enter", um den Text zu überspringen.

Neujahrsworte Fichtes.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 132. Jahrgang Nr. 1 vom 1. Januar 1939. S. 6.

„Wohl kann der Edle wissen, wie dem Unedlen zu Mute ist, denn wir alle werden im Egoismus erzeugt und geboren, und haben in ihm gelebt, und es kostet Kampf und Mühe, diese alte Natur in uns zu ertöten. Keineswegs aber kann der Unedle wissen, wie dem Edlen zu Mute ist, indem er nie in dessen Welt gekommen und durch sie den Durchgang gemacht hat, wie der Edle durch die seinige allerdings hindurch mußte. Der letztere umfaßt beide Welten, der erstere nur die eine, die ihn gefangen hält.“

„Die Idee und allein die Idee füllt aus, befriedigt und beseligt das Gemüt. Ein Zeitalter, das der Idee entbehrt, muß daher notwendig eine große Leere empfinden, die sich als unendliche, nie gründlich zu hebende Langeweile offenbart. In diesem unangenehmen Gefühl greift es nun nach dem, was ihm als das einzige Gegenmittel dafür erscheint, nach dem Witze: entweder um ihn selber zu genießen, oder um die Langeweile anderer dadurch von Zeit zu Zeit zu unterbrechen, und in die langen Sandwüsten seines Ernstes hier und da ein Körnchen Scherz zu säen. Dieses Vorhaben muß ihm, in der Tat und Wahrheit, notwendig mißlingen. Denn auch des Witzes ist nur derjenige fähig, welcher der Idee fähig ist.“

Aus: „Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters.“